Das Kasernengelände ist in die Jahre gekommen. Vor einiger Zeit schon wurde der Betrieb dort eingestellt. Foto: Reese-Winne
Das Kasernengelände ist in die Jahre gekommen. Vor einiger Zeit schon wurde der Betrieb dort eingestellt. Foto: Reese-Winne
Mögliche Wiederbelebung der Kaserne

"Bräuchte große Portion Idealismus": Kommentar zur Altenwalder Kasernen-Reaktivierung

von Maren Reese-Winne | 21.03.2026

Die mögliche Wiederbelebung des Bundeswehrstandorts Altenwalde sorgt für Diskussionen. Die Kaserne im Cuxhavener Stadtteil könnte reaktiviert werden. Ein Kommentar zur derzeitigen Situation.

Noch sei die Entscheidung nicht gefallen, heißt es, doch was Ministeriums- und Bundeswehrvertreter in dieser Woche auf der Standortschießanlage über die mögliche Wiederbelebung des Bundeswehrstandorts Altenwalde zu sagen hatten, war konkret. Konkreter denn je auf jeden Fall bei der Bewertung der Sicherheitslage. Wenn die Bundeswehr nach Altenwalde zurückkehre, dann nicht etwa zur Förderung der heimischen Wirtschaft oder zum Sandsackschleppen bei der nächsten Sturmflut, hieß es, sondern, um die operationellen Fähigkeiten der Bundeswehr wiederherzustellen und Deutschland verteidigungsfähig zu machen. Die Zeit dränge.

Personelle Aufstockung, neue (freiwillige) Wehrpflicht, Aufbau eines Heimatschutzes, Aktivierung von Reservisten - das sind Bausteine, mit denen die Bundeswehr das erreichen will; verbunden mit einer (auch bei den Marinefliegern in Nordholz sichtbaren) materiellen Aufrüstung - nicht als Kriegstreiberei, sondern zur Friedenssicherung, Überwachung und Abwehr.

Austausch auf der Standortschießanlage Altenwalde: v.l. Ministerpräsident Olaf Lies, Kapitän zur See Christoph Otto Ciliax, Oberbürgermeister Uwe Santjer, Landrat Thorsten Krüger, Jörg Hingott und Oberst Hans-Jürgen Neubauer. Foto: Reese-Winne

Nichts zu tun, kann keine Lösung sein

Es bräuchte schon eine große Portion Idealismus, wenn nicht gar Naivität, um zu glauben, dass andere brav an den Grenzen stehenbleiben, wenn sich Deutschland nicht schleunigst gegen russische Provokationen, die bis zu uns reichenden Kriege in der Ukraine und im Iran und die Folgen weiterer impulsiver Ausbrüche eines vom NATO-Austritt fantasierenden US-Präsidenten wappnet. Die hybride Kriegsführung (Zermürbung durch Sabotage, Drohnenüberflüge, Falschinformationen, Cyberangriffe etc.) hat ohnehin längst begonnen.

Sorgen dürfen nicht weggewischt werden

Irgendwo müssen die Leute für Drohnenerkennung und -abwehr und Heimatschutz aber auch ausgebildet werden. Sollte Altenwalde dafür ausgewählt werden, wird das wahrscheinlich nicht nur Freude erzeugen. Die Angst davor, Ziel militärischer Angriffe zu werden, Sorgen um explodierenden Verkehr oder die Zugänglichkeit der Küstenheiden dürfen nicht einfach weggewischt werden, auch nicht mit dem Hinweis darauf, dass wir eines Tages andere Sorgen haben könnten als die liebgewonnenen Spaziergänge dort.

