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Ein kleiner Igel genießt eine Mahlzeit in der Igelhilfe Osterbruch, wo Stefanie Röse und ihr Team seit zehn Jahren für den Schutz und die Pflege der stacheligen Tiere kämpfen. Foto Brettschneider
Ein kleiner Igel genießt eine Mahlzeit in der Igelhilfe Osterbruch, wo Stefanie Röse und ihr Team seit zehn Jahren für den Schutz und die Pflege der stacheligen Tiere kämpfen. Foto Brettschneider
Zehn Jahre Igelhilfe

Im Landkreis Cuxhaven kämpft die Igelhilfe für die stacheligen Gartenbewohner

von Bengta Brettschneider | 20.09.2026

In Osterbruch feiert die Igelhilfe ihr zehnjähriges Bestehen. Stefanie Röse und ihr Team zeigen, was Igel wirklich brauchen, wann sie Hilfe benötigen - und warum ein ordentlicher Garten zum Problem werden kann. Mit Tipps für den heimischen Garten.

Es ist voll bei der Igelhilfe. Immer wieder kommen am Sonnabend Besucher auf das Gelände in Osterbruch, schauen sich um, stellen Fragen und wollen wissen, wie sie Igeln selbst helfen können. Für Stefanie Röse ist dieser Tag der offenen Tür ein besonderer: Seit zehn Jahren kümmert sie sich um Igel in Not.

Was einmal klein angefangen hat, ist längst zu einer Anlaufstelle weit über den Landkreis hinaus geworden. Rund 600 Igel werden nach Angaben der Igelhilfe inzwischen pro Jahr versorgt. Menschen bringen Tiere sogar aus Hamburg nach Osterbruch. Anrufe erreichen das Team aus ganz Deutschland.

Zwischen 50 und 80 Igel können sich gleichzeitig in der Station befinden. Manche brauchen nur eine Woche Unterstützung, andere bleiben mehrere Wochen oder sogar über den Winter. Im Durchschnitt verbringen die Tiere etwa drei bis fünf Wochen bei der Igelhilfe.

Stefanie Röse von der Igelhilfe Osterbruch hält einen geretteten Igel in der Hand - seit zehn Jahren kämpft sie für den Schutz der stacheligen Gartenbewohner.

Auch Igel sind Individualisten

Rund fünf bis sechs Stunden Arbeit fallen täglich für Versorgung, Reinigung und Pflege an. Neu aufgenommene Tiere werden unter anderem auf Parasiten und Zecken untersucht. Bei Lungenwürmern kann eine Behandlung etwa drei Wochen dauern. Unterstützung erhält die Igelhilfe dabei auch von Tierärztin Ulrike Raute aus Ihlienworth.

Die Unterkünfte sind auf ihre stacheligen Bewohner zugeschnitten. Ein ehemaliger Tischlermeister hat Boxen gebaut, die sich gut reinigen lassen und jeweils über ein kleines Häuschen verfügen. Stroh bietet einen Rückzugsort. Und auch hier zeigt sich: Igel sind unterschiedlich. Manche verschlafen den Winter nahezu vollständig, andere wachen zwischendurch auf, verlassen ihr Häuschen und fressen.

Haben die Tiere ein ausreichendes Gewicht erreicht - etwa 1000 Gramm -, können sie je nach Zustand in eine Außenstelle umziehen.

Inzwischen steht Röse bei all der Arbeit nicht mehr allein da. 16 Ehrenamtliche gehören aktuell zum Team. Eine von ihnen ist Martina. Vor einem Jahr fand ihre Hündin kleine Igel auf einer Wiese. Martina rief Röse an und brachte die Tiere vorbei. Aus dem einen Kontakt wurde mehr. Sie begann, ehrenamtlich mitzuhelfen.

"Es ist so zauberhaft, dass man da bleibt", sagt sie.

Mit liebevoll gestalteten Tüten und Infomaterialien klärt die Igelhilfe Osterbruch über die richtige Pflege und Futter der stacheligen Freunde auf. Foto: Brettschneider

Milch und Apfel? Lieber nicht

Ein wichtiger Teil der Arbeit findet allerdings außerhalb der Station statt: Aufklärung. Die Ehrenamtlichen besuchen dafür auch Kindertagesstätten und Schulen. Denn rund um den Igel halten sich einige hartnäckige Irrtümer.

Milch und Apfel gehören nicht auf den Speiseplan. Auch von Mehlwürmern und handelsüblichem Igelfutter rät das Team strikt ab. Stattdessen können Wasser und Katzennassfutter angeboten werden. Bei der Igelhilfe kommen außerdem Soldatenfliegenlarven zum Einsatz.

