Was Cuxhaven im Herbst erwartet - und wie eine Meteorologin den Sommer 2024 einordnet
Die Temperaturen sind gesunken im Kreis Cuxhaven. Der Sommer ist beendet, das Herbst-Wetter hat begonnen. Am 22. September ist kalendarischer Herbstanfang. Die Daten verraten, wie das Wetter im Sommer 2024 war - und was der Herbst bringt.
Offiziell beginnt der Herbst zweimal. Denn es gibt einen meteorologischen und einen kalendarischen Herbstanfang. Damit Meteorologen die Wetterdaten vergleichen können, wurden die Jahreszeiten in Quartale eingeteilt, die seit dem 19. Jahrhundert immer am 1. Dezember (Winter), 1. April (Frühling), 1. Juni (Sommer) und 1. September (Herbst) beginnen. Auf den kalendarischen Herbstanfang fällt die sogenannte Tag-und-Nacht-Gleiche. Das heißt: Tag und Nacht sind etwa gleich lang - zwölf Stunden. In diesem Jahr ist der kalendarische Herbstanfang am 22. September. Welches Wetter wir in der dritten Jahreszeit erwarten dürfen und wie der Sommer rückblickend ausfiel, ordnet Meteorologin Annika Brieber aus dem Klimahaus Bremerhaven im Gespräch mit Joscha Kuczorra ein.
Wir schauen zurück auf Juni, Juli und August: Wie bewerten Sie den Sommer 2024 mit Blick auf die meteorologischen Daten?
Es war global der durchschnittlich heißeste Sommer seit Beginn der Messaufzeichnungen. Das gilt auch für die Messungen für Europa.
Und wie war das Wetter in Cuxhaven und Umgebung? War der Sommer 2024 im Vergleich zu den vergangenen Jahren ähnlich extrem oder eher typisch?
In Norddeutschland war es ein eher durchschnittlicher "Schaukelsommer". Das bedeutet: viel Wechsel zwischen Tiefdruckgebieten und kurzen heißen Phasen. Wir hatten einen kühlen, regnerischen Start mit der "Schafskälte" (Kälteeinbruch in Mitteleuropa zwischen 4. und 20. Juni; Anm. d. Red.). Der Sommer nahm dann erst zum Ende hin Fahrt auf.
Welcher war der heißeste Tag?
Die höchste Temperatur wurde am 13. August gemessen: 30,9 Grad Celsius in Cuxhaven.

Was geben die Daten der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Cuxhaven sonst noch her: War der Sommer eher feucht oder trocken?
Die Durchschnittstemperatur war mit 17,9 Grad Celsius zu warm. Im Vergleich zu den Jahren 1961 bis 1990 bedeutet das einen Unterschied von +1,7 Grad. Der Niederschlag war mit 201 Litern pro Quadratmeter etwas zu trocken: 86,6 Prozent im Vergleich zur Referenzperiode zwischen 1961 und 1990. Die Sonnenscheindauer liegt hingegen genau im Durchschnitt: 672,8 Stunden.
Gerade einmal zweieinhalb Wochen (4. September) liegt das heftige Gewitter zurück, bei dem die dritthöchste Tagesniederschlagsmenge jemals in Cuxhaven gemessen wurde. Wie ordnen Sie das Unwetter im Nachhinein ein?
An diesem Tag fielen bei uns in der Region deutschlandweit die höchsten Niederschläge. In der Region wurden bei den Tages-Niederschlägen teilweise sogar Allzeit-Rekorde gebrochen, zum Beispiel in Bremerhaven und Bremervörde. In Cuxhaven wurde immerhin ein Monatsrekord gemessen: Mehr Regen ist innerhalb von 24 Stunden an dieser Station im Monat September bisher noch nie gefallen.
Wie kam das Gewitter zustande?
Es war insgesamt ein außergewöhnliches Unwetter-Ereignis, das durch die extrem feuchte Luft und die langsame Zuggeschwindigkeit von zwei aufeinanderfolgenden Gewitterkomplexen ausgelöst wurde.
Hatten die heißen und auch feuchten Bedingungen Einfluss auf die Natur in der Region, zum Beispiel auf die Pflanzen- oder Tierwelt?
