Das Stachelschwein trotzt der Kälte und nagt genüsslich an Weidenzweigen. Foto: Kramp
Das Stachelschwein trotzt der Kälte und nagt genüsslich an Weidenzweigen. Foto: Kramp
Tierische Begegnungen in der Kälte

Spuren, Nachwuchs und schönstes Fell: Was im Zoo Wingst im Winter zu sehen ist

06.02.2026

Trotz klirrender Kälte lockt der Waldzoo in der Wingst (Samtgemeinde Land Hadeln / Kreis Cuxhaven) mit faszinierenden Tierbegegnungen. Von Nachwuchs bis hin zu exotischen Bewohnern der Tropenhäuser bietet der Zoo ein unvergessliches Wintererlebnis.

Es ist klirrend kalt. Dass bei ihm im Büro die Heizung streikt, besorgt den Zoodirektor Dr. Pierre Grothmann nicht und ist ihm ziemlich egal, allerdings versorgt dieselbe Gastherme auch das nebenstehende Affenhaus. Die Tiere, darunter auch ein Jungtier, sollen keine Kälte leiden. Deshalb lässt Grothmann vorsorglich einen Radiator aufstellen und hofft darauf, dass das Ersatzteil für die Gastherme per Express geliefert und zügig eingebaut werden kann.

Lohnt sich im ganzjährig geöffneten Wingster Waldzoo denn überhaupt ein Besuch, wenn draußen winterliche Minustemperaturen herrschen, und können Tiere beobachtet werden? "Ja, die meisten Tiere sind bei uns auch im Winter zu sehen", betont Dr. Grothmann. Es würden zu wechselnden Zeiten kommentierte Fütterungen verschiedener Tierarten angeboten. Erstmals sei in diesem Jahr auch an Wochenenden der Kiosk geöffnet. In der Woche herrscht im Wingster Zoo zurzeit eher Ruhe.

Zoochef Dr. Grothmann mit den handzahmen Frettchen. Foto: Kramp

Grothmann wäre nicht böse, wenn die kalten Tage sich schnell verziehen und der Frühling Einzug hält. Aber, wie es ausschaut, dauert es noch ein wenig. Im Stall sind aber die Vorboten des Lenzes schon angekommen. Die Zwergziegen haben vor kurzem Nachwuchs bekommen und auch zwei Quessant-Lämmer haben das Licht der Welt erblickt. Dabei handelt es sich um eine robuste Schafrasse, die auf einer französischen Atlantikinsel beheimatet ist.

Viele Tiere lassen sich gut beobachten. Im warmen Stall eingekuschelt haben sich die beiden Neuseeland-Schweine. Während das Männchen im Stroh schläft und dabei zufrieden schnarcht, lässt sich die Sau das Heu schmatzend schmecken. Die von den Philippinen stammenden Mähnenschweine haben sich an den europäischen Winter akklimatisiert und tollen im Schnee herum.

Keine Probleme haben die Lamas mit der Kälte. Sobald sich jemand auf ihrer begehbaren Anlage sehen lässt, traben sie in freudiger Erwartung durch den Schnee. Da könnte sich ja Futter in den Taschen befinden …

Die Lamas hoffen auf ein Leckerli von Zoochef Dr. Grothmann. Der Schnee macht ihnen nichts aus. Foto: Kramp

Nur kurz vertreten sich die Erdmännchen im Schnee die Beine. Zu sehen sind sie an diesem Nachmittag zwar nicht, aber ihre Spuren in ihrem Gehege verraten, dass auch sie an der frischen Luft spazieren gehen. Das Stachelschwein trotzt der Kälte, und knabbert draußen genüsslich an frischen Weidenzweigen.

Polarfüchse im Plüschfell

Ohnehin kommen mit den Temperaturen die Tiere in der Taiga-Anlage am besten klar. "Die Polarfüchse zeigen sich jetzt in ihrem schönsten plüschigen Fell", freut sich Zoochef Dr. Grothmann. Im großen Wolfswald läuft zurzeit eine einzige Fähe. Es ist eine in Nordamerika beheimatete Tinderwölfin. Ein Rüde soll ihr demnächst Gesellschaft leisten. Auf der Bärenanlage sind nur noch zwei Wölfe zu sehen. Sie haben ein hohes Alter erreicht, und im Frühjahr werden sie 15 Jahre alt. Mehr als doppelt so alt, nämlich 33 Jahre, werden die drei Braunbärdamen, die allerdings Winterschlaf halten.

Wenn es den Besucherinnen und Besuchern draußen zu kalt ist, können sie sich auf Tierbeobachtung in den beheizten Tropenhäusern begeben. Auch wenn sie vor sich hindösen, sind die beiden Ozelots echte Hingucker. Mittlerweile haben sich Männchen und Weibchen gut aneinander gewöhnt. Vorher mussten sie getrennt werden, mittlerweile leben sie in einem Gehege und der Zoochef hegt die Hoffnung auf Nachwuchs. 

Das Ozelotmännchen chillt im Hängekorb. Foto: Kramp

In den temperierten Tropenhäusern liegt mit den Gürteltieren, Boas, Wickelbären oder Degus, darunter auch zehn Jungtiere, der Fokus auf Tieren aus Südamerika. Hingucker sind auch die Azara-Nachtaffen oder die Nager Azara-Agutis.

Die Nachtaffen haben einen guten Überblick. Foto: Kramp

Baubeginn der Makaken-Anlage ist nach Ostern

Nach Ostern wird eine Baumaßnahme in Angriff genommen, die den Waldzoo Wingst attraktiver für Besucher machen soll. Dort, wo zuvor die Dingos lebten, wird eine begehbare Katta-Anlage gebaut. Die Ausschreibungen seien jetzt draußen, eine Auftragsvergabe soll im März erfolgen. Die damit verbundene Hoffnung: wieder mehr Besucher in die Einrichtung zu locken. Auf die Zahlen im zurückliegenden Jahr blickt der Zoochef überhaupt nicht gern zurück. Nur 86.000 Gäste - rund 10 Prozent weniger - wurden 2025 gezählt. Verantwortlich sei das schlechte Wetter im Juli und Oktober, damit hätten alle Outdoor-Einrichtungen zu kämpfen gehabt.

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