Spektakuläre Aufnahmen gelingen dem Braker Michael Trautmann während seiner Zeit in der Antarktis. Foto: Trautmann
Spektakuläre Aufnahmen gelingen dem Braker Michael Trautmann während seiner Zeit in der Antarktis. Foto: Trautmann
Himmels-Schauspiel

Polarlichter: Warum die Chancen für Sichtungen im Kreis Cuxhaven aktuell gut stehen

von Bengta Brettschneider | 14.10.2024

Polarlichter faszinieren die Menschen. Viele wollen das Himmels-Schauspiel mit der Kamera einfangen. Warum die Chancen im Kreis Cuxhaven dazu in diesem Jahr gut stehen und wie sich Hobby-Fotografen darauf vorbereiten, erklärt ein Experte.

Polarlichter, auch als Nordlichter bekannt, üben eine ungemeine Faszination aus. Wie der Name schon sagt, treten sie vermehrt in den Polarregionen auf und sind dort besonders intensiv zu beobachten. So auch für den gebürtigen Braker Michael Trautmann. Der Elektroingenieur arbeitete bis März 2023 in der Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in der Antarktis. Dort gelangen ihm spektakuläre Aufnahmen von Polarlichtern und der Milchstraße. Wie die Chancen im Kreis Cuxhaven für Polarlicht-Sichtungen stehen und wie diese entstehen, verriet er in einem Interview.

Herr Trautmann, wie entstehen eigentlich Polarlichter?

Polarlichter entstehen durch elektrisch geladene Teilchen, die von der Sonne auf die Erdatmosphäre treffen. Diese Teilchen werden durch Sonnenwinde in Richtung Erde befördert. Wenn sie dann auf das Magnetfeld der Erde stoßen, werden sie zu den Polen gelenkt. Dort reagieren sie mit Sauerstoff- und Stickstoffmolekülen in der Atmosphäre, wodurch die leuchtenden Farben am Himmel entstehen. Im Norden werden sie Aurora Borealis genannt und im Süden Aurora Australis. Das Phänomen ist aber dasselbe.

Michael Trautmann konnte viele Polarlichter in der Antarktis beobachten und gibt jetzt wertvolle Tipps, wie sie sich mit dem Fotoapparat oder Handy einfangen lassen. Foto: Trautmann

Warum sind in diesem Jahr vermehrt Polarlichter aufgetreten?

Das liegt am aktuellen Sonnenzyklus. Alle elf Jahre erreicht die Sonne ein sogenanntes "Sonnenmaximum", und wir nähern uns jetzt diesem Höhepunkt, der voraussichtlich Ende 2024 / Anfang 2025 erreicht wird. Bereits in den Jahren vor und nach diesem Maximum ist die Sonnenaktivität erhöht, was die Häufigkeit von Sonnenstürmen und somit die Entstehung von Polarlichtern begünstigt. Erst nach dem Maximum wird die Aktivität allmählich abnehmen, und bis etwa 2029/2030, wenn das nächste "Sonnenminimum" erreicht ist, wird es deutlich weniger Polarlichter geben - wahrscheinlich etwa 60 bis 70 Prozent weniger als während des Maximums.

Hobby-Fotografin Jenny Gömmel fängt Mitte August vom Strand in Döse Polarlichter am Himmel über Cuxhaven ein. Foto: Gömmel
Der letzte Sonnensturm zaubert spektakuläre Polarlichter an den Himmel über dem Kreis Cuxhaven, die selbst mit dem bloßen Auge intensiv zu sehen sind. Foto: Trautmann

Wie hoch sind die Chancen, dass in diesem Jahr noch Polarlichter im Kreis Cuxhaven beobachtet werden können? Und was wären die optimalen Verhältnisse dafür?

