Der harte Kern der Restaurateure vor ihrem Objekt der Begierde: Neun Jahre lang haben sie ehrenamtlich an der Arado 196 gearbeitet. Jetzt arbeiten sie unter dem Dach des Aeronauticums weiter. Foto: Potschka
Der harte Kern der Restaurateure vor ihrem Objekt der Begierde: Neun Jahre lang haben sie ehrenamtlich an der Arado 196 gearbeitet. Jetzt arbeiten sie unter dem Dach des Aeronauticums weiter. Foto: Potschka
Förderverein aufgelöst

Historisches Flugzeugprojekt in Nordholz: Wie Enthusiasten ein Marine-Erbe retten

von Jens Potschka | 21.01.2026

In einer kalten Halle am Rande des Marineflieger-Stützpunktes Nordholz kämpfen Enthusiasten gegen die Zeit. Die Auflösung ihres Vereins ist vollzogen, doch die Leidenschaft für ein historisches Flugzeugprojekt bleibt ungebrochen.

Es ist empfindlich kalt an diesem Wintermorgen in der unbeheizten Halle am Rande des Marineflieger-Stützpunktes Nordholz. Uwe Giesecke, 74, zieht die Jacke enger. Um ihn herum werkeln sechs Männer an Metallteilen, Tragflächen und Schwimmern eines Flugzeugs, das älter ist als sie alle zusammen. Ihre Hände werden nach einiger Zeit steif in der Kälte, die Arbeitseinsätze fallen knapp aus an solchen Wintertagen. Doch die Begeisterung dieser ehrenamtlichen Schrauber ist ungebrochen, auch wenn ihr Förderverein Arado 196 e.V. zum Jahresende 2025 aufgelöst wurde.

Vom drohenden Rücktransport zur Erfolgsgeschichte

"Wenn wir den Verein seinerzeit nicht gegründet hätten, dann wäre das Flugzeug zurück nach Amerika gegangen", erinnert sich Uwe Giesecke. Der langjährige Vorsitzende blickt auf das Bordflugzeug des Kreuzers Prinz Eugen, das seit Dezember 2012 in Nordholz steht. Stark demoliert war die Maschine damals, eine Leihgabe des US-amerikanischen Naval Aviation Museums in Pensacola, Florida. Die Marineflieger und das Aeronauticum verfügten nicht über die Ressourcen für die vereinbarte Restaurierung. Der damalige Kommandeur stand vor einer Alternative: Rücktransport in die USA oder ein externer Träger musste her.

Detailversessen: Die ehrenamtlichen Schrauber nehmen sich Zeit für jede Schraube, jedes Blech. Learning by doing war das Prinzip, denn keiner der Männer ist ausgebildeter Restaurator. Foto: Potschka

Dieser Dritte wurde der Förderverein Arado 196 e.V. Am 23. Juni 2016 unterzeichneten 18 Gründungsmitglieder die Satzung. Uwe Giesecke, der aus der Luftfahrtbranche kommt, wurde erster Vorsitzender. "Ich bin zwar kein Experte in Restaurierung und auch nicht in alten Flugzeugen", räumt er ein, "aber ich traute mir das schon zu, hier so einen Verein zu gründen." 2017 begannen die Arbeiten.

Learning by doing mit steifgewordenen Händen

Sieben aktive Restaurateure bilden den harten Kern: Bernhard Jaeger, Peter Discher, Rudi Meister, Hans Bruchmüller, Jürgen Gerpott, Bernd Terbrack, Wilfried Rüsch. Keiner von ihnen ist ausgebildeter Restaurator. Das Prinzip war von Anfang an: Learning by doing. "Wichtig ist eigentlich nur der Wille, es zu machen", erklärt Giesecke. "Engagement, nicht jetzt ausgeprägte Fähigkeiten."

Die Gruppe trifft sich mittwochs zwischen neun und 13 Uhr, manche kommen zusätzlich am Wochenende. In der unbeheizten Halle wird die Arbeit im Winter zur Herausforderung. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind feinmechanische Arbeiten kaum noch möglich. Trotzdem sind die Männer hartnäckig geblieben. Und das von Anfang an, bis auf Bernd Terbrack, der erst vor zwei Jahren aus dem Münsterland dazustieß.

Zwei Mitstreiter haben sie verloren: HaJo Erckmann und Walter Vooth, beide von Beginn an dabei, starben 2022 und 2025. Unterstützung erhielten die Restaurateure von den Werkstätten der Marineflieger und der Sportflieger Nordholz, namentlich von Stefan Koehler, Tim Fischbeck und Jan Spink sowie von Bernd Hill, Adrian Weingart und Lars Fräbel.

