Hollywood an der Elbe? Dieses Haus in Otterndorf wurde vor 75 Jahren zum Filmstar
Wo einst Fischer ihre Netze lagerten, wurde 1951 Filmgeschichte geschrieben. Das reetgedeckte Kapitän-Wienecke-Haus in Otterndorf diente als Kulisse für "Das Haus in Montevideo". 75 Jahre später zieht das Haus noch immer neugierige Blicke an.
Eine Familie mit zwölf Kindern, ein sittenstrenger Professor und eine überraschende Erbschaft: Am 8. November 1951, vor 75 Jahren, feierte "Das Haus in Montevideo" mit Curt Goetz in der Hauptrolle seine Premiere. Der Schwarz-Weiß-Film entwickelte sich zu einem großen Publikumserfolg der frühen Nachkriegszeit. Für die Menschen an der Elbmündung dürfte sie jedoch noch aus einem anderen Grund etwas Besonderes gewesen sein: Die vertraute Heimat war plötzlich auf der großen Kinoleinwand zu sehen.
Gedreht wurde im Juli 1951 unter anderem in Otterndorf, Cuxhaven, auf Sylt, in Montevideo und in den Göttinger Filmateliers. Eine der einprägsamsten Szenen entstand an der Otterndorfer Schleuse. Dort schreitet die 14-köpfige Familie Nägler in einer langen Reihe über den Deich. Familienoberhaupt Traugott vorweg, gefolgt von seiner Frau Marianne und den zwölf Kindern. Eine Aufnahme dieser Szene hat sich im Fotoarchiv unserer Zeitung erhalten. Sie zeigt, wie die beschauliche Landschaft an der Unterelbe zur Kulisse einer der erfolgreichen deutschen Filmkomödien jener Zeit wurde.

Eine besondere Rolle spielte dabei ein kleines, reetgedecktes Haus unweit der Schleuse. Mit seiner blau-weißen Fassade, dem alten Ziegelmauerwerk und den niedrigen Decken ist es in Otterndorf als "Kapitän-Wienecke-Haus" bekannt. Wo einst Fischer und Kapitäne lebten und arbeiteten, sind heute Reinhard und Rosemarie Krause zu Hause. Seit Mitte der 1990er-Jahre bewohnt das Ehepaar die denkmalgeschützte Reetdachkate.
Vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet
Die Geschichte des Hauses reicht weit über seinen Auftritt auf der Kinoleinwand hinaus. Vermutlich wurde es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Ein alter Haken am Giebel erinnert noch an die Zeit, als Fischer hier ihre Netze lagerten und möglicherweise mit einem Flaschenzug nach oben zogen. Später wohnte Kapitän Wienecke in dem Gebäude. Wenn er auf große Fahrt ging, soll sich seine Familie am Elbdeich mit Bettlaken von ihm verabschiedet haben, während sein Schiff die Elbe passierte.
Im Film ist das Haus allerdings nur von außen zu sehen. Die Szenen im Inneren wurden vermutlich im Filmstudio gedreht. Trotzdem sorgte der kurze Kinoauftritt für reichlich Aufmerksamkeit. Immer wieder machten sich Neugierige auf den Weg nach Otterndorf, um das Filmhaus aus der Nähe zu betrachten. "Manchmal gab es sogar Rallyes, die hier deshalb extra Halt machten", erzählt Rosemarie Krause.
Die Familie Krause hat den Film auf DVD und schaut ihn regelmäßig. "Diese Satire auf Doppelmoral und familiäre Heuchelei hat bis heute nichts von ihrem Witz verloren", findet Rosemarie Krause.
Auch der Cuxhavener Strand wurde 1951 zum Filmset. Hier tummelte sich die kinderreiche Familie Nägler am Meer. Die Küstenlandschaft bildete die Kulisse für das geordnete Familienleben des Professors Traugott Nägler, dessen strenge Moralvorstellungen durch eine Erbschaft aus Südamerika gehörig ins Wanken geraten.

Curt Goetz, der die Geschichte bereits als Theaterstück geschrieben hatte, spielte den Professor selbst. Seine Ehefrau Valérie von Martens verkörperte Marianne Nägler. Gemeinsam führten beide auch Regie. Produziert wurde der 108 Minuten lange Film von der Göttinger Hans-Domnick-Filmproduktion. 1952 wurde die Komödie mit einem Bambi ausgezeichnet.
Zwölf Jahre später kam die Geschichte erneut ins Kino - diesmal mit Heinz Rühmann und Ruth Leuwerik in den Hauptrollen. Die Neuverfilmung von 1963 entstand allerdings nicht mehr an der Niederelbe. Regisseur Helmut Käutner verlegte die Handlung ins fränkische Eichstätt.
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