Ein NH90 „Sea Lion“ der Nordholzer Marineflieger. Neue Wartungshallen für die Instandhaltung sind im Industriegebiet Wanhöden neben dem Stützpunkt geplant; General Atomics Europe hat sich dort eine Fläche gesichert. Foto: Heike Leuschner
Ein NH90 „Sea Lion“ der Nordholzer Marineflieger. Neue Wartungshallen für die Instandhaltung sind im Industriegebiet Wanhöden neben dem Stützpunkt geplant; General Atomics Europe hat sich dort eine Fläche gesichert. Foto: Heike Leuschner
Regional langfristiges Wachstum

⁠Unternehmen zieht nach: Weitere Investitionen in den Marinefliegerstandort Nordholz

16.07.2026

Der strategische Wert des Flugplatzes an der Nordsee steigt weiter. Nachdem bereits 400 Millionen Euro für den militärischen Teil bestätigt sind, zieht ein Unternehmen nach und bestätigt sein weiteres Engagement im benachbarten Industriegebiet.

Nach Airbus will sich mit General Atomics Europe ein weiterer bedeutender Rüstungs- und Luftfahrtkonzern im Industriegebiet Wanhöden in der Gemeinde Wurster Nordseeküste ansiedeln. Hintergrund ist der geplante Ausbau des Marinefliegerstandorts Nordholz: Dort sollen bis 2030 nahezu 50 NH90-Hubschrauber der Typen Sea Lion und Sea Tiger sowie acht Seefernaufklärer vom Typ P-8A Poseidon stationiert werden.

Mit der Verlegung wächst auch der Bedarf an Wartung und Instandhaltung erheblich. Bereits in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass die Unterstützung aus der Industrie vor Ort für die Nordholzer Marineflieger unerlässlich ist. Zwar entstehen auch auf dem Gelände des Marinefliegergeschwaders weitere Hallen und Werkstätten für die neuen Luftfahrzeuge. Weiterhin sollen jedoch auch auf dem benachbarten Industriegebiet mit direkter Flughafenanbindung zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. "Mit der Investition in Nordholz entwickeln wir unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Bundeswehr konsequent weiter", kommentiert Harald Robl, CEO der General Atomics Europe GmbH, die geplante Investition.

Als Gemeindebürgermeister Jörg-Andreas Sagemühl Ende 2024 berichtete, die Nachfrage nach Baugrundstücken im Industriegebiet Wanhöden am Zivilflughafen Cuxhaven/Nordholz habe deutlich zugenommen, gab es keine Zweifel daran, dass das Gewerbegebiet bei Herstellern von Militärgerät vor allem wegen des Ukraine-Kriegs und der zunehmenden weltpolitischen Spannungen an Bedeutung gewonnen hatte.

Ende 2025 gab Airbus als erstes Unternehmen bekannt, im Industriegebiet Wanhöden bis 2028 einen eigenen Wartungshangar zu errichten und die Marine mit über 100 Mitarbeitern bei der Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft unterstützen zu wollen.

Nun folgt General Atomics Europe. Das Unternehmen will seine Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten für Luftfahrtsysteme ausbauen und die dafür erforderliche Infrastruktur bereitstellen. Außerdem sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, künftig das unbemannte Luftfahrzeugsystem MQ-9B SeaGuardian der Deutschen Marine technisch unterstützen zu können.

General Atomics Europe kauft 40.000 Quadratmeter Gewerbefläche

Ein Meilenstein für das Vorhaben ist gerade erreicht: General Atomics Europe hat ein rund 40.000 Quadratmeter großes Grundstück mit direkter Flughafenanbindung gleich neben dem Marinefliegerstützpunkt Nordholz erworben. Betreiber des Standorts soll künftig die General Atomics AeroTec Systems GmbH sein, die eng mit der US-amerikanischen General Atomics Aeronautik Systems, Inc. zusammenarbeitet.

General Atomics AeroTec Systems GmbH ist Hersteller der Do228, die auch von dem Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin" in Nordholz für das Havariekommando im zivilen Auftrag zur Ölüberwachung auf See geflogen wird. Foto: Havariekommando/Fabian Wilking

Der deutsche Flugzeughersteller General Atomics AeroTec Systems ist Originalhersteller der Do228, die weltweit für besondere Missionen sowie Passagier- und Frachttransport genutzt wird und auch in Nordholz bei der Ölaufklärung über Nord- und Ostsee zum Einsatz kommt. Am Standort Oberpfaffenhofen entwickelt und produziert das Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitenden die neue Do228 NXT und ist in der Wartung und Instandhaltung der Do228 sowie von militärischen Helikoptern aktiv.

Ferner besitzt General Atomics AeroTec Systems die begehrte DEMAR-145-Zertifizierung des Luftfahrtamtes der Bundeswehr. Als ein solchermaßen zugelassener Instandhaltungsbetrieb ist das Unternehmen für die sogenannte Base Maintenance - also die großen, planmäßigen Werftaufenthalte und Tiefeninstandhaltungen - an den NH90-Transporthubschraubern von Marine und Heer verantwortlich.

Die DEMAR-Zertifizierung ist das militärische Gegenstück zu zivilen Luftfahrtzulassungen. Das Akronym steht für "deutsche militärische airworthiness requirements", was so viel bedeutet wie deutsche militärische Lufttüchtigkeitsforderungen.

Investition als Teil einer langfristigen Wachstumsstrategie

"Mit der Investition in Nordholz entwickeln wir unsere langjährige Zusammenarbeit mit der Bundeswehr konsequent weiter", betont Harald Robl, CEO der General Atomics Europe GmbH. "Der neue Standort ergänzt unsere bestehenden Fähigkeiten in Deutschland und schafft die Grundlage dafür, die Bundeswehr auch künftig mit leistungsfähigen Wartungs- und Instandhaltungsleistungen zu unterstützen." Die Investition in Nordholz sei Teil der langfristigen Wachstumsstrategie von General Atomics Europe.

Nach Auskunft von Jörg-Andreas Sagemühl, Bürgermeister der Gemeinde Wurster Nordseeküste, war die Vorfelderweiterung bis zum Industriegebiet eine wichtige Voraussetzung für den Kauf des Gewerbegrundstücks. "Diese besondere Anbindung hat dazu geführt, dass die Vertragsverhandlungen länger gedauert haben, als wenn wir nur ein Grundstück verkauft hätten", sagte Sagemühl.

Gemeinde: Koexistenz von Industrie und Deichbrand

"Es geht jetzt wirklich gut voran. Wir freuen uns, müssen aber auch endlich mal Nägel mit Köpfen machen", bilanziert der Bürgermeister mit Blick auf die geplante Erschließung eines weiteren Teils der Industrieflächen Wanhöden.

Neben der Industrie werden laut Sagemühl auch die Veranstalter des Deichbrand-Festivals in die Pläne einbezogen, da im Bereich des erschlossenen Gewerbegebiets wichtige Fluchtwege für das Open-Air-Festival mit bis zu 60.000 Besuchern verlaufen. Ziel der Gemeinde ist es, die Interessen des Festivals und der Industriebetriebe so aufeinander abzustimmen, dass eine dauerhafte Koexistenz möglich bleibt.

Von Heike Leuschner

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