Das Team der Firma Krethe vor den Geschäftsräumen in Cadenberge. Foto: Drossner
Das Team der Firma Krethe vor den Geschäftsräumen in Cadenberge. Foto: Drossner
Nach fast 50 Jahren

Führungswechsel bei Firma Krethe in Cadenberge: Geschäftsführer verabschiedet sich

07.02.2026

Andreas Wichers verlässt nach 50 Jahren die Firma Krethe mit einem Lächeln, bleibt aber als Berater erhalten. Sein Nachfolger, Jens Schulz, verspricht Kontinuität und Qualität. Ein emotionaler Abschied und ein Neubeginn für das Traditionsunternehmen.

Wenn einer ein halbes Jahrhundert lang jeden Morgen durch dieselbe Werkstatttür geht, dann ist das mehr als nur ein Arbeitsplatz. Es ist ein Stück zu Hause. Für Andreas Wichers ist die Firma Krethe genau das gewesen - und bleibt es auch.

Mit einem feierlichen Festakt, vielen Wegbegleitern, Mitarbeitenden, Freunden, Familie und Vertretern aus Politik und Handwerk wurde der 65-Jährige jetzt nach 50 Dienstjahren in den Ruhestand verabschiedet. Ein Abschied, der eigentlich keiner ist. Denn ganz loslassen kann und will Andreas Wichers nicht: "Ich bleibe ja da", sagt er lächelnd. "Mit Rat und Tat - und mit meinem Netzwerk." Schon dieser Satz beschreibt, was ihn ausmacht: Verlässlichkeit, Bodenständigkeit und eine tiefe Verbundenheit mit "seiner" Firma.

Sein Berufsleben beginnt mit 16

Am 1. August 1976 - einen Tag vor seinem 16. Geburtstag - begann für den jungen Mann aus der Wingst seine Lehre bei der Ernst Krethe GmbH. Ausbildungsmeister Norbert Weislowski brachte ihm das Handwerk von Grund auf bei: Holzfenster, Haustüren, Innenausbau, Montage. "Damals waren wir zehn, zwölf Leute", erinnert sich Wichers. Heute zählt der Betrieb 52 Mitarbeitende. Nach der Lehre 1979 blieb er. Und blieb. Und blieb. Mit Ausnahme der Bundeswehrzeit war er durchgehend im Unternehmen - als Geselle, später als Meister, Planer, Organisator, Verkäufer, Prokurist und schließlich Geschäftsführer. Kaum ein Bereich, den er nicht einmal verantwortet hätte. Typisch für ihn: Als alle anderen Lehrlinge klassische Gesellenstücke bauten, fertigte er eine Holzvitrine. "Ein bisschen anders war ich wohl schon immer", sagt er schmunzelnd.

Vom Handwerker zum Macher im Hintergrund

Sein beruflicher Weg liest sich wie eine Zeitreise durch die Entwicklung des Unternehmens: Er übernahm die Leitung der neuen Fertigungshalle, als Kunststofffenster Einzug hielten. Er baute den Bereich Wintergärten und Terrassenüberdachungen auf. Er machte 1987 seinen Meister in Hildesheim. Aus drei Wochen Urlaubsvertretung im Verkauf wurde eine dauerhafte Verantwortung fürs Büro. Später koordinierte er jahrzehntelang die Montageplanung. 2000 erhielt er Prokura, 2022 wurde er Geschäftsführer.

Geschäftsführer Jens Schulz und Prokuristin Gabriele Dumsch führen das Unternehmen in die Zukunft und freuen sich, weiterhin auf die Erfahrung und das Netzwerk von Andreas Wichers zurückgreifen zu können. Foto: Drossner

"Herr Wichers hat sich über eine außergewöhnlich lange Zeit hinaus um das Unternehmen verdient gemacht - wir haben ihm eine Menge zu verdanken", lobte der im Dezember vergangenen Jahres verstorbene Firmengründer Ernst Krethe seinerzeit seinen treuen Mitarbeiter und beruflichen Wegbegleiter zum 45-jährigen Berufsjubiläum.

Was ihn besonders machte, war weniger ein Titel als seine Haltung. Keine Aufgabe war ihm zu klein. Wenn spontan ein Aufmaß in Hamburg nötig war, stieg er ins Auto. Wenn neue Ideen gefragt waren, packte er an. Sein Credo: erst machen, dann reden.