Die Chancen stehen gut, da wir uns in einem Sonnenmaximum befinden und dadurch häufiger stärkere Polarlichter auftreten. Ich selbst habe dieses Jahr schon Polarlichter in Wremen und Otterndorf gesehen. Natürlich sieht die Kamera mehr als das bloße Auge - Polarlichter sind in Deutschland oft nur schwer mit bloßem Auge erkennbar.

Haben Sie Tipps, wie Polarlichter am besten zu sehen sind?

Ab einem KP-Index [KP = Planetarische Kennziffer; Anm. d. Red] von sechs oder höher sollten Sie sich an einen möglichst dunklen Ort ohne Lichtverschmutzung begeben und die Augen offen halten. Um zu wissen, wie hoch der KP-Index ist, eignen sich Apps wie "hello aurora", "Polarlicht-Vorhersage" oder "Aurora Polarlicht-Vorhersage". Holen Sie Ihre Handykamera heraus, um zu überprüfen, ob es wirklich Polarlichter sind. Häufig sehen sie wie weiße Wolken aus, aber sobald die Aktivität stärker wird, verfärben sich diese Wolken leicht grünlich. Oftmals bilden sich auch vertikale Streifen am Horizont, die manchmal eine rötliche Färbung annehmen.

Auch über Hemmoor tanzen die Polarlichter. Foto: Brettschneider

Sie waren in der Antarktis und haben dort auf der Neumayer-Station III überwintert, wo auch die beeindruckenden Fotos entstanden sind. Gibt es einen unvergesslichen oder auch witzigen Moment, den Sie in Erinnerung behalten?

Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, weil es wirklich unzählige unvergessliche, aber auch witzige Erlebnisse gab. Zuerst muss ich sagen: Die Antarktis fühlt sich oft an, als wäre man auf einem anderen Planeten. Ein Moment, der mir besonders im Zusammenhang mit Polarlichtern im Gedächtnis geblieben ist, war während der Überwinterung: Eines Abends, bei perfekten Wetterbedingungen und einer vielversprechenden Polarlichtvorhersage, beschlossen wir zu viert, auf dem Meereis bei den Pinguinen zu übernachten. Während wir dort lagen, wurden wir von einem überwältigenden Polarlicht-Schauspiel umgeben. Vor uns die Pinguine, dahinter ein paar majestätische Eisberge, und über uns tanzten die Lichter am Himmel. In diesem Moment wurde mir klar, dass wir wahrscheinlich die einzigen Menschen auf der Welt waren, die gleichzeitig Polarlichter und Pinguine beobachten konnten - ein einzigartiges Gefühl von Isolation und Magie zugleich.

Michael Trautmann ist aktuell wieder zurück in Bremerhaven. Der gebürtige Braker überwinterte auf der Neumayer-Station III des Alfred-Wegener-Instituts. Foto: Trautmann
Die tanzenden Polarlichter über Michael Trautmann. Foto: Trautmann

Wer mehr von diesen magischen Momenten erfahren möchte, hat dazu die Möglichkeit in dem Buch "Polarschimmer. Eine Welt aus Eis und Licht - 54 Wochen in der Antarktis" von Dr. Aurelia Hölzer. Sie hat ein Buch geschrieben über ihre Zeit in der Antarktis, gemeinsam mit acht Wissenschaftlern und Ingenieuren des Alfred-Wegener-Instituts, wozu auch Michael Trautmann gehörte. Außerdem bietet Michael Trautmann einen Astrofotografie-Kurs für Anfänger an. Dieser umfasst einen Theorieteil, der per Zoom stattfindet. Bei dem praktischen Teil soll dann versucht werden, Polarlichter, die Milchstraße oder andere Himmelsphänomene mit dem Fotoapparat einzufangen. Informationen dazu finden sich auf der Instagram-Seite von Michael Trautmann (@_michaeltr).

Der glitzernde Bogen der Milchstraße ist in der Antarktis besonders gut zu sehen, aufgrund der Dunkelheit. Foto: Trautmann

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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