Freischwebende, bemalte Metallfolien von Ruth Campau füllen das Erdgeschoss des Museums gegenstandsfreier Kunst und lassen Besucher durch die Malerei hindurchgehen. Foto: Kasparek
Freischwebende, bemalte Metallfolien von Ruth Campau füllen das Erdgeschoss des Museums gegenstandsfreier Kunst und lassen Besucher durch die Malerei hindurchgehen. Foto: Kasparek
Freischwebende Farbflächen

Malerei zum Durchgehen: Neue Ausstellung im Museum gegenstandsfreier Kunst Otterndorf

11.03.2026

Freischwebende Farbflächen statt Bilder an der Wand: Mit der Ausstellung "Colour on Brush in Space" zeigt das Museum gegenstandsfreier Kunst in Otterndorf eine ungewöhnliche Installation der dänischen Künstlerin Ruth Campau.

"Colour on Brush in Space" - so lautet der Titel der neuen Ausstellung im Museum gegenstandsfreier Kunst in Otterndorf, die am Sonnabend mit einer Vernissage eröffnet wurde, die etwas ungewöhnlich daherkam. Eine Ausstellung, die nach Worten des Kurators Wilko Austermann dazu einlädt, Malerei, die sich von ihrer Bindung an die Wand löst, nicht nur zu betrachten, sondern ganzheitlich zu erleben. Dazu bekamen die Besucher gleich eingangs einen Vorgeschmack.

Kunst im Raum statt an der Wand

Schon beim Betreten des Ausstellungsraumes stellte sich zunächst eine leichte Irritation ein. Nicht an der Wand fixiert präsentiert sich die Arbeit von Ruth Campau, sondern freischwebende, deckenhohe, halbrunde, bemalte Folien nehmen das gesamte Erdgeschoss ein. Man schreitet durch die Arbeit und erzielt dabei durch die eigene Bewegung eine sich ständig verändernde Wirkung - durch Überlagerung, Dichte und Intensität der grünen und braunen Farbflächen.

Feine Luftströmungen erzeugen leichte Schwingungen der transparenten Metallfolien, die zudem durch kaum wahrnehmbare Klänge auch akustisch ihren Teil zu einem besonderen Erlebnis unterschiedlicher Sinne beitragen. Sehen und Hören werden miteinander verbunden.

Die dänische Künstlerin Ruth Campau spricht bei der Vernissage über ihre Arbeit und ihre ungewöhnliche Maltechnik. Foto: Kasparek

Eröffnungsrede zwischen den Kunstwerken

Um den Ausführungen Austermanns zu folgen, mussten sich die Besucher dann irgendwo zwischen den bemalten Folien verteilen. Einen freien Raum gab es bei dieser Art der Kunst nicht, und so lauschten die meisten Besucher der Eröffnungsrede, ohne die Redner im Blick zu haben. Ruth Campau schloss sich mit einigen Worten in englischer Sprache den Ausführungen an.

Pinsel war gestern, Besen ist heute. So könnte man die künstlerische Entwicklung von Ruth Campau auf eine kurze Formel bringen. 1955 in Kopenhagen geboren, wo sie noch heute lebt und arbeitet, gilt sie als eine der führenden Künstlerinnen der zeitgenössischen gegenstandsfreien Malerei Dänemarks. Ihre Werke befinden sich in bedeutenden öffentlichen Sammlungen verschiedener Länder. Im Jahr 2020 wurde sie mit dem lebenslangen Ehrenstipendium der dänischen Kunststiftung ausgezeichnet.

Eine Ausstellung mit langer Vorbereitung

Campaus bisher größte Einzelausstellung in Deutschland hatte ein Jahr Vorlauf - so lange dauerte es, bis Wilko Austermann die Künstlerin für Otterndorf gewinnen konnte. Dann hieß es, die Arbeit den örtlichen Gegebenheiten entsprechend anzufertigen. Tatsächlich wurde dabei nicht mit einem Pinsel, sondern mit einem Besen die Farbe aufgetragen. Präzision war das Gebot der Stunde: Die Entstehung fand in Kopenhagen statt, es musste also exakt auf die Otterndorfer Gegebenheiten abgestimmt gearbeitet werden.

Kurator Wilko Austermann (rechts) und die dänische Künstlerin Ruth Campau bei der Eröffnung der Ausstellung "Colour on Brush in Space" im Museum gegenstandsfreier Kunst. Foto: Kasparek

Bei der späteren Vorbereitung und Installation vor Ort gerieten nach Schilderung des Kurators alle Beteiligten ins Schwitzen, denn es kam auf äußerste Genauigkeit an.

Einblick in verschiedene Schaffensperioden

Die Ausstellung gibt auch der künstlerischen Entwicklung von Ruth Campau Raum. Die gesamte erste Etage ist genau dieser Veränderung der unterschiedlichen Schaffensperioden gewidmet. Von Arbeiten auf Leinwand für die Wandpräsentation bis zur aktuellen monochromen Malerei wird dieser Weg mit Beispielarbeiten in den Räumen des Museums nachgezeichnet. Auffallend dabei ist ein Werk aus dem Jahr 2020: "Carpet".

Die Ausstellung läuft bis zum 7. Juni 2026 und ist von Mittwoch bis Sonntag jeweils zwischen 11 und 17 Uhr geöffnet.

Von Inga Kasparek

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