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Neue Impulse für die Stadtbibliothek Otterndorf: Die neue Leiterin Kerstin Winz setzt auf Menschlichkeit und Begegnungen, um die Bibliothek als lebendigen Treffpunkt zu etablieren. Foto: Mangels
Neue Impulse für die Stadtbibliothek Otterndorf: Die neue Leiterin Kerstin Winz setzt auf Menschlichkeit und Begegnungen, um die Bibliothek als lebendigen Treffpunkt zu etablieren. Foto: Mangels
Kerstin Winz hat große Pläne

Stadtbibliothek Otterndorf: Was sich unter der neuen Leiterin ändern soll

von Christian Mangels | 06.11.2026

Nach turbulenten Monaten hat die Stadtbibliothek Otterndorf wieder eine fachliche Leitung. Die 59-jährige Kerstin Winz setzt auf Menschlichkeit, Begegnungen und neue Ideen. Dabei will sie auch die Menschen außerhalb Otterndorfs stärker erreichen.

Mit rauer See kennt sich Kerstin Winz aus. Die 59-Jährige wohnt direkt am Deich in Geversdorf. Nun hofft sie auch beruflich auf ruhigere Zeiten: "Ich hoffe, dass wir die Bibliothek jetzt wieder in ruhige Gewässer lotsen und den Blick nach vorn richten können", sagt Winz. Seit dem 1. Oktober ist sie die neue fachliche Leiterin der Stadtbibliothek Otterndorf. Einfach wird ihre Aufgabe nicht.

Denn hinter der Bibliothek, einer Einrichtung der Samtgemeinde Land Hadeln, liegen turbulente Monate. Angesichts der angespannten Haushaltslage hatte die CDU Ende 2024 sogar eine Schließung und den Ersatz durch die Fahrbücherei ins Spiel gebracht. Der Vorschlag verschwand zwar wieder in der Schublade, löste aber heftige Proteste aus. Nach dem Weggang des langjährigen Leiters Julian Bursky im November 2025 verschärfte sich die Situation. Es folgten politische Grabenkämpfe um die Neubesetzung der Stelle, eingeschränkte Öffnungszeiten und abgesagte Veranstaltungen.

Nun soll wieder Ruhe einkehren. Winz kennt die Einrichtung bereits: Seit Sommer 2024 arbeitet sie in der Bibliothek. Sie weiß also, worauf sie sich eingelassen hat. Und sie bringt Erfahrung mit.

Die gebürtige Hamburgerin ist gelernte Bürokauffrau. Bei der Samtgemeinde Hemmoor arbeitete sie zunächst im Bereich Jugend, Schule und Kultur. Neun Jahre lang leitete sie die dortige Samtgemeinde-Bücherei, bis diese geschlossen wurde. Später war sie Schulsekretärin, arbeitete im Ordnungsamt und war für die Musikschule zuständig. Die Leitung der Otterndorfer Stadtbibliothek ist für sie nun das "Bonbon obendrauf". "Jetzt kann ich mich noch einmal voll ausleben", sagt sie.

Dabei geht es Winz um weit mehr als Bücherregale und Ausleihzahlen. "Menschlichkeit" soll im Mittelpunkt stehen. Sie versteht die Bibliothek als sogenannten "dritten Ort" - einen Treffpunkt neben dem eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz, an dem Menschen zusammenkommen, lernen, sich austauschen und inspirieren lassen können. "Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen."

Kerstin Winz vor der Stadtbibliothek Otterndorf: Mit neuen Ideen und Menschlichkeit möchte die neue Leiterin den Treffpunkt Bibliothek stärken und über die Grenzen der Stadt hinaus Menschen erreichen. Foto: Mangels

Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen unter Einsamkeit leiden, könne die Bibliothek eine wichtige gesellschaftliche Funktion übernehmen. Winz möchte deshalb wissen, was sich die Besucherinnen und Besucher tatsächlich wünschen. Welche Angebote fehlen? Was interessiert Kinder, was Erwachsene? Ihr Ansatz klingt denkbar einfach: "Einfach mal zuhören."

Auch die Aufenthaltsqualität möchte sie steigern. Erste Veränderungen in den Räumen hat es bereits gegeben, weitere sollen folgen. Zudem will Winz die Zusammenarbeit mit dem Förderverein "Deine Bibliothek" intensivieren. Eine Herausforderung bleibt die angespannte Personalsituation. Die Öffnungszeiten mussten reduziert werden; perspektivisch soll das Team aber Verstärkung bekommen.

Mittwochs geht es "in die Fläche"

Ein weiterer Punkt steht auf ihrer Agenda: Die Bibliothek soll stärker in der gesamten Samtgemeinde präsent sein. Zuletzt hatte es aus der Politik Kritik gegeben, die Einrichtung konzentriere sich zu sehr auf Otterndorf, während die übrigen Mitgliedsgemeinden zu kurz kämen. Tatsächlich stammten 2025 rund zwei Drittel der registrierten Nutzer aus der Stadt selbst.

Winz hat dafür eine konkrete Idee. Mittwochs, wenn die Bibliothek geschlossen ist, sollen künftig Kindergärten und Schulen aus den umliegenden Gemeinden besucht oder in Otterndorf empfangen werden. So will sie mit ihrem Angebot "in die Fläche" gehen und insbesondere Kinder frühzeitig für Bücher und das Lesen begeistern.

Dass Bücher ihr selbst viel bedeuten, kommt nicht von ungefähr. Schon als Kind war Winz eine begeisterte Leserin. Diese Leidenschaft hat sie sich bewahrt. Privat greift sie besonders gern zu Krimis. Wobei für ausgedehnte Lesestunden nicht immer genügend Zeit bleibt: Die Mutter von drei Kindern hat inzwischen vier Enkelkinder, die sie in ihrer Freizeit ordentlich auf Trab halten.

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Christian Mangels

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