Zu lange Planungszeiten, zu viele Einspruchsmöglichkeiten, zu komplizierte gesetzliche Regelungen: Die Windenergiebranche hofft auf einen kräftigen Schub, damit der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht ins Stocken gerät. Foto: Schröder
Zu lange Planungszeiten, zu viele Einspruchsmöglichkeiten, zu komplizierte gesetzliche Regelungen: Die Windenergiebranche hofft auf einen kräftigen Schub, damit der Ausbau der erneuerbaren Energien nicht ins Stocken gerät. Foto: Schröder
Erneuerbare Energien

Sechs Windenergieanlagen auf dem Kugelbake-Leitdamm vor Cuxhaven? Warum denn nicht?

von Ulrich Rohde | 24.09.2024

Es sei vor allem die Bürokratie, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien lähmt, sagt Uwe Leonhardt, Vorsitzender des BWE-Regionalverbandes. Die mittelständischen Windmüller trafen sich im Havenhostel, um mit Experten und der Politik zu diskutieren.

"Wir brauchen einfache, klare Regeln", so Leonhardt. Die Gesetze seien teilweise zu kompliziert. Einspruchsmöglichkeiten müssten ebenso reformiert werden wie das Baugesetzbuch, der Artenschutz und die Baumschutzverordnung. "Der Rahmen muss stimmen", so Leonhardt. Die Gesellschaft benötige eine langfristig funktionierende Energieversorgung aus den Erneuerbaren. Wer heute noch auf fossile Energiequellen setze, habe verloren.

"Unser Ziel muss es sein, der Industrie Auftrieb zu geben und nicht zu deindustrialisieren"

"Wir haben uns als Gesellschaft für die Erneuerbaren entschieden", so Silke Weyburg vom Landesverband Erneuerbare Energien (LEE). "Nun müssen wir uns bei der Umsetzung auch ins Gelingen verlieben." Die "Renewables" seien ein deutscher Markenkern geworden. Dabei gelte es auch, die deutsche Wirtschaft ausreichend und kostengünstig mit regenerativer Energie zu versorgen. "Unser Ziel muss es sein, der Industrie Auftrieb zu geben und nicht zu deindustrialisieren."

Energieversorger betreiben Engpassmanagement

Die Gretchenfrage lautet, wie der mit Wind oder Solarenergie erzeugte Strom ins Netz und zu den Verbrauchern gelangt. Dr. Ulrich vom Felde von der EWE Netz machte deutlich, dass derzeit in der Elbe-Weser-Ems-Region dreimal so viel an Energiemenge eingespeist als verbraucht werde. Alles sei eine Frage der Verteilung und des Ausbaus der Verteilnetze. Im Bereich der EWE stamme 108 Prozent der Energiemenge aus den Erneuerbaren. Einspeisung und Verbrauch müssten besser gesteuert werden. Derzeit betreibe man Engpassmanagement. Betrachte man, dass sich die Leistung in den nächsten zehn Jahren noch verdopple, werde die Notwendigkeit eines längerfristigen Netzausbauplans offensichtlich. Bis 2045 sollen die Engpässe beseitigt werden. Das Geschehen sei - sowohl bei den regionalen Versorgern als auch bei den Betreibern der großen Übertragungsnetze - äußerst dynamisch.

"Gute Bedingungen, günstig Strom zu produzieren"

In der anschließenden Diskussion mit dem Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundeswirtschaftsminister, Stefan Wenzel (Grüne), dem CDU-Bundestagsabgeordneten Enak Ferlemann, dem SPD-Politiker Gunnar Wegener und dem Baudezernenten Andreas Eickmann ging es in erster Linie um die konkrete Umsetzung der Energiewende in der Region. Dabei plädierte Enak Ferlemann dafür, die Großverbraucher an der Unterelbe mit den Energieerzeugern zu verbinden. Die Schaffung einer Modellregion biete große Chancen. "Wir haben im Norden gute Bedingungen, um sehr günstig Strom zu produzieren", bestätigte Stefan Wenzel. Das Alleinstellungsmerkmal des Offshore-Industriezentrums in Cuxhaven verstärke diese Position.

"Die Transformation der Wirtschaft ist überlebenswichtig"

Für die Zusammenarbeit aller Demokraten bei der Umsetzung der Energiewende plädierte Gunnar Wegener. "Die Transformation der Wirtschaft ist überlebenswichtig." Dazu forderte er mehr Mut und Entschlossenheit. "Wir müssen machen und nicht erst die Klagen abwarten." Und wenn es rechtlich möglich sei, solle man durchaus über vier bis sechs Pilot-Windkraftanlagen mit großen Turbinen auf dem Kugelbake-Leitdamm oder auf einer Energieinsel in der Elb-Mündung sowie deren Verknüpfung mit der Erzeugung von grünem Wasserstoff nachdenken.

"Wir brauchen mehr Handlungsfreiheit"

Andreas Eickmann betonte, dass seine Behörde bei der Stadt Cuxhaven Vorhaben dann genehmige, wenn alle Seiten zusammenarbeiten. "Die Verwaltung kann zügig entscheiden, wenn die Politik ihr den Rücken stärkt. Wir sind nicht interessengesteuert unterwegs, sondern wenden Recht an." Allerdings wünsche er sich als Vertreter der Kommunalverwaltung mehr "Beinfreiheit". "Wir brauchen mehr Handlungsfreiheit und müssen weg von der Kleinteiligkeit."

Uwe Leonhardt (BWE) diskutierte mit Enak Ferlemann (CDU), Stefan Wenzel (Grüne), Gunnar Wegener (SPD) und Cuxhavens Baudezernent Andreas Eickmann. Foto: Rohde

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Ulrich Rohde

Redaktionsleiter
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

rohde@no-spamcnv-medien.de

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