Banken im Wandel: Wie sich die Weser-Elbe-Sparkasse gegen den digitalen Trend stemmt
Der Vormarsch digitaler Medien macht auch vor den Kreditinstituten nicht Halt. Die Mehrzahl der Bankkunden nutzt heute Internet-Banking oder mobile Apps. Die Folge: Ausgedünnte Filialnetze. Die Weser-Elbe-Sparkasse will nun einen anderen Weg gehen.
Nach einer Statistik der Deutschen Bundesbank ist nur rund ein Drittel der Bankfilialen, die es vor knapp 30 Jahren noch gegeben hat, übrig geblieben. Die Corona-Pandemie hat die stetig wachsende Nutzung von Medien, ob Telefon oder Onlinebanking, noch beschleunigt. Auch an der Weser-Elbe-Sparkasse ist dieser unaufhaltsam scheinende Trend nicht vorübergegangen. Aber sie will dem nun etwas entgegen setzen.
Investitionspaket über 15 Millionen Euro
"Der Rückgang ist drastisch", bestätigt Wespa-Vorstandsvorsitzender Rolf Sünderbruch, und er habe natürlich damit zu tun, dass die Filialen der Kreditinstitute immer seltener besucht würden. Die Konsequenz dürfe aber nicht sein, das Filialnetz weiter auszudünnen, sondern die Geschäftsstellen in der Wespa-Region zu stärken, um sie attraktiver für die Kunden zu machen. Dafür hat sich der Vorstand vom Verwaltungsrat in der vorigen Woche die Genehmigung für ein Investitionspaket über 15 Millionen Euro geholt. Im Zeitraum von drei Jahren sollen mehrere Geschäftsstellen modernisiert werden, um sowohl ihre räumliche Attraktivität zu verbessern, als auch ihre Beratungskompetenz zu steigern.
Regionalität, Eigenständigkeit und Kompetenz
Am Beispiel der Otterndorfer Geschäftsstelle könne bereits betrachtet werden, wie das Ganze funktionieren soll. Die Geschäftsstelle an der Cuxhavener Straße ist aufwendig saniert worden. Seit März 2023 wird dort ein Konzept umgesetzt, das Regionalität, Eigenständigkeit und Kompetenz bündelt. "Das Team dort agiert nicht als Filiale, sondern eigenständig und weitgehend unabhängig von der Zentrale für ihr Geschäftsgebiet", erläutert Bernd Meenzen, Wespa-Generalbevollmächtigter und zuständig für das Filialnetz. Prinzipiell können alle Kundengruppen in Otterndorf alle Leistungen erhalten, die auch in der Bremerhavener Zentrale angeboten werden. Die Verstärkung der Identität der Otterndorfer Geschäftsstelle habe auch wirtschaftlich funktioniert, so Sünderbruch.
Konzept wird an sechs Standorten umgesetzt
"Deshalb wollen wir das Konzept auf das gesamte Geschäftsgebiet der Wespa ausdehnen", sagt der Vorstandschef. Es werde in den kommenden drei Jahren an sechs weiteren Standorten umgesetzt. Dazu werden die Filialen umgebaut, die Technik erweitert und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter qualifiziert. Eine der Geschäftsstellen, die in das Programm einbezogen werden, ist die Sparkassen-Filiale im Hemmoorer Zentrum, eine der modernsten in der Region. Weitere Standorte, die mit mehr Kompetenz ausgestattet werden sollen, befinden sich in Bremerhaven, Geestland-Langen, Loxstedt und Hagen.
Keine Filiale schließen
"Das bedeutet aber nicht, dass wir die übrigen Filialen schließen", betont Rolf Sünderbruch. Allerdings müsse man an Orten, wo ohnehin schon sehr wenig Kundenverkehr zu registrieren sei, nachschärfen. So wird die Lamstedter Wespa-Filiale, die nur einmal pro Woche geöffnet ist, ab 15. November in einen Geld-Automatenstandort umgewandelt. In Hemmoor-Basbeck wird der Geldautomat abgebaut, da hier die Zahl der Transaktionen kaum nennenswert sei. Er befindet sich in Zentrumsnähe.
Banking per App ist heute die Regel, nicht die Ausnahme
16 Filialen zählt die Weser-Elbe-Sparkasse derzeit und 14-Selbstbedienungsstandorte. Etwa 150 Geldautomaten sind über das Geschäftsgebiet verteilt. "An unserem Auftrag, die Bevölkerung zu versorgen, werden wir nicht rütteln", bekräftigt Rolf Sünderbruch. Aber an der Tatsache, dass gut 70 Prozent der Kunden die Sparkassen-App auf ihren mobilen Endgeräten oder die Internet-Filiale nutzen, komme man eben auch nicht vorbei "Die Zahl der Nutzer der mobilen App wächst jedes Jahr um 5000 bis 6000 Teilnehmer", so Sünderbruch.
Kundenbindung durch qualifizierte Beratung
Deshalb gehe es bei dem Modernisierungs- und Qualifizierungskonzept auch nicht darum, zu versuchen den Trend komplett umzudrehen. "Wir werden die Besuchsfrequenz in den Geschäftsstellen nicht signifikant steigern. Sie wird tendenziell weiter sinken", glaubt Sünderbruch. "Aber wir wollen die Kundenbindung durch die qualifizierte Beratung in den Geschäftsstellen vor Ort stärken und damit die Möglichkeit eröffnen, vor wichtigen Entscheidungen Gespräche in der Sparkasse in der Nähe zu führen."
