Torge Krüger überrascht Hemmoor mit neuen Plänen zur Wahl
Als parteiloser Kandidat wirbt Torge Krüger in Hemmoor um Vertrauen. Unterstützt von der CDU, will er mit innovativen Ideen und einer klaren Vision überraschen. Doch wie wird die Samtgemeinde auf seine Pläne reagieren?
Die Luft steht noch warm über Hemmoor-Basbeck, als Torge Krüger seinen Kofferraum öffnet. 25 Grad zeigt das Thermometer an diesem frühen Spätsommerabend. Die Spinnen spannen ihre Netze über den Gartenzäunen und der Kandidat greift nach einem Stapel Flyer. Sein Auto dient ihm derzeit als mobiles Wahlkampfbüro: Broschüren, Plakate, alles griffbereit.
Dann klingelt er. Tür auf, kurzes Zögern, dann ein Lächeln. "Keine Sorge, ich will nichts verkaufen", sagt er zur Begrüßung und schon steht er im Gespräch. So geht das an diesem Abend mehrmals: Haustür auf, Krüger stellt sich vor, hinterlässt seinen Flyer, hört zu. Genau darauf legt er Wert. Nicht Wahlkampf von oben herab, sondern Gespräch auf Augenhöhe.
Bewusst nach Hemmoor gezogen
Torge Krüger ist 33 Jahre alt, parteilos, Offizier der Bundeswehr und seit wenigen Monaten Vater. Sein Sohn Erik ist drei Monate alt, seine Frau stammt aus Syke bei Bremen. Nach Hemmoor kamen sie nicht durch Zufall. "Wir haben uns Hemmoor aktiv ausgesucht als unser Zuhause", sagt Krüger im Gespräch nach dem Straßenwahlkampf. Der gebürtige Landkreis-Sohn wuchs in Geestland auf, studierte in Bremerhaven sowie München und diente unter anderem in Litauen als Leiter militärischer Sicherheit für eine multinationale Kampftruppe. Zehn Jahre trägt er inzwischen die Uniform. Nach Jahren des Pendelns wollte er einen festen Ankerpunkt für seine junge Familie. Ein gemietetes Haus in Hemmoor wurde daraus, rechtzeitig vor dem Start in den Wahlkampf.
Für die Sonntagswahl tritt er als parteiloser Kandidat an, unterstützt von der CDU. Diese Unabhängigkeit sei ihm wichtig, betont er. "Ich möchte ein Samtgemeinde-Bürgermeister für alle Bürgerinnen und Bürger hier vor Ort sein." Die CDU dürfe von ihm ein faires, professionelles und neutrales Handeln erwarten, nicht mehr und nicht weniger. Diese Haltung wiederholt er auch bei einer heiklen Frage: Sein Vater Thorsten Krüger ist Landrat des Landkreises Cuxhaven. Kollidieren die Ämter? Torge Krüger bleibt gelassen. Man werde Konflikte fachlich und sachlich auf Arbeitsebene klären, genau wie mit jedem anderen Bürgermeister im Kreis auch. Sonderbehandlungen schließt er aus.
Vater ist Landrat
Sein Alter sieht Krüger nicht als Nachteil, sondern als natürlichen Lauf der Dinge. Er verweist auf sein Team im Rathaus, auf die Erfahrung der Mitarbeiter, die er nutzen wolle, statt sie zu fürchten. Seine eigene Verwaltungserfahrung habe er im sogenannten Stab der Bundeswehr gesammelt: Infrastrukturplanung, Personalführung, Organisation, national wie international. Die deutsche Bürokratie unterscheide sich strukturell kaum von der militärischen, sagt er, nur das Aufgabenspektrum sei ein anderes. Führung bedeutet für ihn vor allem Zuhören und situationsgerechtes Handeln, nicht Befehlston. Am Ende müsse aber eine Entscheidung fallen, für die er auch geradestehen wolle. Rückgrat nennt er das.
Führung statt Befehle
Inhaltlich setzt Krüger drei Schwerpunkte: Sicherheit, Wirtschaft, Kommunikation. Beim Streifzug durch Basbeck sprach er mit Anwohnern immer wieder über den "löchrigen Mobilfunkempfang", über fehlende Versammlungsorte nach dem Abriss der alten Festhalle und über den Wunsch nach mehr Nähe zur Verwaltung. Seine Antwort darauf: ein Bürgerhaus für große Feiern und im Krisenfall als Anlaufstelle, ein digitaler Wirtschafts-Austausch mit ansässigen Unternehmen, dazu Bürgersprechstunden und eine eigene Sprechstunde des Bürgermeisters. Digitalisierung soll dabei kein Selbstzweck sein, sondern konkret spürbar: Als Beispiel nennt er eine Packstation am Rathaus, an der Bürger ihren Personalausweis auch außerhalb der Öffnungszeiten abholen könnten. Den persönlichen Kontakt wolle das aber nicht ersetzen.
Acht Jahre Amtszeit
Bewirbt Krüger sich erfolgreich, würde er acht Jahre lang Verwaltungschef einer Samtgemeinde mit drei Ortsteilen. Osten, Hechthausen und Hemmoor möchte er dabei nicht gegeneinander ausspielen, sondern als Ganzes denken. Am Ende des Gesprächs wird er noch einmal persönlich. Respekt empfinde er vor der Aufgabe, sagt er, Angst dagegen nicht. Er spricht von Pflichtbewusstsein, von einem Vertrauensvorschuss, dem er gerecht werden wolle. In acht Jahren, sagt Krüger, solle man in Hemmoor sagen können: "Das haben wir gemeinsam hinbekommen." Am kommenden Sonntag entscheidet sich, ob er dafür die Zeit bekommt.
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