Dafür lohnt sich ein Blick auf den "phänologischen" Herbstanfang. Die Phänologie legt die Pflanzen als Anzeiger für den Wechsel der Jahreszeiten zugrunde. Interessant ist hierbei der Beginn des "Frühherbstes": Die ersten Holunderfrüchte waren in diesem Jahr in Deutschland schon sehr früh zu sehen - am 13. August und damit mehr als eine Woche früher als im Durchschnitt. Das lag daran, dass wegen hoher Temperaturen im Frühling auch die Holunderblüte zeitig eingesetzt hat. Der Beginn des "Vollherbstes", angezeigt durch die ersten Früchte der Stiel-Eiche, fiel in diesem Herbst auf den 13. September.
Inwiefern lassen sich langfristige Veränderungen im regionalen Klima erkennen? Gibt es Trends, die sich aus den Daten der vergangenen Jahre ableiten lassen?
Der Anstieg der Durchschnittstemperaturen setzt sich in allen Jahreszeiten weiter fort. Die phänologischen Jahreszeiten verschieben sich durch die zunehmende Wärme im Jahr nach vorne. Davon ausgenommen ist der Winteranfang. Der setzt immer später ein. Das heißt: Es gibt immer kürzere Winter.
Wie beeinflusst der Klimawandel das Wetter in Norddeutschland? Werden die Stürme und Niederschläge intensiver?
Insgesamt gibt es keine großen Änderungen bei den Gesamtregenmengen. Tendenziell gibt es eine leichte Abnahme im Sommer, dafür aber feuchtere Herbstmonate und vor allem nassere Winter. Außerdem können mehr Wärme und höhere Luftfeuchtigkeit zu mehr Starkregen und Gewittern führen. Das kommt zustande durch mehr Verdunstung über die aufgeheizten Ozeane. Die wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen.
Was erwartet uns in den kommenden Herbstmonaten? Können wir mit einem milden oder eher rauen Herbst in der Region rechnen?
Die Langfristvorhersage des Deutschen Wetterdienstes sagt voraus, dass der Herbst wärmer wird als im Durchschnitt. Das ist nicht überraschend, weil es in den Trend passt. Das heißt aber nicht, dass es ganz viele Hitzetage hintereinander gibt.
Sondern?
Bei Temperaturen über 25 Grad sprechen Meteorologen von einem Sommertag. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Sommertage in diesem Herbst eintreten, ist höher als sonst. Aber der Rekord, als am 16. September 1947 in Cuxhaven 31,4 Grad gemessen wurden, wird wohl nicht gebrochen.
Abgesehen von einzelnen Tagen: Lässt sich schon eine Tendenz für den gesamten Herbst absehen?
Für den Herbst als ganze Jahreszeit erwarten wir mehrere blockierende Hochdruckgebiete, die sich über Europa festsetzen. Das heißt: mehr Sonne und hohe Temperaturen. Es wird spätsommerlich und wir bekommen womöglich einen "goldenen Oktober". Das ist zum aktuellen Zeitpunkt aber eine vage Vorhersage.
Gibt es denn besondere Wetterereignisse, auf die wir uns einstellen sollten?
Extreme lassen sich schwer vorhersagen. In der nächsten Woche wird das Wetter nach den schönen Tagen in die andere Richtung kippen. Ab Sonntag gibt es einen Wetterwechsel. Es wird unbeständiger und regnerischer.
Was fasziniert Sie persönlich am Wetter in Norddeutschland? Gibt es besondere Herausforderungen, mit denen Sie als Meteorologin hier regelmäßig konfrontiert sind?
Ich genieße den allgegenwärtigen Wind und dass es bei uns auch in diesem Sommer wieder nicht ganz so heiß geworden ist wie anderswo in Deutschland. Die warmen Tage ließen sich im Freibad und am Strand sehr gut aushalten.
Gibt es denn auch alarmierende Zeichen?
Heftige Starkregen-Ereignisse wie in der Gewitternacht Anfang September nehmen zu. Doch zu viel Wasser ist etwas, womit wir hier an der Küste schon immer gerechnet haben und worauf wir uns auch noch besser einstellen können. Was meiner Meinung nach noch viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, ist das Risiko der zunehmenden Hitze. Gerade weil wir hier im Norden die hohen Temperaturen aus der Vergangenheit nicht so gewohnt sind, sind unsere Städte, Gebäude und Öffentlichen Verkehrsmittel besonders schlecht daran angepasst.