Ast kracht zu Boden: Muss Otterndorf seine Kirchplatz-Bäume stärker pflegen?
Wie sicher sind die alten Bäume auf dem Otterndorfer Kirchplatz? Nach einem Beinahe-Unfall mit einem herabstürzenden Ast fordert die CDU/FDP-Gruppe mehr Pflege. Im Rat prallen unterschiedliche Vorstellungen über Maßnahmen und Fachleute aufeinander.
Es ist ein vertrautes Bild auf dem Kirchplatz: Kinder laufen über das Pflaster, Stimmen und Lachen erfüllen den Raum zwischen Kirche und Utröper-Denkmal. Doch innerhalb weniger Sekunden wird aus der unbeschwerten Szene ein Schreckmoment. Ein großer Ast löst sich aus einer Baumkrone und stürzt zu Boden. Verletzt wird glücklicherweise niemand. Doch der Vorfall am Osterwochenende hätte nach Einschätzung der CDU/FDP-Gruppe im Otterndorfer Stadtrat weitaus schlimmer enden können.
Der Kirchplatz ist das Herz Otterndorfs. Familien treffen sich dort, Kirchgänger überqueren ihn auf dem Weg zum Gottesdienst, Urlauber betrachten die historischen Gebäude oder legen während ihres Stadtbummels eine Pause ein. Gerade deshalb sieht die CDU/FDP-Gruppe nach dem Beinahe-Unfall dringenden Handlungsbedarf.
Beseitigung von Totholz und Arbeiten an Baumkronen
"Da sollte unbedingt etwas gemacht werden", sagte Gruppensprecher Thomas Bullwinkel (CDU), als er den Antrag in der Ratssitzung vorstellte. CDU und FDP wollen, dass im kommenden Haushaltsplan zweckgebundene Mittel für umfassende Baumpflegemaßnahmen bereitgestellt werden. In der Gehölzschnittperiode im Winter 2026/2027 sollen die Kastanien auf dem Kirchplatz und die große Buche vor der Kirche fachgerecht kontrolliert und gepflegt werden. Zu den geforderten Maßnahmen zählen unter anderem die Beseitigung von Totholz und Arbeiten an den Baumkronen.
Nach dem Willen der Gruppe soll zudem Reimer Esselborn aus Osterbruch einbezogen werden. Der Fachmann ist durch seine "Obstbaum-Arche" bekannt und soll die Verwaltung bei der Schadensbegutachtung sowie bei der Festlegung der zu entfernenden Äste beraten. Die CDU/FDP-Gruppe verspricht sich davon zielgerichtete und zugleich substanzschonende Maßnahmen.
Stadtdirektor Frank Thielebeule widersprach allerdings dem Eindruck, die Stadt sei bislang untätig geblieben. "Wir kommen unserer Verkehrspflicht nach", sagte er im Namen der Verwaltung. Der Bauhof sei bereits aktiv, außerdem gebe es dort ausgebildete Baumpfleger. Er selbst stehe fortlaufend mit den Mitarbeitern im Austausch.
Nach Darstellung Thielebeules reicht es bei den Kastanien jedoch nicht aus, lediglich Äste herauszuschneiden. Die Bäume hätten am Kirchplatz mit besonderen Standortbedingungen zu kämpfen. Durch die vergleichsweise kleinen Baumscheiben gelange zu wenig Wasser an das Wurzelwerk. Neben regelmäßigen Schnitt- und Pflegearbeiten müsse deshalb geklärt werden, wie die Bäume künftig verlässlich mit Wasser versorgt werden könnten. "Wir sind bemüht, unsere Bäume bestmöglich zu erhalten", betonte der Stadtdirektor.
Unterstützung erhielt er in diesem Punkt von Carsten Nickel (FDP), selbst Fachmann in Sachen Baumpflanzung und ‑pflege. Allein Totholz herauszuschneiden, helfe dem Baum auf Dauer nicht weiter. "Der Baum braucht Nährstoffe", sagte Nickel. Damit rückte in der Diskussion neben der unmittelbaren Gefahrenabwehr auch die langfristige Gesundheit der alten Bäume in den Mittelpunkt.
Kritik am Antrag kam von Peter Stelzenmüller von den Grünen. Er wandte sich dagegen, die geforderten Maßnahmen direkt mit der Beauftragung eines bestimmten Experten zu verbinden. Ein solches Vorgehen sei im Otterndorfer Rat bislang nicht üblich gewesen. Welcher Fachmann hinzugezogen werde, solle nicht bereits durch den politischen Antrag festgelegt werden.
Eine abschließende Entscheidung über Umfang, Kosten und Ausführung der Arbeiten fiel in der Ratssitzung noch nicht. Der Rat folgte dem Beschlussvorschlag der Verwaltung und verwies den Antrag in den Bau- und Umweltausschuss. Dort sollen die geforderten Haushaltsmittel und mögliche Pflegemaßnahmen nun genauer beraten werden.
Der herabgestürzte Ast hat damit eine Diskussion ausgelöst, die über einen einzelnen Beinahe-Unfall hinausgeht: Wie lässt sich die Sicherheit auf dem viel besuchten Kirchplatz gewährleisten, ohne die prägenden alten Bäume unnötig zu beschädigen? Und wie können Kastanien und Buche so gepflegt und versorgt werden, dass sie auch künftig zum vertrauten Bild im Herzen Otterndorfs gehören?
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