Ein Restaurateur bei der Schleifarbeit an Metallteilen der Arado 196. In der unbeheizten Halle werden bei Minusgraden schnell die Hände steif, die Arbeitseinsätze fallen dann entsprechend kürzer aus. Foto: Potschka

Neue Strukturen, alte Leidenschaft

Die Auflösung des Vereins ist keine Kapitulation, sondern ein Zeichen veränderter Rahmenbedingungen. Die alte Arado-Halle gehörte der Offiziersmesse, ging aber in einem Mietkaufverfahren an das Aeronauticum über. Das Museum baute eine neue Halle speziell für die Arado-Restaurierung, jene, in der Giesecke heute steht. Bei einem Gespräch mit Kommandeur Broder Nielsen wurde beschlossen, die Organisationsstruktur zu verschlanken. Der Förderverein Aeronauticum übernimmt das Projekt, die aktiven Schrauber machen unter dessen Dach weiter.

"Ich will auch nicht verhehlen, mir selbst war es auch recht", gibt Giesecke zu. "Ich bin jetzt in einem Alter, dass ich mir nicht mehr antun will, einen Verein zu führen." Sein Augenlicht hat in den Jahren nachgelassen, feinmechanische Arbeiten kann er kaum noch ausführen. Aber die Vereinsführung, die Verhandlungen, die Organisation, das alles hat er neun Jahre lang geleistet.

Neue Heimat für ein altes Flugzeug: Der Eingangsbereich der Arado-Halle am Aeronauticum in Nordholz. Die Halle wurde eigens für die Restaurierung gebaut und ermöglicht Besuchern während der Öffnungszeiten einen Blick auf die Arbeiten. Foto: Potschka

Zwischen technischer Faszination und historischer Verantwortung

Die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Flugzeugs war nicht einfach. "Am Anfang hatte ich schon Schwierigkeiten, mich damit zu identifizieren", räumt Giesecke ein. "Das Dritte Reich ist ja nun wirklich nicht etwas, was uns alle irgendwie begeistert." Die neue Halle konnte nur mit finanzieller Unterstützung von Institutionen gebaut werden, die Wert darauf legten, dass das Thema Zwangsarbeit thematisiert wird. Große Tafeln informieren heute über die Produktionsgeschichte der Arado-Werke.

"Technisch gesehen gehört dieses Flugzeug in die Geschichte der deutschen Marineflieger", sagt Giesecke. "Wenn man hier 100 Jahre Marineflieger darstellt, kann man schon sagen: Das gehört hierher." Auch die Frage der Hakenkreuze musste geklärt werden. Vorbilder wie das Luftwaffenmuseum in Berlin-Gatow zeigen, dass historische Symbole im richtigen Kontext ausgestellt werden können.

Ein Relikt der Vergangenheit: Anlässlich seiner Verabschiedung erhielt Uwe Giesecke als ausgeschiedener Vorsitzender des Fördervereins Arado 196 von seinen Ehemaligen ein Erinnerungsstück. Foto: Giesecke

Das Flugzeug selbst hat eine bemerkenswerte Geschichte: Es war eines von zwei oder drei Bordflugzeugen des Kreuzers Prinz Eugen. 1946 wurde der Kreuzer an die Amerikaner übergeben, zwei Flugzeuge kamen mit nach Bremerhaven und in die USA. Die Deutschen bekamen die Maschine nicht zurück, denn Kriegsbeute unterliegt strengen Regeln. Die Lösung: eine Leihgabe auf 15 Jahre, die 2027 ausläuft. Peter Weber, Stiftungsvorsitzender des Aeronauticums, hat bei einem Besuch in Pensacola die Aussicht auf eine Dauerleihgabe erhalten.

"Ich hoffe sehr, dass es zu dieser Dauerleihgabe kommt", sagt Giesecke. "Das wäre natürlich auch in unserem Interesse, dass das Flugzeug dann dauerhaft hierbleibt."

Noch ist viel zu tun. Die beiden Tragflächen müssen aufgearbeitet werden. Außerdem muss ein Ausstellungskonzept entwickelt und eine stabile Konstruktion gebaut werden. Das Flugzeug wiegt zweieinhalb Tonnen, die 80 Jahre alten Schwimmer würden das Gewicht nicht tragen. Wie lange die Restrestaurierung dauert, will Uwe Giesecke nicht spekulieren. Aber die Grundlage ist gelegt.

"Ich finde es schön, dass wir so viel erreicht haben", sagt er, während draußen die Winterkälte über den Fliegerhorst zieht. "Und dass wir das in kompetente Hände weiterreichen können." In der Halle nebenan werkeln seine ehemaligen Vereinskameraden weiter. Die Arado wird fertig werden, auch ohne Förderverein.

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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