Die Volksbank-Turbulenzen und die Auswirkungen auf Cuxhavens Alten Fischereihafen
Die Krise bei der Volksbank Brawo wirft Fragen bis nach Cuxhaven auf. Schließlich ist deren Immobilientochter am Umbau des Alten Fischereihafens beteiligt. Welche Folgen die Entwicklungen für das Millionenprojekt haben könnten.
Braunschweig liegt knapp drei Autostunden von Cuxhaven entfernt. Ausläufer eines Bebens, das gegenwärtig die dortige Volksbank erschüttert, könnten theoretisch aber auch an der Elbmündung zu spüren sein. Das liegt an Genossenschaftsstrukturen, ganz konkret aber auch an einem Netz an Beteiligungen. Letzteres reicht bis in den Alten Fischereihafen, der gegenwärtig aufwändig saniert wird. Ungeachtet der Meldungen aus dem Binnenland bleiben die Projektbetreiber vor Ort gelassen.
Der Name, der aktuell Schlagzeilen schreibt, setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Ortsnamen zusammen: "Brawo" steht für die Städte Braunschweig und Wolfsburg; die Wortschöpfung bildet zudem eine Dachmarke für die Immobilienaktivitäten der ortsansässigen Volksbank. Unter dieser Marke läuft auch eine Beteiligung am Vorhaben Alter Fischereihafen oder besser gesagt: an der in Cuxhaven hinlänglichen AFH GmbH. Die Brawo Real Estate (vormals: Blueorange) ist seit Ende 2022 gleichberechtigter Partner neben der Plambeck Holding GmbH, ihr Einstieg trug dazu bei, das Mammutprojekt auf die Erfolgsspur zu bringen.
AFH GmbH: "Projekt ist durchfinanziert"
Wie gefährlich ist vor diesem Hintergrund die aktuelle Schieflage der Volksbank Brawo? Was bedeuten interne Untersuchungen für den Baufortschritt im Alten Fischereihafen?

Jörg Staiger, Geschäftsführer der AFH Alter Fischereihafen Cuxhaven GmbH, reagierte entspannt auf Nachfrage von cnv-medien.de zu möglichen Auswirkungen auf den Fortgang des Vorhabens. Bisher habe der Wirbel um die Braunschweiger Volksbank und ihre hundertprozentige Tochter Brawo Real Estate keine negativen Konsequenzen gehabt. Staiger rechnet damit, dass das so bleibt. "Das Projekt ist ja durchfinanziert", gab er in einem Telefonat mit der CN/NEZ-Redaktion zu bedenken - und sprach von unabhängigen Partnern unter den Geldgebern. Damit ist gemeint, dass die Planer beim Umbau der früheren Fischhallen V und VI nicht nur auf Eigenmittel zugreifen können. Fremdkapital stellen Berichten zufolge unter anderem die Weser-Elbe Sparkasse und die Stadtsparkasse Cuxhaven zur Verfügung. Die Volksbank Stade-Cuxhaven soll ebenfalls eingebunden sein.
Das Projekt gehe voran, bekräftigte AFH-Geschäftsführer Staiger. Er sprach davon, dass die Flächen vor den Hallen V und VI inzwischen geräumt seien. Gerüste, die derzeit noch an den Fassaden zu sehen sind, würden abgebaut. Im weiteren Verlauf der Arbeiten sollen dann Fundamente für jene Vorbauten gelegt werden, die entlang der historischen Hallen auf der dem Hafenbecken zugewandten Seite entstehen.

Auf einer Webseite der Brawo sind diese aus Stahl und Glas bestehenden Konstruktionen gut zu erkennen. Im Text darunter ist von der angestrebten Aufenthaltsqualität an der künftigen Hafenpromenade die Rede; als "Vision" beschreibt Brawo das am Hafenende vorgesehene "Tor zur Welt", einen gläsernen Hotelkomplex, der nach Vorstellung der Projektierer die Hafenausfahrt überspannen könnte.
Engagement ist eine von 400 Beteiligungen
Staiger bestätigte, dass das Engagement der Volksbank-Tochter in Cuxhaven unter die circa 400 Projektbeteiligungen fällt, die in Braunschweig hausintern unter die Lupe genommen werden. Vorstandssprecher Lars Berkefeld, der interimsweise die Gesamtleitung der Volksbank Brawo übernommen hat, kündigte kürzlich eine Überprüfung der Geschäftsstrategie an. Dabei sprach Berkefeld davon, Strukturen, die durch die Vielzahl jener Beteiligungen entstanden sind, zu "verschlanken". Eine Antwort auf eine Anfrage, ob eine derartige Kur unmittelbare Folgen für das Cuxhavener Projekt haben könnte, liegt seitens der Brawo bislang nicht vor. Jörg Staiger wies darauf hin, dass sich aus einer Überprüfung nicht per se negative Konsequenzen ableiten lassen. Man mache sich diesbezüglich zurzeit keine übertriebenen Gedanken.
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