Traditionsgasthaus "Zur Gemütlichen Ecke" in Spieka-Neufeld öffnet wieder
Nach monatelangem Stillstand kehrt neues Leben in eines der ältesten Gasthäuser im Kreis Cuxhaven zurück: Die "Gemütliche Ecke" in Spieka-Neufeld steht vor der Wiedereröffnung.
Es gehört zu den ältesten und urigsten seiner Art im Cuxland - das Gasthaus "Zur Gemütlichen Ecke" in Spieka-Neufeld. Bereits 1857 konnten Gäste sich hier bewirten lassen. Die Betreiber wechselten, das Ambiente blieb.
Jemand hat einmal das Gerücht gestreut, dass sogar Sternekoch Tim Raue sich für das Haus am Weser-Radweg direkt hinter dem Nordseedeich interessiert haben soll. Belegt ist das nicht. Sicher ist aber, dass in den zurückliegenden fast 14 Monaten hier niemand einkehren konnte.
"Zur gemütlichen Ecke": Letzter Pächter schloss nach nur einer Saison
Der letzte Pächter hatte nach nur einer Saison wieder aufgegeben. Bis vor ein paar Tagen hingen noch Zettel mit der Aufschrift "Pächter gesucht" in den Schaukästen am Eingang der roten Backsteinimmobilie.
Berthold Ohrmann, seit 2019 Eigentümer der "Gemütlichen Ecke", hat sie gerade entfernt. Denn es tut sich was in dem gastronomischen Betrieb.
Sogar ein Barbetreiber wollte samt Spielbetrieb einziehen
"Wir hatten einige Bewerber", erzählt Ohrmann. Einer habe ein syrisches Restaurant eröffnen wollen, ein anderer ein griechisches. Sogar die Idee, eine Bar samt Spielautomaten einzurichten, sei an ihn herangetragen worden.

Ohrmann hat mit mehreren Interessenten gesprochen. "Letztlich haben wir uns aber entschieden, das nicht zu machen. Es muss ja auch ein bisschen zu Spieka-Neufeld passen", meint der Wahl-Cuxhavener.
Was das Café "Zur gemütlichen Ecke" auszeichnet
Er schaut sich in der Gaststube um, die er mit seiner Frau nach dem Kauf behutsam umgestaltet hat. Hier eine hellblaue Wandpaneele, dort ein paar neu platzierte historische Bilder an den Wänden und draußen im Rosengarten stilvolles Terrassenmobiliar.
Alles wirkt einladend und gemütlich. Ohrmann ist das wichtig: "Mit seinem historischen Flair ist die 'Gemütliche Ecke' etwas ganz Besonderes; das hat einen besonderen Stil. Diesen Stil wollen wir bewahren."
Im Frühjahr soll das Gasthaus in Spieka-Neufeld zunächst als Café eröffnen
Iris Knitt nickt. "Ich werde nichts verändern, hier steckt so viel Liebe drin", sagt die 55-Jährige, die die "Gemütliche Ecke" künftig betreiben wird.
Im Frühjahr, das Datum steht bislang nicht fest, will sie das Gasthaus wieder eröffnen. Zunächst als Café an den Wochenenden. Die Torten backt sie selbst in der Gasthaus-Küche.

Die Mutter eines Sohnes stammt aus Spieka-Neufeld, hat aber zuletzt in Brake auf der anderen Weserseite gelebt. Dort betrieb sie von 2023 bis 2025 ein kleines Café in Golzwarden. "Es lief gut", erzählt sie, "die Gäste kamen sogar aus Bremen und Oldenburg, um meine Torten zu essen." Weil ihr Pachtvertrag nicht verlängert worden sei, ist sie aktuell in einem Gasthaus in der Wesermarsch angestellt.
Gelernte Einzelhandelskauffrau und frühere Berufssoldatin
Die Liebe zum Zuhause ihrer Kindheit hat sie jetzt, da ihr Sohn erwachsen sei und seine eigenen Wege gehe, wieder eingeholt. Auf der Suche nach einer Wohnung in Spieka-Neufeld erfuhr sie, dass die "Gemütliche Ecke" zu verpachten ist.
Knitt ist gelernte Einzelhandelskauffrau. Als das Textilunternehmen, für das sie arbeitete, um die Jahrtausendwende schloss, bewarb sie sich bei der Bundeswehr. 2021, nach 20 Jahren, schied die Berufssoldatin aus.
Nebenbei habe sie immer in der Gastronomie gearbeitet, erzählt Knitt. "Ich weiß nicht, woher diese Leidenschaft kommt, aber sie war immer da."
Betreiberin sucht Angestellte - für Service und Küche
Mit ihrem Satz "Ich brenne für die Gastro, ich mag es, mit Gästen umzugehen und sie zu bewirten" überzeugte sie auch Berthold Ohrmann. "Diese Einstellung", betont er, "ist uns ganz wichtig."
Knitt will die "Gemütliche Ecke" allein bewirtschaften. Dafür braucht sie Angestellte, im Service, aber auch in der Küche. Denn beim Café-Betrieb mit Frühstücksangeboten sowie Veranstaltungen im kleinen Saal soll es nicht bleiben.
"Zur gemütlichen Ecke": Zum Saisonstart sind 6 bis 7 Öffnungstage geplant
"Spätestens zum Saisonbeginn will ich sechs bis sieben Tage öffnen", sagt Knitt. Dem Kaffee- und Kuchenangebot soll möglichst schnell eine Auswahl herzhafter Kleinigkeiten und Tellergerichte folgen.
Knitt denkt an die regionale Küche, an Labskaus und andere norddeutsche Spezialitäten. Zur Nebensaison 2026/27 möchte sie auch Grünkohltouren ins Angebot aufnehmen.
Noch wohnt Knitt in der Wesermarsch. Doch das soll sich in Kürze ändern. "Am liebsten möchte ich gleich um die Ecke wohnen, damit ich außerhalb der Öffnungszeiten auch im Jogginganzug rüberlaufen kann." Denn eines ist für sie sicher: "Die 'Gemütliche Ecke‘ soll für mich eine Art Zuhause werden."
Von Heike Leuschner