Otterndorf: Bürgermeisterwahl sorgt für Spannung - und Bullwinkels Rückzug wirkt nach
Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Claus Johannßen (SPD) bleibt Bürgermeister der Stadt Otterndorf. Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Stadtrates am Mittwochabend erhielt der 72-Jährige im zweiten Wahlgang die erforderliche Mehrheit.
Fast 100 Bürgerinnen und Bürger verfolgten die Auftaktsitzung des neuen Stadtrates in den Seelandhallen, bei der neben der Bürgermeisterwahl auch wichtige personelle und organisatorische Weichen für die neue Wahlperiode gestellt wurden.
Den Sitzungsauftakt mit der Bürgermeisterwahl übernahm Malte Hinck (SPD), nach Claus Johannßen das dienstälteste Ratsmitglied. Überraschungen bei den Kandidaturen gab es nicht: Johannßen war der einzige Bewerber. Dennoch reichten die Stimmen im ersten Wahlgang nicht aus. Zehn Ratsmitglieder votierten für den amtierenden Bürgermeister, neun enthielten sich, eine Stimme war ungültig. Erst im zweiten Durchgang erreichte Johannßen mit elf Ja-Stimmen bei neun Enthaltungen die notwendige Mehrheit.
Für den Gärtnermeister ist es bereits die dritte Amtszeit an der Spitze der Stadt. Er hatte das Bürgermeisteramt schon von 2011 bis 2016 sowie von 2021 bis Oktober 2026 inne. Nach seiner Wiederwahl signalisierte er Bereitschaft zur Zusammenarbeit: "Ich bin zu einer vertrauensvollen Arbeit bereit, darauf können Sie sich verlassen."
Bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen erhalten
Dass die CDU keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten ins Rennen schickte, hängt mit dem überraschenden Rückzug von Thomas Bullwinkel zusammen. Der Christdemokrat, der bei der Kommunalwahl die meisten Stimmen aller Kandidatinnen und Kandidaten erhalten hatte, hatte seine Mandate im Stadt- und Samtgemeinderat niedergelegt. Als Gründe nannte er persönliche Anfeindungen und das politische Klima in den Gremien.
CDU-Ratsherr Michael Merz bedauerte Bullwinkels Entscheidung. Dieser habe von den Wählerinnen und Wählern einen großen "Vertrauensvorschuss" erhalten und sei ein "Mensch mit ganz hohem Engagement". Der Rückzug und dessen Hintergründe sollten alle Ratsmitglieder zum Nachdenken bringen, mahnte Merz. Er wünsche sich für die kommende Wahlperiode einen gemeinsamen Politikstil, der von "Respekt und Achtsamkeit" geprägt sei.
Auch die Besetzung der beiden stellvertretenden Bürgermeisterposten sorgte für Spannung. Künftig unterstützen Michael Merz (CDU) und Susann Rennebeck (Grüne) den Bürgermeister als gleichberechtigte Stellvertreter bei repräsentativen Aufgaben. Merz setzte sich im zweiten Wahlgang gegen Peter Martin Stelzenmüller (Grüne) durch. Rennebeck, die als Parteilose auf der Liste der Grünen kandidiert hatte, gewann bereits im ersten Wahlgang mit elf Stimmen gegen Bianca Schedler (CDU).
Der neue Stadtrat zählt 20 Mitglieder. Eigentlich waren 21 Sitze vorgesehen, doch die AfD kann einen ihrer beiden errungenen Sitze nicht besetzen, weil sie nur eine Kandidatin aufgestellt hatte. Stärkste Fraktion ist die CDU mit sieben Mandaten, gefolgt von der SPD mit sechs und den Grünen mit drei Sitzen. FDP, Linke, AfD und Einzelbewerber Dirk Grabau sind mit jeweils einem Mandat vertreten.
Für die politische Arbeit haben sich zwei Gruppen gebildet: SPD, Grüne und Dirk Grabau kommen gemeinsam auf zehn Sitze. Ihr Sprecher ist Malte Hinck. CDU und FDP bilden mit acht Mitgliedern eine weitere Gruppe unter der Führung von Michael Merz.

Neben den Personalentscheidungen legte der Rat auch die Ausschussstruktur fest. Der Verwaltungsausschuss wird auf sieben Mitglieder erweitert. Hinzu kommen vier beratende Fachausschüsse. Den Ausschuss für Kultur, Sport und Jugend leitet Claus Johannßen (SPD). Hjördis Plate (CDU) übernimmt den Vorsitz im Ausschuss für Tourismus, Wirtschaft und Stadtentwicklung. Bianca Schedler (CDU) steht dem Finanz- und Personalausschuss vor, Peter Martin Stelzenmüller (Grüne) dem Bau-, Umwelt- und Klimaausschuss.
Kontinuität gibt es bei der Verwaltungsrepräsentanz: Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule wurde erneut zum Stadtdirektor berufen. Seine Stellvertreterin bleibt die Erste Samtgemeinderätin Irene Wischhusen.
Die Ratsmitglieder auf einen Blick
- CDU: Thomas Lührs, Michael Merz, Hjördis Plate, Welf Quassowsky, Martin Ramm, Bianca Schedler und Torsten Schmitz
- SPD: Malte Hinck, Birgit Johannßen, Claus Johannßen, Daniel Schneider, Mareike von Thaden und Mareike Welzel
- Bündnis 90/Die Grünen: Petra Langenau, Susann Rennebeck, Peter Martin Stelzenmüller
- FDP: Carsten Nickel
- Die Linke: Tobias Linne
- AfD: Verona Blank
- Einzelkandidat Dirk Grabau
CNV-Newsletter
Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.