Zum Jahrestag der Invasion: Ukrainer für stärkere Sanktionen gegen Russland
Bei strömendem Regen haben sich am Sonntag circa 50 Menschen in Cuxhavens Stadtzentrum versammelt. Sie demonstrierten gegen den seit vier Jhren andauernden Angriffskrieg.
Kurz vor dem Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine haben Menschen in Cuxhaven der Opfer des seit vier Jahren andauernden Krieges gedacht. Bei einer Kundgebung auf dem Kaemmererplatz und einem sich anschließenden Demonstrationszug in Richtung Martinskirche baten sie um Solidarität und um Unterstützung gegen die vom Kreml geschickten Invasoren.
Der Konflikt sei kein alleiniges Problem der Ukraine, er gehe auch die Partner in einem freiheitlich denkenden Europa an, hieß es während der Veranstaltung, an der sich circa 50 Personen beteiligten. "Natürlich sind Sie als Ukrainer am meisten betroffen, aber uns betrifft dieser Krieg auch": Cuxhavens Ratsvorsitzender Michael Stobbe wandte sich am Sonntag mit einem Grußwort an die im Stadtzentrum versammelten Kundgebungsteilnehmer. Er sprach von erschütternden Bildern, die über die Bildschirme in heimische Wohnzimmer gelangen und erwähnte dabei zerstörte Infrastruktur und das Schicksal von Zivilisten, die ohne Trinkwasser oder ohne Heizung im Kriegsgebiet ausharren.
"Starkes Europa" als Antwort
Nach Stobbes Worten erschöpfen sich die Reaktionen auf diese Bilder nicht nur in Mitgefühl. "Sie sehen, wie sich die Politik in Deutschland ändert. Wir reden von Verteidigungsfähigkeit, wir stocken die Bundeswehr auf", sagte der Ratsvorsitzende und sprach dabei auch die Diskussion um die Reaktivierung der Altenwalder Kaserne an. Nur mit einem starken Europa könne dieser Krieg beendet werden. "Anders kriegen wir das nicht hin."
Oleg Maksymenko, Initiator der Veranstaltung (und seit mehr als zwei Jahrzehnten in Deutschland zu Hause), übersetzte Teile der Rede ins Ukrainische. Seine auf dem "Butt" versammelten Landsleute trotzten, teils in blau-gelbe Fahnen gehüllt, den auf den Platz niedergehenden Schauern. Das Wetter entspreche der Gemütslage, hatte es schon zum Auftakt der Kundgebung geheißen - noch bevor Maksymenko an das Budapester Memorandum erinnerte. Im Zuge des aus dem Jahr 1994 stammenden Abkommens hatte die Ukraine ihr Atomwaffenarsenal aufgegeben und im Gegenzug von Russland, den USA und Großbritannien ihre territoriale Souveränität zugesichert bekommen.
Flüchtlinge dürfen sich hierzulande "aufgenommen fühlen"
"Es geht nun um die Glaubwürdigkeit dieser Zusagen", erklärte der Organisator der Kundgebung an die westlichen Partner gerichtet. Maksymenko sprach sich dafür aus, dem russischen Aggressor mit Sanktionen, "die tatsächlich Wirkung zeigen", zu begegnen. Er forderte ferner, die russische Föderation vom internationalen Zahlungsverkehr auszuschließen und russische Vermögenswerte konsequent einzufrieren. Er sprach auch von Reparationen: Russland solle für das Ausmaß seiner militärisch angerichteten Zerstörung bezahlen.
Maksymenkos Dank galt am Sonntag der Bundesrepublik beziehungsweise der deutschen Bevölkerung. In deren Namen betonte Michael Stobbe, dass Ukrainerinnen und Ukrainer sich in Deutschland aufgenommen fühlen dürften. "Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass wir bald diesen Krieg beenden können", so der Ratsvorsitzende.