Krethe - ein Stück Heimat an der B73

Wer durch Cadenberge fährt, kennt das Gelände an der Bundesstraße 73: Ausstellung, Garten, Werkstatt - seit Jahrzehnten ein fester Anlaufpunkt. Schon Firmengründer Ernst Krethe setzte früh auf Sichtbarkeit, Innovation und Qualität. "In kleinen Schritten immer voran", war dessen Motto. Wichers hat diese Philosophie verinnerlicht. Vom Ausbau der Ausstellung über neue Hallen, moderne Maschinenparks bis zur Wintergartenausstellung - er hat jeden Bauabschnitt miterlebt und mitgestaltet. "Dass man die Firma Krethe kennt - und zwar weit über Cadenberge hinaus - das war immer unser Anspruch", sagt er. "Und das soll auch in Zukunft so bleiben."

Eine Feier voller Dankbarkeit

Beim Festakt spürte man schnell: Hier geht einer, der Spuren hinterlassen hat. Andreas Wichers begrüßte die Gäste selbst, dankte den Mitarbeitenden, der Witwe Rita Krethe, vielen Wegbegleitern - und vor allem seiner Familie. Seine Stimme wurde weich, als er von seiner vierjährigen Enkeltochter Josefine sprach. "Auf sie bin ich besonders stolz." Und von seiner 91-jährigen Mutter, zu der er noch heute jeden Tag zum Mittagessen in die Wingst fährt.

Seine Tochter Johanna hielt eine emotionale Rede. Sie sprach von Loyalität, Fleiß und Hilfsbereitschaft - von einem Vater, der "immer am Schaffen und Machen" war. "Ich bin stolz, deine Tochter zu sein."

Auch Cadenberges Bürgermeister Wolfgang Hess und der Wingster Bürgermeister Patrick Pawlowski würdigten sein außerordentliches Engagement für die Region.

Die neue Führungsriege steht bereit

Ganz im Sinne der Kontinuität hat Wichers seinen Nachfolger selbst aufgebaut: Tischlermeister Jens Schulz aus Otterndorf, seit fünf Jahren im Unternehmen, übernimmt die Geschäftsführung. Unterstützt wird er im kaufmännischen Bereich von Gabriele Dumsch und einem motivierten Führungsteam.

Schulz sprach in seiner Grußrede von der "Crème de la Crème des norddeutschen Bauhandwerks", die aus diesem besonderen Anlass in die Geschäftsräume der Firma Krethe gekommen ist - und von großem Respekt vor den Fußstapfen, die Wichers hinterlässt. "Danke für das Vertrauen und dafür, dass du uns weiter zur Seite stehst", sagte er.

Die Herausforderungen seien größer geworden, vor allem die Bürokratie. Doch das Unternehmen sei gut gerüstet. 15 Mitarbeitende kümmern sich inzwischen um Verwaltung und Buchhaltung. Prozesse werden moderner, Strukturen klarer.

"Wir führen den Betrieb in gleicher Kontinuität und Qualität weiter", verspricht Schulz.

Ruhestand? Nicht ganz

Und Wichers selbst? Der freut sich auf mehr Zeit mit seiner Frau Kerstin, seiner Tochter, seinem Schwiegersohn - und natürlich Josefine. Auf Ausritte, Vereinsleben und Pferde. Auf ruhigere Tage.

Aber wer ihn kennt, weiß: Ganz ohne Krethe geht es nicht. "Wenn ihr mich braucht, bin ich da", sagt er. Nach 50 Jahren klingt das nicht wie ein Versprechen. Sondern wie eine Selbstverständlichkeit. Und so geht mit Andreas Wichers zwar ein Stück Firmengeschichte in den Ruhestand - doch sein Geist bleibt: als Haltung, als Vorbild, als Fundament. Oder, wie er es selbst formuliert: "Es war einfach eine richtig schöne Zeit."

Mit Blick auf die Zukunft öffnet die Ernst Krethe GmbH am 12. April 2026 ihre Türen für die Öffentlichkeit. Beim Tag der offenen Tür können Besucher das Unternehmen, das Team und die Arbeit aus nächster Nähe kennenlernen. (rd)

Stolz und Dankbarkeit: Johanna richtet persönliche Worte an ihren Vater. Foto: Drossner

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