Vom hohen Norden bis an die Elbe: Arktis-Entwicklungen mit Folgen für Cuxhaven
Die Arktis wird zum geopolitischen Brennpunkt: Während die EU ihre Beziehungen zu Norwegen, Island und Grönland stärkt, gewinnen deutsche Häfen wie Cuxhaven und Bremerhaven an Bedeutung für Energie, Sicherheit und Forschung.
Traditionell sind die Beziehungen Cuxhavens in Richtung Island, Grönland und Norwegen aufgrund der Verbindungen in der maritimen Wirtschaft eng. Nun rücken die nordischen Staaten noch enger an die Europäische Union heran, was auch für Cuxhaven interessante Perspektiven eröffnet.
Wie der EU-Parlamentarier David McAllister berichtet, bereitet Island bis spätestens 2027 ein Referendum über die Wiederaufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen vor. Währenddessen wächst in Norwegen die Debatte über die Nachteile einer Anbindung an die EU als Mitglied des Binnenmarktes, ohne in Brüssel mitentscheiden zu können. Und nicht zuletzt spricht sich eine Mehrheit der Einwohner Grönlands für eine Rückkehr in die EU aus.
Arktis entwickelt sich zur Schlüsselregion in Sachen Sicherheit, Energieversorgung und Klimapolitik
Das alles geschieht vor dem Hintergrund des geopolitischen Wandels. Die Arktis entwickelt sich zur Schlüsselregion in Sachen Sicherheit, Energieversorgung und Klimapolitik. Zugleich verschärft sich die sicherheitspolitische Lage durch Russlands Auftreten als zunehmend aggressive Militärmacht in der Arktis und die wachsende chinesische Präsenz entlang neuer Seewege. Die EU, so McAllister, reagiere mit dem Schutz kritischer Unterwasserinfrastruktur und einer engeren Abstimmung mit Nato-Partnern. Energieversorgung, Sicherheit und wirtschaftliche Perspektiven seien konkret von dieser Gemengelage betroffen. Und als logistische Knotenpunkte, Standorte maritimer Sicherheit und Anlaufstellen für europäische Infrastrukturprojekte im Nordatlantik erhielten Cuxhaven und Bremerhaven zunehmendes Gewicht.
Arktische Regionen wichtig für deutsche Seehäfen
Der Energiebereich spiele in diesem Zusammenhang eine besonders wichtige Rolle, so McAllister, denn Norwegen sei ein zentraler Pfeiler der europäischen Energieversorgung. Island und Grönland hätten große Potenziale bei Geothermie, Wasserkraft und grünem Wasserstoff. Diese Entwicklungsmöglichkeiten eröffneten gerade für Cuxhaven neue Perspektiven als Standort für die Offshore-Industrie und Wasserstofflogistik.
Darüber hinaus böten Norwegen, Island und Grönland Planungssicherheit für die Fischerei und Lebensmittelwirtschaft in Cuxhaven und Bremerhaven. Arktische Schifffahrtsrouten würden strategisch an Bedeutung gewinnen. "Die Häfen an Elbe und Weser sind prädestiniert, künftig stärker in europäische Energie-, Logistik- und Sicherheitskonzepte im Nordatlantik eingebunden zu werden", so der Vorsitzende des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten im Europaparlament.
Arktis spielt Schlüsselrolle für die Klima- und Meeresforschung
Nicht zuletzt spiele die Arktis eine Schlüsselrolle für die Klima- und Meeresforschung, wovon insbesondere Bremerhaven als international anerkannter Wissenschaftsstandort profitiere. Das Alfred-Wegener-Institut übernehme eine zentrale Funktion bei der Begleitung von Klima-, Umwelt- und Sicherheitsentwicklungen in der Arktis.
Insgesamt deute sich eine strategische Neuordnung der Beziehungen der EU zum hohen Norden an. Dies sei keine abstrakte außenpolitische Debatte, sondern eine Entwicklung mit konkreten wirtschaftlichen, infrastrukturellen und wissenschaftlichen Perspektiven für den Elbe-Weser-Raum, so McAllister.