Überlebensrezepte für die Vereine im Cuxland: Für Ehrungen ist es nie zu früh
Ehrenamt und Sport im Verein sind der Kitt der Gesellschaft. Doch Bürokratie und Nachwuchssorgen belasten Vereine auch im Kreis Cuxhaven. In der Wingst fing es mit Innenministerin Daniela Behrens um praxisnahe Strategien zur Entlastung.
Von Maren Reese-Winne
Kreis Cuxhaven. Sport im Verein und das dazugehörige Ehrenamt sind das letzte Lagerfeuer und der Kitt der Gesellschaft; eine große Bewegung, die unbedingt erhalten werden muss: Das unterschrieben alle, die am Freitag im Gasthaus "Lütt Mandus" in der Wingst um Erfolgs- und Überlebensrezepte rangen. Die Prominenteste in der durch den SPD-Ortsverband Land Hadeln zusammengerufenen Runde war Niedersachsens Innen- und damit auch Sportministerin Daniela Behrens (SPD).
Allesamt sind sie dem Sport verschrieben und zumeist in mehreren leitenden Ehrenämtern tätig: Thomas Offermann (Sportschützenverein Wingst), Katrin Katt (VfL Wingst), Juliane Schattauer (Turnkreis Cuxhaven), Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule (Land Hadeln) und Stefanie Klüver, hauptamtliche Geschäftsführerin des Kreissportbunds Cuxhaven. Moderiert wurde die Veranstaltung durch die Vorsitzenden Jens Langner und Michael Schlobohm, gleichzeitig Vorsitzender des VfL Wingst.
Land Niedersachsen setzt an vielen Stellen an
Vor allem zu viel Bürokratie, Nachwuchssorgen und Investitionsstau lasten auf den Vereinen. Die Ehrenamtsstratgie des Landes setze daher auf drei Säulen, so Daniela Behrens: Anerkennung und Würdigung (Beispiel Ehrenamtskarte), Förderung und Qualifikation (Beispiel: eine niedrigschwellige Mikroförderung mit Zuschüssen in Höhe von 200 bis 2500 Euro für Weiterbildung) und Aufbau von Strukturen zur Entlastung der Vorstandsarbeit - so wie mit dem Gema-Pauschalvertrag, der die Vereine weitgehend von Anmeldeverfahren und Gebühren befreit hat.
Gelänge das auch bei Versicherungen und Steuerfragen, könnten Vorstände erheblich entlastet werden. Als einziges Bundesland lege Niedersachsen außerdem im Sportfördergesetz einen jährlichen Mindestbeitrag von 32,5 Millionen Euro fest, über deren Verteilung der Landessportbund bestimme. Durch weitere Einnahmen, unter anderem aus dem Glücksspiel (Lotto-Mittel), seien allein 2025 rund 50 Millionen Euro vergeben worden. Angesichts der lebenrettenden Bedeutung des Schwimmunterrichts konzentriere sich das Land aktuell in der Sportstättenförderung mit 20 Millionen Euro jährlich auf Schwimmbadbau und -sanierung, weitere zehn Millionen Euro pro Jahr flössen in weitere Sportstätten.
Für Ehrungen ist es nie zu früh
Hieraus ergaben sich direkt Anknüpfungspunkte, gerichtet nicht nur an die Politik, sondern an die Vereine selbst. Turnkreis-Vorsitzende Juliane Schattauer regte an, nicht erst nach 50 Jahren an Ehrungen zu denken, sondern besonderes Engagement jederzeit zu ehren. Katrin Katt rief dazu auf, Vertrauen aufzubauen und die junge Generation "machen zu lassen", zumal diese für Herausforderungen wie die Digitalisierung viel besser gerüstet sei.
Zur Frage, ob ein bezahltes Ehrenamt noch Ehrenamt sein kann, gab es gemischte Meinungen. Die Tätigkeit im Verein müsse mit gut bezahlten Nebenjobs konkurrieren, argumentierten Katrin Katt und Stefanie Klüver. Die angeregte Vergütung in Rentenpunkten löste in Daniela Behrens ("das wäre das Tor zur Hölle") allerdings heftigen Widerspruch aus, denn Rentenpunkte müssten von der arbeitenden Bevölkerung erarbeitet und eine Zusatzbelastung der kommenden Generationen unbedingt vermieden werden.
Papierkram an zentralen Stellen abwickeln
Mehr Hauptamt fürs Ehrenamt, dieser Weg stellte sich als eher gangbare Alternative heraus. Denkbar wären Vereins-Kooperationen oder institutionelle Stellen, durch ein Großteil der Bürokratie aufgefangen werden könnte. Auch Erleichterungen für berufliche Freistellungen wurden angeregt.
Mit Sorge betrachten viele Vereine den herannahenden Ganztagsanspruch in der Grundschule: Ob er wirklich eine Abwanderung aus den Vereinen und einen Kampf um Hallenzeiten auslöst, kann erst die Erfahrung zeigen. Niemand aber erwarte, dass Ehrenamtliche den Ganztag stemmten, so Daniela Behrens. Gemeinsam mit Frank Thielebeule zeigte sie sich zuversichtlich für eine hohe Akzeptanz des Ganztags auchanfangs sicher stäker belasteten ländlichen Raum. Thielebeule konnte außerdem vermelden, dass nach der soeben genehmigten Haushaltsplanung für 2026 nun auch Geld für die geplanten Projekte ausgegeben werden darf.