Besonders wichtig ist Wärme, wenn sehr kleine, hilfsbedürftige Igel gefunden werden. Eine Wärmflasche oder eine mit warmem Wasser gefüllte PET-Flasche, mit einem Handtuch abgedeckt, kann zunächst helfen. Der Igel wird daneben gesetzt, sodass er sich bei Bedarf von der Wärmequelle entfernen kann. Erst wenn das Tier warm ist, sollte Futter angeboten werden.

Doch nicht jeder Igel, der draußen unterwegs ist, benötigt menschliche Hilfe. Wer kleine Igel entdeckt, sollte zunächst beobachten, ob das Muttertier zurückkehrt. Werden die Jungtiere über zwei Tage hintereinander ohne Mutter gesehen, sollte genauer hingeschaut werden.

Auch die Tageszeit kann ein Warnsignal sein. Igel sind eigentlich nachts unterwegs. Ein Tier, das tagsüber auffällig umherläuft, kann deshalb Hilfe benötigen.

Im Zweifel können Finder die Igelhilfe kontaktieren. Manchmal reicht zunächst ein Handyvideo per WhatsApp. Dann wird gemeinsam geschaut, was zu tun ist. "Man erreicht uns immer", sagt Röse. Wichtig sei, dass Menschen wissen, dass sie Hilfe bekommen können.

Ein bisschen weniger Ordnung hilft

Für Röse beginnt Igelhilfe allerdings lange bevor ein krankes Tier in einer Box sitzt. Sie beginnt in den Gärten.

Laub wird entfernt, Äste werden weggeräumt, alles soll möglichst "schier" sein. Was für Menschen gepflegt aussieht, kann für einen Igel bedeuten, dass Verstecke und Lebensraum verschwinden.

Dabei können schon Kleinigkeiten helfen. Eine Ecke mit Laub und Ästen stehen lassen. Einen flachen Wassernapf aufstellen. Auf Gifte verzichten. Und auch der Mähroboter sollte nicht nachts seine Runden drehen, wenn die Igel unterwegs sind.

Seit Herbst 2024 steht der Westeuropäische Igel zudem auf der internationalen Roten Liste und wird dort als "potenziell gefährdet" geführt. Für Röse geht es deshalb nicht allein darum, einzelne Tiere aufzupäppeln. Ihre Arbeit soll dazu beitragen, den Igel als heimisches Wildtier zu erhalten und einen Kipppunkt zu verhindern.

Zehn Jahre Igelhilfe bedeuten zehn Jahre harte Arbeit: Tiere aufnehmen, Boxen reinigen, füttern, behandeln, beraten und immer wieder ans Telefon gehen. Finanziert wird die Arbeit über Spenden.

Dass Röse nach zehn Jahren weitermacht, liegt auch an den Menschen um sie herum. Sie habe durch die Igelhilfe viele tolle Menschen kennengelernt. Mit Mitstreitern mache die Arbeit noch mehr Spaß.

Besucher bestaunen die engagierte Arbeit der Igelhilfe Osterbruch, die seit einem Jahrzehnt verletzte und hilfsbedürftige Igel pflegt und über igelfreundliche Gärten aufklärt. Foto: Brettschneider

So wird der Garten igelfreundlich

• Mut zur Unordnung: Laub, Äste und Totholz liegen lassen. Geschützte Ecken bieten Igeln Rückzugsmöglichkeiten.

• Wasser anbieten: Eine flache Schale mit frischem Wasser aufstellen und regelmäßig reinigen.

• Richtig füttern: Zur Zufütterung kann Katzennassfutter angeboten werden. Milch und Obst gehören nicht auf den Speiseplan. Von Mehlwürmern und handelsüblichem Igelfutter rät die Igelhilfe ab.

• Auf Gift verzichten: Schneckenkorn und andere Gifte können auch Igel gefährden.

• Mähroboter nachts ausschalten: Igel sind vor allem in der Dunkelheit unterwegs und können durch die Geräte schwer verletzt werden.

• Gefahrenstellen sichern: Kellerschächte und andere tiefe Öffnungen abdecken oder Ausstiegsmöglichkeiten schaffen.

• Nicht jeden Igel einsammeln: Ein Igel im Garten ist nicht automatisch hilfsbedürftig. Bei Verletzungen, auffälligem Verhalten oder sehr kleinen Jungtieren fachkundigen Rat einholen.

• Kleine, unterkühlte Igel zuerst wärmen: Eine Wärmflasche oder PET-Flasche mit warmem Wasser füllen, mit einem Handtuch abdecken und den Igel daneben setzen.

Kontakt: Stefanie Röse, Telefon und WhatsApp: (01 60) 95 79 80 61.

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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