Henning Porth während seiner Verabschiedung im Stadeum: „Die Arbeit war mein Ding.“ Foto: Struwe
Henning Porth während seiner Verabschiedung im Stadeum: „Die Arbeit war mein Ding.“ Foto: Struwe
"Hart, aber fair"

Nach 27 Jahren Volksbank Stade-Cuxhaven: Vorstand Henning Porth verabschiedet sich

25.11.2024

27 Jahre lang war Henning Porth an entscheidender Stelle bei der Volksbank Stade-Cuxhaven beschäftigt. Jetzt hat er Abschied gefeiert - nach einem sehr bewegten Berufsleben.

Dieser Mann hat vieles erlebt als Banker: die deutsche Wiedervereinigung, die Fusion mit der Volksbank Cuxhaven, die Umstellung auf den Euro, das Desaster um die Finanzkrise, die Digitalisierung, eine Null-Zins-Phase mit anschließend steil steigenden Zinsen und aktuell eine unsichere Lage der Wirtschaft. Die, sagte Henning Porth während seiner Abschiedsfeier, habe bereits den Mittelstand in der Region erfasst.

Stehende Ovationen für Henning Porth im Stadeum

260 "handverlesene Gäste", wie er es bezeichnete, hatte der scheidende Vorstandssprecher ins festlich geschmückte Stadeum eingeladen. Es gab Wein und Kabarett, Roastbeef und Reden. Das Who-is-who aus Wirtschaft und Politik war gekommen, um einen Mann - am Ende mit stehenden Ovationen - gebührend zu feiern, der die Geschicke der Bank über Jahre lenkte. Mit Erfolg.

Als der Stader Geschäftsstellenleiter Henning Porth vor 25 Jahren in den Volksbank-Vorstand berufen wurde, lag die Bilanzsumme bei 300 Millionen Euro, heute sind es mehr als 1,9 Milliarden Euro. Das Eigenkapital der Genossenschaftsbank wuchs von 17 auf 211 Millionen. Das ist eine beachtliche Bilanz, die Axel Lohse als Aufsichtsratsvorsitzender und langjähriger Wegbegleiter während der Feier im Stadeum zog.

Keine Lehmann-Papiere aus den USA

Für Lohse auch wichtig: Die Volksbank hat in der Ära Porth kaum Kreditausfälle zu verzeichnen. Da zahlt sich Porths Bodenständigkeit und Vorsicht aus: Von den eine hohe Rendite versprechenden Lehmann-Papieren und Co. aus den USA ließ er die Finger. Keine Experimente, gab er damals als Leitsatz aus, heute sagt er: "Wir haben keine Dummheiten gemacht." Solidität hatte Vorrang.

Eine gute Entscheidung, die er nicht allein fällte, sondern in den ersten Jahren mit seinem Vorstandskollegen Reinhard Dunker und die letzten Jahre mit Ulrich Sievert. Sein Nachfolger im Vorstand steht auch schon fest: Ab 1. Januar 2025 hat diesen Job Daniel Hollung inne. Die Volksbank reicht von Buxtehude bis Helgoland, hat heute noch 11 von den einst 24 Geschäftsstellen.

Lob vom Kollegen: Ein fürsorglicher Chef

Die guten Zahlen sind das eine, die Rolle als Chef eine andere Facette der Vorstandstätigkeit. Ulrich Sievert beschrieb seinen Kollegen als außergewöhnliche Führungspersönlichkeit und fürsorglichen Chef, dem Gleichberechtigung und flexible Arbeitszeitmodelle am Herzen liegen. Und wie würde sich der Hochgelobte selbst beschreiben?

Im Gespräch denkt Porth kurz nach, dann huscht ein Lächeln über sein Gesicht: "Hart, aber fair." Das gilt für ihn nicht nur im Berufsleben, sondern das galt auch bei seiner großen Leidenschaft, dem Fußball. Lange Jahre kickte er für die SV Drochtersen/Assel in der Jugend und bei den 1. Herren. Porth ist HSV-Dauerkartenbesitzer und kann als Inhaber einer Trainerlizenz auch minutiös ausführen, warum es bei den Zweitliga-Fußballern derzeit nicht läuft. Porth gilt als Vater der Jugendspielgemeinschaft zwischen den einst verfeindeten TuS Güldenstern und VfL Stade. Die wiederum war ein Wegbereiter für die spätere Fusion beider Stadtvereine. Die Volksbank unterstützt den Sport und die Kultur in der Region großzügig, auch das gehört - wie der Kauf von Villa Kaisereichen in Stade mit kleinem Museum - zum Vermächtnis von Henning Porth.

Volksbank-Vorstand Porth zeigt klare Kante

Porth gehört nicht zu denen, die im Scheinwerferlicht stehen, die als Lautsprecher auf sich aufmerksam machen müssen. Er arbeitet seinen Job ab, eher still, sehr beharrlich, menschlich verlässlich und mit klarer Kante. Porth ist einer, für den der Handschlag oder das gesprochene Wort gilt.

Was er nicht leiden kann: Unzuverlässigkeit, Lug und Betrug. Was ihn auch ärgert: fehlendes Fachwissen bei politischen Entscheidungsträgern und die gerade im Finanzwesen überbordenden Auflagen. Henning Porth sagt: "Wir saufen ab in Bürokratie."

Am 20. Dezember ist sein letzter Arbeitstag.

Von Lars Strüning

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