Workshop von "Radikale Töchter" in Nordholz: "Es lohnt sich immer, Sachen anzustoßen"
Ein Workshop der "Radikalen Töchter" in Nordholz (Landkreis Cuxhaven) zeigt, wie politisches Engagement entstehen kann. Die Angebote sind demokratiestärkend und politisch neutral - trotzdem gab es Kritik. Was die Organisatoren dazu sagen.
"Was macht dich wütend? Was möchtest du verändern?" Dies sind die Fragen, denen bei dem "Mut-Muskel"- Workshop der "Radikalen Töchter" in Nordholz auf den Grund gegangen werden soll. Organisiert wurde er von Saskia Stöwing von der Stabstelle Kultur und Beteilung Wurster Nordseeküste, gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulla Puckhaber und Gemeindejugendpfleger Jörg Pfaffenroth.
Philippa und Tara von den "Radikalen Töchtern" tragen pinke, bequeme Anzüge. An den Wänden im Nordholzer Bahnhof hängen bunte Zettel und es riecht nach Farbe. Hier soll bald der Jugend- und Kulturbahnhof entstehen, erzählt Saskia Stöwing. "Die Fördermittel sind schon gesichert."
Dann betont sie: "Der Workshop der 'Radikalen Töchter‘ ist ein demokratiestärkendes und politisch neutrales Angebot." Vom Gemeinderat und Bürgermeister in Nordholz hätten sie viel Unterstützung und Zuspruch bekommen. Kritik habe es aus der Zivilgesellschaft gegeben.

Demokratie braucht Beteiligung
"Es braucht Beteiligungsformate, damit die Demokratie lebt", betont die Aktionskünstlerin Philippa. Sie seien oft im ländlichen Raum unterwegs. Häufig würden sich Lehrkräfte mit ihnen solidarisieren. "Sie können nicht alles abdecken und es macht einen Unterschied, wenn jemand von außen dazukommt", erklärt sie weiter, denn der Zugang sei ein anderer. Wenn demokratiefördernde Arbeit wegbricht, weil sie nicht mehr finanziert wird, würden die Schulen und Lehrkräfte unter noch größerem Druck geraten.
Das Bundesinnenministerium (BMI) hatte dem Projekt in der vergangenen Woche die Fördergelder entzogen. Dies mache wütend und solle einschüchtern, beschreiben die beiden "Radikalen Töchter" ihre Gefühle. Aber sie sehen sich durch Workshops wie den in Nordholz bestärkt. "Jetzt erst recht. Wir sind hier und es entsteht etwas - das ist gut", betont Tara.

"Macht legalen Stress"
Nach einer kurzen Pause geht es dann mit dem Workshop weiter. Wie ist der Stand? Wo ist der Prozess? Am ersten Tag hatte es ein politisches Speed-Dating gegeben, bevor die Gruppe sich auf ein Thema verständigt hatte, das sie an den zwei Workshop-Tagen bearbeiten will. "Wie können Jugendliche erreicht werden?" steht dabei im Fokus.
Wichtig sei es, nicht alles zu zerdenken und einfach zu machen, schiebt Philippa die Diskussion an. Die beiden Aktionskünstlerinnen greifen nicht direkt ins Geschehen ein und geben nur Impulse. Innerhalb von zehn Minuten sammeln die Teilnehmenden etliche Ideen. Rund um den Bahnhof malen sie mit Straßenmalkreide Botschaften und Fragen auf den Boden. Auch eine "Frage-Antwort-Tauschwand" entsteht. Auf dieser können Jugendliche Fragen stellen, aber auch Antworten geben. Die Aktion soll auch den zukünftigen Jugend- und Kulturbahnhof mehr in das Bewusstsein der Jugendlichen rücken.
"Es lohnt sich immer, Sachen anzustoßen", fasst Philippa es in der Abschlussrunde zusammen. "Macht legalen Stress."