Nach Jahren des Dornröschenschlafs wird das Altenwalder Kasernengelände jetzt erneut geprüft und wird aus militärischer Sicht als sehr gut geeignet für ein Ausbildungszentrum bewertet. Foto: Reese-Winne

Kompromisse, Transparenz, Ausbau

Sie wollten die Akzeptanz der Cuxhavener Bevölkerung, versicherten die Verantwortlichen am Mittwoch (18. März 2026) vor Vertretern der Ratspolitik. Da fallen mir neben Kompromissen zur Zugänglichkeit der Naherholungsgebiete und generell größtmöglicher Transparenz direkt einige Handlungsfelder ein, angefangen mit der Ortsdurchfahrt Altenwalde: Die im Raum stehenden Zahlen dürfen durchaus die Frage nach einer Ortsumgehung aufwerfen oder zumindest nach anderen Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses, beispielsweise durch den einen oder anderen Kreisel. Nicht ganz unberechtigt ist wohl auch die Hoffnung, dass die Bedürfnisse der Bundeswehr den Bau von Straßen und Brücken auf dem Weg zu ihren Standorten beschleunigen könnten.

Wird die Kaserne reaktiviert, muss über die Ortsdurchfahrt wohl zu sprechen sein. Archivfoto: Reese-Winne

Städtebauliche Fragen nehmen ganz neue Dimensionen an: Was wäre ein sinnvoller Ersatz für die Verwaltungsstelle in der Ortsmitte? Reichen die Kapazitäten in Schulen und Kitas? Wo sollen all die Leute wohnen und bleibt Wohnen erschwinglich? Weitere Attraktionen für junge Familien wären nötig. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Spielscheune?

Was ist mit den Schutzräumen auf dem Gelände?

Nicht zu vergessen die handfeste Frage zum Bevölkerungsschutz: Die Menschen wollen erfahren, was noch von den unterirdischen Schutzräumen im Kasernengelände übrig ist und zugänglich gemacht werden könnte. Und dann noch mal zu den Naturkatastrophen: Auch, wenn die Bundeswehr andere Aufgaben hat, arbeiten dort doch Menschen, die sich erfahrungsgemäß schon immer in Katastrophenschutzverbänden und Vereinen engagiert haben und das Cuxland nicht im Nassen stehen lassen werden. Oder würden; denn bislang ist alles noch Vision.

Die angekündigte Dialogbereitschaft der Verantwortlichen ist in Cuxhaven vernommen worden. Das ist gut, erst recht im Bewusstsein, dass die Meinung der Bevölkerung die Machthaber vieler anderer Nationen herzlich wenig scheren würde.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Maren Reese-Winne
Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Hintergrund

Café Brüning: Wenn manchem die Presse in Otterndorf zu kritisch wird, folgen Lügen

von Frank Lütt

Wegen möglicher Steuerverschwendung von 300.000 Euro in Otterndorf schaltete sich der Bund der Steuerzahler ein. Und nun werden Lügen über ein Mitglied der CNV-Medien-Redaktion verbreitet. Dieser Beitrag widerlegt die Anschuldigungen.

Kommentar nach der Gewalttat

Nach den tödlichen Schüssen in Stade: Der Preis der Sicherheit (Kommentar)

von Bengta Brettschneider

Sechs Fachkräfte wurden in Stade getötet. Nun wird über Schutz und Sicherheit diskutiert. Doch Soziale Arbeit braucht Nähe, Vertrauen und offene Türen. Ein Kommentar darüber, was mehr Sicherheit leisten kann - und welchen Preis sie haben könnte.

"Heimatliebe" und "Patriot"

Sie lieben ihre Heimat nicht: Kommentar zu Straßen-Schmierereien in Ihlienworth

von Egbert Schröder

In einem Schriftzug prangt auf einer Straße in Ihlienworth "Deutschland - Heimatliebe ist kein Verbrechen". NEZ/CN-Redakteur Egbert Schröder hat dazu eine sehr deutliche Meinung in unserer Kommentar-Rubrik.

Pro und Contra

Fortschritt oder unnötige Hürde? Pro & Contra zum neuen Bezahlsystem beim Deichbrand

Das Deichbrand führt erstmals ein vollständig bargeldloses Bezahlsystem ein. Für die einen ist das ein Gewinn an Komfort und Sicherheit, für die anderen eine unnötige Hürde. Zwei Kommentare beleuchten die Vor- und Nachteile des neuen Systems.