Nachdem wochenlang Schnee auf den Wiesen und Feldern gelegen und nun das Tauwetter eingesetzt hatte, haben sich zahlreiche Äcker und Wiesen in kleine Seenlandschaften verwandelt. Foto: Marcus Brandt/dpa
Nachdem wochenlang Schnee auf den Wiesen und Feldern gelegen und nun das Tauwetter eingesetzt hatte, haben sich zahlreiche Äcker und Wiesen in kleine Seenlandschaften verwandelt. Foto: Marcus Brandt/dpa
Nach dem Schnee

Tauwasser auf den Feldern im Kreis Cuxhaven: Flächen müssen abtrocknen 

von Denice May | 04.03.2026

Mit steigenden Temperaturen beginnt im Kreis Cuxhaven die Schneeschmelze. Felder wirken wie Seenlandschaften: Experten schätzen die Lage ein. Das kommende Wetter bleibt entscheidend für die Entwicklung auf den Feldern.

Mit den aktuell steigenden Temperaturen hat im Kreis Cuxhaven auch die Schneeschmelze begonnen. Deshalb wirken die Felder und Wiesen momentan sehr nass, wirken teilweise wie kleine Seenlandschaften. Doch für die Landwirtschaft ist die Lage weniger dramatisch, als der erste Eindruck vermuten lässt. Vertreter des Kreisbauernverbandes und der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sehen derzeit keine außergewöhnlichen Probleme für die Betriebe.

"Schneefall ist deutlich weniger ergiebig als Regen", erklärt Heino Klintworth, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Land Hadeln. Der Grund, warum es zunächst oft sehr nass aussieht, wenn der Schnee schmilzt, liegt am zuvor gefrorenen Boden. Er lässt das Wasser schlechter versickern. "Grundsätzlich ist es für die Jahreszeit aber nicht zu nass", so Heino Klintworth. Auch der Blick auf die Wettervorhersage stimmt viele Landwirte optimistisch. Sollte es in den kommenden Tagen tatsächlich weitgehend trocken bleiben, können die Flächen weiter abtrocknen. Ein wichtiger Faktor dabei: "Wer geduldig bleibt, sollte ohne nennenswerte Bodenverdichtungen auskommen." Bodenverdichtungen entstehen vor allem dann, wenn schwere landwirtschaftliche Maschinen zu früh auf noch nasse Böden fahren. Punktuell gebe es zwar weiterhin sehr nasse Stellen, etwa in Senken oder auf moorigen Böden - andere Flächen seien dagegen bereits wieder gut befahrbar. "Auf sandigen Marschen oder auf den Sandböden können schon Düngung und Bodenbearbeitung erfolgen", erklärt Heino Klintworth.

Wintergetreide und Raps sind gut durch den Winter gekommen

Insgesamt zeigt sich: Der Winter hat den meisten Kulturen kaum geschadet. Darauf weisen auch die Pflanzenbau-Fachleute der Landwirtschaftskammer Niedersachsen von der Bezirksstelle Bremervörde hin, die unter anderem landwirtschaftliche Betriebe im Bereich Cuxhaven und Otterndorf beraten. "Die im Herbst oft unter guten Bedingungen bestellten Winterkulturen - vor allem Getreide und Raps - sind überwiegend gut durch den Winter gekommen", heißt es aus der Fachberatung. Probleme gibt es allerdings vereinzelt beim Winterweizen. Später bestellte Bestände auf schluffigen Böden hatten bereits im Herbst unter den starken Niederschlägen im Oktober gelitten. Diese Böden neigen dazu, an der Oberfläche zu verschlämmen, wodurch junge Pflanzen schlechter wachsen können. "Solche Bestände sind teilweise nur mit geringer Biomasse und schwacher Wurzelentwicklung durch den Winter gekommen", erklären die Fachleute weiter. In einzelnen Fällen müsse deshalb im Frühjahr neu ausgesät werden. Wie groß die betroffenen Flächen sind, lasse sich derzeit noch nicht genau beziffern.

Positiver Effekt: Frost hat Boden stabilisiert

Der zurückliegende Frost hat aber vielerorts auch für positive Effekte gesorgt. Dort, wo keine schützende Schneedecke lag - etwa weil der Wind den Schnee verweht hatte -, konnte der Frost bis zu 20 Zentimeter tief in den Boden eindringen. "Die sogenannte Frostgare sorgt dafür, dass der Boden aufgelockert und zugleich stabilisiert wird", erläutern die Berater. Dadurch entstehe eine krümelige Bodenstruktur, die den Pflanzen das Wurzelwachstum erleichtere. Wo hingegen eine geschlossene Schneedecke lag, drang der Frost weniger tief in den Boden ein.

Ein weiterer Punkt, den Landwirte derzeit im Blick behalten, ist die Entwicklung von Schädlingen. Mit steigenden Temperaturen beginnt die Aktivität vieler Insekten früher als üblich. Ob der Frost ihre Populationen ausreichend reduziert hat, lasse sich derzeit auch noch nicht sicher abschätzen.

Winter war insgesamt eher niederschlagsarm

Während die Schneeschmelze kurzfristig für nasse Böden sorgt, richtet sich der Blick vieler Betriebe bereits auf eine mögliche gegenteilige Entwicklung. Der Winter war insgesamt eher niederschlagsarm. "Schnee wirkt wegen seines Volumens oft nach, tatsächlich war der Winter aber vergleichsweise trocken", erklären die Pflanzenbau-Experten. Das Tauwasser habe zwar den Oberboden gut durchfeuchtet, in tieferen Bodenschichten könne es jedoch bereits trockener sein. Sollte die angekündigte Trockenphase länger anhalten, könnte dies das Wachstum der Kulturen bremsen. "Wasser ist für viele Umsetzungsprozesse im Boden entscheidend und damit auch für die Verfügbarkeit von Nährstoffen", so die Fachleute. Gleichzeitig müssen die Pflanzen ausreichend Feuchtigkeit aufnehmen können. Entscheidend werde daher sein, wie schnell die Wurzeln der Winterkulturen in tiefere, noch feuchte Bodenschichten vordringen.

Insgesamt bleibt die Situation im Kreis Cuxhaven jedoch im Rahmen eines normalen Jahresverlaufs. Trotz der derzeit nassen Optik vieler Felder sehen Experten bislang keine außergewöhnlichen Belastungen für die Landwirtschaft. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird nun vor allem das Wetter der kommenden Wochen sein.

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Denice May

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

dmay@no-spamcuxonline.de

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