Der Bauzaun am früheren Gasthaus „Zur Schleuse“ lässt es erahnen: Es tut sich was. Nach Jahren des Leer- und Stillstands wird das denkmalgeschützte Gebäude saniert und umgebaut. Foto: Mangels
Der Bauzaun am früheren Gasthaus „Zur Schleuse“ lässt es erahnen: Es tut sich was. Nach Jahren des Leer- und Stillstands wird das denkmalgeschützte Gebäude saniert und umgebaut. Foto: Mangels
Historisches Gebäude

Es tut sich was am alten Gasthaus "Zur Schleuse" in Otterndorf

von Christian Mangels | 10.01.2023

Otterndorf. Es tut sich was am alten Gasthaus "Zur Schleuse". Nach Jahren des Leerstands wird das Gebäude saniert und umgebaut. Die Eigentümer Frauke und Mark Thimm haben ihre ursprünglichen Pläne über den Haufen geworfen.

Es wird viel geredet, spekuliert und gerätselt in Otterndorf: Was passiert mit dem alten Gasthaus "Zur Schleuse"? Ist das mehr als 300 Jahre alte Gebäude überhaupt noch zu retten? Bekommt das Haus wieder eine Gastronomie? Der letztgenannte Wunsch wird sich zum Bedauern vieler Otterndorfer und Gäste nicht erfüllen. "Die Auflagen für die Gastronomie waren einfach zu hoch", sagen Frauke und Mark Thimm, die die "Schleuse" vor sieben Jahren gekauft haben.

Auch ihren zweiten Plan, in dem Fachwerkhaus dauerhaftes Wohnen zu ermöglichen, haben die Thimms fallengelassen. Zu groß waren die bürokratischen Widerstände, sagen sie. Die Investoren aus Nordleda erheben in diesem Zusammenhang schwere Vorwürfe gegen die Stadt Otterndorf. Die Verwaltungsspitze unter dem ehemaligen Stadtdirektor Harald Zahrte habe mit falschen Karten gespielt.

Was war passiert? Während der Landkreis Cuxhaven als Genehmigungsbehörde das Projekt positiv beschieden hatte, legte die Stadt Otterndorf ihr Veto ein. Die Verwaltung hatte unter anderem Probleme mit den geplanten Parkplätzen und sah eine "besondere Gefahrensituation", weil an dem Grundstück ein viel befahrener Fahrradweg entlangführt. "Aber das war nur ein Nebenkriegsschauplatz", sagt Mark Thimm. Viel stärker ins Gewicht fiel die Auffassung der Stadt, dass dauerhaftes Wohnen im Bereich der "Schleuse" unzulässig sei. Die Argumentation der Stadtverwaltung: Die "Schleuse" liege im Außenbereich, in einem überwiegend touristisch genutzten Viertel, das für festes Wohnen nicht gedacht sei. Die Thimms und ihr Architekt können dieses Argument bis heute nicht nachvollziehen, da es im Bereich der "Schleuse" bereits dauerhaftes Wohnen gibt.

Die Investoren sprechen heute von einem "bewussten Torpedieren" ihrer Pläne. Bei einem Vor-Ort-Treffen mit Verwaltungsvertretern im Sommer 2021 erreichte der Konflikt seinen Höhepunkt. Bei dieser Zusammenkunft habe die Stadt ihr eigentliches Interesse dargelegt, so die Thimms: "Man forderte uns auf, ein Verkaufsangebot abzugeben."

Das Gebäude stand sieben Jahre leer

Dazu kam es aber nicht. "Das Gebäude stand sieben Jahre leer. Da hätte es die Stadt ja kaufen können", sagt Frauke Thimm. Die Investoren blicken nach vorn und treiben ihre Sanierungs- und Umbaupläne für die alte Fischerkneipe weiter voran. In enger Abstimmung mit  der Denkmalschutzbehörde wollen sie in dem Haus zwei Ferienwohnungen realisieren - etwa 80 und 160 Quadratmeter groß - und bieten sie zum Verkauf an. "Das wird das schönste Haus am Platze", ist Mark Thimm überzeugt.

Der Anfang ist gemacht: Die hintere Seitenwand des Hauses wurde behutsam abgetragen, ein Streifenfundament angelegt. Im Inneren der "Schleuse" wird in Kürze die Bodenplatte gegossen. "Im Frühjahr 2024 wollen wir fertig sein", sagt Mark Thimm.

Die Thimms haben ein Herz für alte Fachwerkhäuser und Denkmäler und werben mit dem Namen "Denkmalretter". Neben der "Schleuse" in Otterndorf wollen sie auch das "Kontorenhaus" in Neuhaus in Schuss bringen.

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