Das Baugerüst ist verschwunden und gibt den Blick frei auf die komplett erneuerte Fachwerkfassade des ehemaligen Gasthauses "Zur Schleuse" in Otterndorf. Foto: Mangels
Das Baugerüst ist verschwunden und gibt den Blick frei auf die komplett erneuerte Fachwerkfassade des ehemaligen Gasthauses "Zur Schleuse" in Otterndorf. Foto: Mangels
Aufwendige Sanierung

Es war mal ein Schandfleck Otterndorfs: Die Renaissance des Gasthauses "Zur Schleuse"

von Christian Mangels | 14.04.2025

Viele hatten schon nicht mehr an die Fertigstellung geglaubt - jetzt atmet Otterndorf auf. Aus dem historischen Gasthaus "Zur Schleuse", das lange Zeit ein Schandfleck war, wird aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Der Stand der Arbeiten.

Das Baugerüst ist verschwunden und gibt den Blick frei auf die komplett erneuerte Fachwerkfassade: Stein für Stein, Balken für Balken, Brett für Brett wurden die alten Wände und Mauern abgetragen, saniert, wenn nötig ersetzt und wieder zusammengebaut. Es entstehen schicke Ferienwohnungen. Mark und Frauke Thimm legen sich fest: "Wenn wir fertig sind, steht hier mit Sicherheit das bestsanierte Denkmalhaus in der Umgebung."

Das 2016 gekaufte Gebäude, das in bester touristischer Hafenlage liegt, hat den Thimms in den vergangenen Jahren viel Arbeit, Kopfzerbrechen und auch Ärger bereitet. Sie sprechen von "nervenaufreibenden Tagen" und einer "Odyssee durch das deutsche Bau- und Denkmalrecht". In der Planungsphase seien sie kurz davor gewesen, alles hinzuwerfen, räumt Frauke Thimm ein. Aber die ganzen Probleme, Hürden und den Streit mit der Stadt Otterndorf - das alles haben sie hinter sich gelassen und sind froh, dass nun Licht am Ende des Tunnels zu erkennen ist. "Wir sind auf einem sehr guten Weg."

Traditionelle Materialien wie Lehm kommen zum Einsatz

Die mehr als 300 Jahre alte Schankwirtschaft wird in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde des Landkreises und mit Unterstützung von auf Denkmalschutz spezialisierten Fachfirmen zum neuen Leben erweckt. Die Investoren haben großen Wert darauf gelegt, die Originalsubstanz so gut wie möglich zu erhalten und bei der Sanierung traditionelle Materialien wie Lehm zu verwenden. "Hier steckt viel händische Arbeit drin", sagt Mark Thimm.

Die Eigentümer des denkmalgeschützten ehemaligen Gasthauses "ZurSchleuse", Mark und Frauke Thimm, wollen in der historischen Schankwirtschaft Ferienwohnungen realisieren. Foto: Mangels

Bausünden der Vergangenheit wurden ausgemerzt, Ursprüngliches ist wieder in den Fokus gerückt. In Kürze kommen die neuen Fenster, die dem Original so nah wie möglich kommen sollen, dann geht es an den Innenausbau, berichten die Thimms. Die alten Barockfenster kommen nicht weg - sie werden innen verbaut, als "Hommage für die Geschichte des Hauses". Im Sommer soll das Dach neu mit Reet eingedeckt werden.

Insgesamt drei luxuriöse Ferienwohnungen wollen die Thimms in dem einstigen Traditionsgasthaus realisieren - eine ist bereits verkauft. "Wir gehen davon aus, dass die erste Wohnung noch in diesem Jahr bezugsfertig sein wird", sagt Mark Thimm. Trotz traditioneller Bauweise soll das Haus nach der Sanierung energetisch auf dem modernsten Stand sein und die Effizienzklasse A+ tragen. Mark Thimm spricht augenzwinkernd von einem "Oldtimer mit Elektromotor".

Bemalte Holzbalken schmückten einst den Gastraum der Gaststätte "Zur Schleuse". Jetzt liegen die Bretter inmitten der Baustelle und warten auf neue Verwendung. Foto: Mangels

Die "Schleuse" galt einst als das meistfotografierte Haus in Otterndorf. Die Thimms sind überzeugt: "Diese Position wird das Haus nach der Fertigstellung sicherlich erneut innehaben." Wie viel Geld sie in die Sanierung und den Umbau der alten Fischerkneipe bereits investiert haben, wollen Mark und Frauke Thimm nicht verraten: "Viel auf jeden Fall."

Das Paar aus Nordleda hat ein Herz für alte Fachwerkhäuser und Denkmäler und wirbt mit dem Namen "Denkmalretter". Wenn das Projekt "Schleuse" abgeschlossen ist, wollen die Thimms das alte Kontorenhaus in Neuhaus aus dem Dornröschenschlaf wecken. Die gesammelten Erfahrungen aus Otterndorf können sie dabei bestimmt gut gebrauchen.

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Christian Mangels

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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