"Jeden Tag zu kämpfen": Warum Apotheken-Mitarbeiter im Kreis Cuxhaven nun Rot tragen
Vergangenes Jahr haben laut Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände mehr als 500 Apotheken für immer geschlossen, im Jahr davor waren es rund 400. Apotheker im Landkreis Cuxhaven sehen rot. Worauf sich Kunden in dieser Woche einstellen müssen.
In den Schaufenstern der Apotheken im Landkreis Cuxhaven hängen in dieser Woche auffällige Plakate. Die Aktionswoche steht unter dem Motto "Wir sehen rot". Damit wollen die Apotheker bundesweit auf sich und ihre Probleme aufmerksam machen.
Vom 22. bis 27. April werden Apothekenteams in roter Kleidung die Patientinnen und Patienten auf die immer dramatischer werdende wirtschaftliche Situation der Apotheken vor Ort aufmerksam machen. Damit soll ein alarmierendes Zeichen gegen die Sparpolitik der Regierung gesetzt und auf die chronische Unterfinanzierung und die "überfällige" Honoraranpassung aufmerksam gemacht werden.

Auch die Filialleiterin der Rats-Apotheke in Otterndorf, Anne Schütz, und ihr Team machen mit. Wichtig ist den Apothekern bei dieser Aktion, dass sie sich nicht auf die Kunden auswirkt. Zu vorübergehenden Schließungen von Apotheken wie im November vergangenen Jahres wird es diesmal nicht kommen. Die Apotheken werden zu den gewohnten Zeiten geöffnet sein. Die Mitarbeiter der Apotheken setzten vielmehr auf Information.
Stattdessen machen die Apotheken mit Plakaten, beklebten Schaufenstern und roten T-Shirts auf sich aufmerksam. In der Filiale in Otterndorf steht den Kunden zusätzlich ein Computer zur Verfügung, an dem sie sieben Fragen beantworten können, die sich unter anderem auf die wohnortnahe Apotheke beziehen. Die Ergebnisse sollen dann an die Standesvertretung der Apotheker geschickt werden, um ein Bild davon zu bekommen, welchen Stellenwert die Apotheke vor Ort für die Kunden hat.
Versorgung wird immer schwieriger
"Im Land Hadeln hatten wir früher eine Apotheke in Wanna, eine in Ihlienworth und Neuhaus, eine in der Wingst und eine zweite in Lamstedt. Die sind uns alle in unserem Notdienstbezirk weggebrochen", erzählt Filialleiterin Schütz. Das bedeutet, dass die Ratsapotheke in Otterndorf inzwischen nicht mehr alle zwölf Tage, sondern alle sieben Tage Notdienst hat. "Wir können uns ein weiteres Apothekensterben in unserer ländlichen Region nicht leisten. Unsere Hauptforderung ist daher die Anpassung der Honorierung auf ein rezeptpflichtiges Arzneimittel", so Schütz weiter. Seit 2005 gibt es für die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten einen Festbetrag, der 2013 um wenige Cent angehoben und seitdem nicht mehr erhöht wurde. "Das belastet die Apotheken enorm", sagt Anne Schütz.

"Wenn eine Apotheke in Wanna rentabel wäre, hätte es sicher Kollegen gegeben, die das gemacht hätten, aber eine Apotheke darf natürlich kein Minusgeschäft sein. Wir haben jetzt schon jeden Tag zu kämpfen, weil wir Wanna, Ihlienworth, Medemstade oder Steinau beliefern möchten", erklärt die Apothekerin. In den genannten Orten gibt es keine Apotheke mehr. "Wenn noch ein oder zwei wegbrechen, ist das alles nicht mehr machbar", warnt Schütz.
Lieferengpässe bei verschiedenen Arzneimitteln
Lieferengpässe bei verschiedenen Arzneimitteln haben die Apotheken seit dem vergangenen Jahr vor einen Berg von Mehrarbeit gestellt. Die Suche nach alternativen Arzneimitteln und die oft notwendige Abstimmung mit dem Arzt verursachen Aufwand, der nicht vergütet wird. Hinzu kommt nach Angaben der Apothekerverbände, dass die gestiegenen Betriebskosten und Tariflohnerhöhungen für die Mitarbeiter nicht durch eine Anpassung der Honorare ausgeglichen wurden.
In der von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände initiierten Aktionswoche wollen die Apotheker die Kunden in ihren Protest einbeziehen. In einer Online-Umfrage unter www.apoliebe.de können sie deutlich machen, wie wichtig ihnen die Beratung in der Apotheke vor Ort ist.