Rolf Lewerenz aus der Wingst: Nicht nur reden, sondern anpacken ...
Sie engagieren sich vor Ort und im europäischen Ausland: die aktiven Mitglieder der Wingster Reservistenkameradschaft. Einer der Ideengeber zieht sich jetzt zurück: Rolf Lewerenz hat als Vorsitzender viele Initiativen angeschoben - und zieht Bilanz.
Wie soll man Rolf Lewerenz beschreiben? Als "beharrlich", "zielstrebig" oder "durchsetzungs- und meinungsstark"? Wie auch immer: Der Wingster hat wahrscheinlich gegen keine dieser Formulierungen etwas einzuwenden. Der 71-Jährige hat die "Reservistenkameradschaft Wingst und Umgebung" in vielfacher Hinsicht geprägt und auch mit Vorurteilen gegen Verbände wie Reservistenkameradschaften aufgeräumt. Jetzt möchte er sich aus der ersten Reihe zurückziehen und mehr Zeit für die Familie haben.
Wer sich mit Rolf Lewerenz unterhält und ihn erlebt, wird ziemlich schnell merken: Der Mann hat einen Plan und davon lässt er sich nicht mal so schnell abbringen. Er hat gemeinsam mit seinen Mitstreitern das ermöglicht, was auf den ersten Blick kaum machbar scheint. Die Wingster haben es geschafft, die "Reservisten" aus der reinen (und oft verstaubten) Bundeswehr-Ecke herauszuholen. Wären die Wingster Reservisten pro forma keine "Kameradschaft", dann könnte man sie getrost als engagierte "Bürgerinitiative" bezeichnen, die anpackt und Ideen umsetzt. Wie sonst wäre es zu erklären, dass sich die Mitglieder unter anderem um die Pflege des Ehrenhains in Wingst-Ellerbruch kümmern, sich vor Ort für Projekte und Initiativen einsetzen oder aber auch im Ausland Soldatenfriedhöfe pflegen?
Viele Prominente waren schon zu Gast
Das alles ist keine Oberflächlichkeit. Und das merken und würdigen auch Prominente, die gerade in den letzten Jahren zu Veranstaltungen der Reservistenkameradschaft kamen und kommen. Ob Bundestagsabgeordnete, die ehemalige Wehrbeauftragte der Bundeswehr, Eva Högl, die niedersächsische Innenministerin Daniela Behrens, der Journalist Stefan Aust - sie und viele andere haben in der Wingst schon Rede und Antwort gestanden. Das ist nicht alltäglich für eine doch relativ kleine Gruppierung, die aber eben nicht nur lokal, sondern auch über die Landesgrenzen hinweg tätig ist. Schirmherr der Gedenkstätte "Ehrenhain Ellerbruch" ist übrigens der ehemalige niedersächsische Ministerpräsident und heutige Europaabgeordnete David McAllister ...
Schwierige Suche nach einem Nachfolger
Einer der Motoren und Ideengeber der Reservistenkameradschaft war bislang Rolf Lewerenz. Als Vorsitzender hat er in den vergangenen Jahren immer wieder dafür gesorgt, dass Projekte umgesetzt und auch öffentlich bekannt wurden. Projekte, die auch jenseits der Grenzen für Gesprächsstoff sorgten und sorgen. Doch in dieser Woche endete seine inzwischen zwölfjährige Amtszeit als Vorsitzender. Eine Wiederwahl hatte er vorab ausgeschlossen; ein Nachfolger wurde auf der Mitgliederversammlung in der Wingst nicht gefunden.
Lewerenz bleibt der Kameradschaft aber erhalten und mischt weiter mit. Dazu zählt auch sein Engagement für den Ehrenhain, der von den Mitgliedern im Rahmen zahlreicher Arbeitseinsätze dauerhaft gepflegt wird und Schauplatz vieler - auch überregionaler - Gedenkveranstaltungen ist.
Ebenso setzt sich die Kameradschaft immer wieder für die Pflege von Soldatenfriedhöfen ein: "Wir waren schon in Österreich, Italien, Frankreich, Dänemark, Polen und Italien", sagt der Wingster. Doch auch viele Aktivitäten innerhalb der Kameradschaft, deren Mitgliederzahl sich von 2014 bis heute nahezu auf knapp 120 verdoppelt hat, stehen in der Wingst natürlich auf dem Programm. Neben gemeinsamen Touren, der Begleitung von Ferienpassaktionen, Klönschnack-Treffen und lockeren Veranstaltungen für die Mitglieder und deren Familien stehen unter anderem auch die Besuche von Einheiten der Bundeswehr, die Sammlung für den "Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge" und die Beteiligung an Aktivitäten in der Gemeinde auf dem Jahresprogramm.
Zahlreiche Erfolge und Initiativen
Lewerenz hat als Vorsitzender in den vergangenen Jahren zwar die Richtung vorgegeben, doch er weiß, dass die Erfolge und Initiativen der Reservistenkameradschaft immer ein Gemeinschaftswerk sind. "Wir können alle stolz auf das gemeinsam Erreichte sein", sagte er in dieser Woche in seiner letzten Rede als Vorsitzender. Und er fügte hinzu: "Das würde alles nicht ohne Toleranz, Kameradschaft und Zusammenhalt funktionieren."
Künftig möchte sich Lewerenz mehr Zeit für die Familie nehmen; so wie in dieser Woche: Am Donnerstag waren er und seine Frau beim "Oma-und- Opa-Tag" gefragt ...