Die Stadtbibliothek Otterndorf, eine Einrichtung der Samtgemeinde Land Hadeln, soll auf den Prüfstand: Die CDU fordert eine Arbeitsgruppe, die sich mit der zukünftigen Ausrichtung und personellen Ausstattung der Bibliothek beschäftigen soll. Foto: Grell
Die Stadtbibliothek Otterndorf, eine Einrichtung der Samtgemeinde Land Hadeln, soll auf den Prüfstand: Die CDU fordert eine Arbeitsgruppe, die sich mit der zukünftigen Ausrichtung und personellen Ausstattung der Bibliothek beschäftigen soll. Foto: Grell
CDU-Antrag löst Kritik aus

Streit um Nachbesetzung des Leitungspostens an der Stadtbibliothek Otterndorf

von Christian Mangels | 21.01.2026

Die Stadtbibliothek Otterndorf ist derzeit führungslos - ein neuer Leiter oder eine neue Leiterin muss her. Die CDU-Fraktion will die Stelle erst nachbesetzen, wenn Ergebnisse einer Arbeitsgruppe vorliegen. Dagegen regt sich Widerstand.

Die Stadtbibliothek Otterndorf, eine Einrichtung der Samtgemeinde Land Hadeln, ist aufgrund der finanziellen Probleme der Samtgemeinde in schwieriges Fahrwasser geraten. Ende 2024 hatte die CDU-Fraktion im Rat der Samtgemeinde Land Hadeln angesichts der Sparzwänge des Gemeindeverbands den Antrag formuliert, die Bibliothek an der Wallstraße zu schließen und durch die Fahrbücherei des Landkreises zu ersetzen.

Dieser Vorschlag stieß auf mächtig Gegenwind und löste eine Solidaritätswelle für die Bibliothek aus. Kritik kam nicht nur aus politischen Kreisen, sondern auch aus der Bevölkerung, der Kultur und von der Bibliotheksgesellschaft. Der Leiter der Bibliothek, Julian Bursky, geriet offenbar zwischen die Mühlen des Streits und hat seinen Schreibtisch nach neun Jahren im Amt mittlerweile geräumt.

Zwar haben die Christdemokraten ihren Schließungsantrag letztendlich nicht zur Abstimmung gebracht, sie drängten aber auf die Einrichtung einer interfraktionellen Arbeitsgruppe, in der über die Zukunft der Otterndorfer Bibliothek gesprochen wird. 

Mit einem neuen Antrag will die CDU dieser Forderung jetzt Nachdruck verleihen: Die Fraktion fordert die Verwaltung nicht nur auf, "zeitnah eine interfraktionelle Arbeitsgruppe" einzurichten und die Kennzahlen der Bibliothek, unter anderem die Nutzerzahlen, die Wohnorte der Nutzer und die Zahl der Ausleihen, vorzulegen, sie drängt auch darauf, die Stelle des Bibliotheksleiters erst dann neu zu besetzen, wenn Ergebnisse der Arbeitsgruppe, etwa zur künftigen Stellenanzahl, vorliegen. Ziel sei es, den "personellen und finanziellen Aufwand zu senken", heißt es im CDU-Antrag.

CDU-Antrag löst bei SPD und FDP heftige Kritik aus

Im Samtgemeinderat, der am Dienstag in Osterbruch zusammenkam, löste der Antrag bei SPD und FDP heftige Kritik aus. Christiane Steffens, FDP-Ratsfrau aus Otterndorf und Vorsitzende des Schul- und Sportausschusses, hält das Ansuchen der CDU, die Einrichtung einer Arbeitsgruppe vor die Wiederbesetzung der Leitungsstelle zu stellen, für "obsolet" und "hinderlich für die gegenwärtige Situation". Die Bibliothek brauche schnellstmöglich eine neue Leitung. Und: Eine Arbeitsgruppe sei überflüssig, "dafür haben wir den Ausschuss", so Steffens. Sie appellierte an die Ratsmitglieder, die Einrichtung in Otterndorf als "unsere Samtgemeindebibliothek" zu betrachten. Gerade für die Frühförderung an Kitas und Grundschulen leiste die Bibliothek einen wertvollen Beitrag.

Auch Malte Hinck, Fraktionsvorsitzender der SPD, zeigte sich verärgert über den CDU-Antrag. "Es spricht nichts dagegen, die Abläufe in der Bibliothek zu optimieren, aber dazu brauchen wir keine Arbeitsgruppe", erklärte er. Claus Johannßen, SPD-Ratsmitglied und Bürgermeister von Otterndorf, stellte die Sinnhaftigkeit des Antrags infrage. Schließlich habe die CDU-Fraktion dem Stellenplan der Samtgemeinde, in dem auch die Bibliotheksleitung aufgeführt sei, zugestimmt. "Ihr seid selbst nicht davon überzeugt, was ihr beantragt habt", sagte er in Richtung der Christdemokraten.

Die CDU hielt sich mit Erklärungen zu ihrem Antrag zurück, empfahl aber, darüber im Schul- und Sportausschuss zu beraten. Diesem Vorschlag stimmte der Samtgemeinderat bei einer Enthaltung von Christiane Steffens zu. Es gehöre zu den demokratischen Gepflogenheiten, dass Anträge in Fachausschüssen inhaltlich diskutiert werden, kam Peter von Spreckelsen (SPD) der CDU-Fraktion entgegen.

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Christian Mangels

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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