Ein "Schnellabschuss" eines Wolfs? Der kommt für Naturschützer nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen infrage. Eine Absage gibt es für den Abschuss ganzer Rudel. Foto: CNV-Archiv
Ein "Schnellabschuss" eines Wolfs? Der kommt für Naturschützer nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen infrage. Eine Absage gibt es für den Abschuss ganzer Rudel. Foto: CNV-Archiv
Nach der Hetzjagd auf Schafe

"Keine Option": Was der Naturschutzbund nach dem Wolf-Abschuss im Kreis Cuxhaven sagt

von Egbert Schröder | 03.03.2026

Der Wolfsabschuss im Kreis Cuxhaven hat den Naturschutzbund (Nabu-Landesverband Niedersachsen) auf den Plan gerufen. Die Naturschützer warnen vor Überreaktionen nach den jüngsten Angriffen auf Nutztiere im Cuxland.

Gegenüber der Redaktion der Niederelbe-Zeitung und der Cuxhavener Nachrichten warnte der Nabu-Landesverband davor, Wolfsbestände in größerem Stil zu dezimieren. Und mit Blick auf das Cuxland als Küstenregion heißt es: "Die Forderung nach wolfsfreien Zonen, insbesondere im Bereich der Deiche, lehnt der Nabu Niedersachsen klar ab."

Der Landkreis Cuxhaven hatte in enger Absprache mit dem niedersächsischen Umweltministerium eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung für den Abschuss in Kraft gesetzt, um die "Wolfs-Fähe GW2492f" töten zu lassen. Die Wölfin soll nach Angaben des Cuxhavener Landrates Thorsten Krüger für den "maßgeblichen Teil der Nutztierrisse in den letzten Tagen und Wochen" verantwortlich gewesen sein. So waren binnen weniger Tage in Stinstedt (Börde Lamstedt) zwei Dutzend Schafe getötet oder so schwer verletzt worden, dass sie eingeschläfert werden mussten.

Nach der Attacke auf eine Schafherde zwischen Stinstedt und Mittelstenahe liegen zwei tote Tiere am Straßenrand. Foto: Kramp

"Sachlich, rechtssicher und wirksam"

Beim ersten Angriff auf die Stinstedter Herde waren die Tiere über rund fünf Kilometer hinweg gehetzt worden. Angesichts der Spuren ist nicht auszuschließen, dass mehrere Wölfe an der Hetzjagd beteiligt gewesen sind. Foto- und Videoaufnahmen aus der Gegend rund um den Balksee sorgten für Hinweise, dass mindestens vier Wölfe durch die Gegend ziehen. Die abgeschossene Wölfin wird zurzeit in einem Berliner Institut gentechnisch untersucht. Von dem Ergebnis hängt nach Informationen von cnv-medien.de auch die weitere Vorgehensweise ab. Möglicherweise ist es mit diesem einzelnen Abschuss nicht getan. Doch das steht nicht abschließend fest.

In die laufende Diskussion schaltete sich nach einer NEZ/CN-Nachfrage auch Lamin Neffati als Pressesprecher des niedersächsischen Landesverbandes des Naturschutzbundes (Nabu) ein: "Die aktuellen Wolfsrisse im Elbe-Weser-Dreieck verunsichern viele Weidetierhalterinnen und Weidetierhalter im Landkreis Cuxhaven. Der Nabu Niedersachsen nimmt die Sorgen der Betriebe ernst und setzt sich zugleich für eine sachliche, rechtssichere und wirksame Lösung ein, die sowohl den Schutz der Nutztiere, als auch den Erhalt des günstigen Erhaltungszustands des Wolfes gewährleistet", erklärte Neffati.

Bis mitten ins Zentrum Mittelstenahe zog sich die blutige Schneise. 20 tote und über ein Dutzend verletzte Schafe waren das Ergebnis eines ersten Angriffs auf die Herde. Foto: Kramp

Herdenschutz steht für Nabu im Fokus

Doch die Kompromissbereitschaft der Naturschützer hat ganz offensichtlich Grenzen. Die Forderung nach wolfsfreien Zonen, insbesondere im Bereich der Deiche, sei "keine Option". Ein aktuelles Nabu-Deichschutzprojekt zeige "eindeutig", dass der "empfohlene wolfsabweisende Herdenschutz auch am Deich umsetzbar und für die Betriebe zumutbar ist". Entsprechend installierte Zäune wiesen Wölfe wirksam ab und leisteten den "entscheidenden Beitrag zum Schutz der Weidetiere".

Pauschale Ausnahmen oder wolfsfreie Gebiete würden den Artenschutz untergraben, ohne die eigentliche Ursache von Rissereignissen nachhaltig zu lösen: "Entscheidend bleibt vielmehr, dass Herdenschutzmaßnahmen konsequent umgesetzt und finanziell abgesichert werden."

Die verschonten Tiere des Schäfers werden nach der Attacke von Wölfen auf einem Hofgelände zusammengetrieben. Foto: Kramp

Bereits heute bestehe zudem die Möglichkeit, im Fall von Nutztierrissen eine sogenannte "Schnellabschussgenehmigung" zu erteilen. Dieses Instrument ist aus Nabu-Sicht weiterhin im Einzelfall grundsätzlich der "richtige Weg". Doch die Naturschutzorganisation schränkt ein: "Voraussetzung muss jedoch bleiben, dass der empfohlene Herdenschutz nachweislich und wiederholt überwunden wurde." 

Gegen "pauschale Maßnahmen"

Forderungen, nicht nur einzelne Problemwölfe, sondern ganze Rudel zu "entnehmen", sieht die Naturschutzorganisation "kritisch". Eine solche pauschale Maßnahme sei weder fachlich geboten, noch rechtlich unproblematisch: "Stattdessen muss es dabei bleiben, dass mittels DNA-Analyse eindeutig ein sogenannter Problemwolf identifiziert wird. Nur dieser darf im Einzelfall entnommen werden. So wird gezielt gehandelt, ohne gegebenenfalls funktionierende Rudelstrukturen unnötig zu zerstören." Eine "Einzelentnahme per Schnellabschuss bei eindeutig identifizierten Problemwölfen" dürfe nicht "zum Ersatz für flächendeckenden Herdenschutz werden".

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Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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