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Drittes Gleis nach Hamburg...

100 Jahre Steubenhöft

20.02.2013 Zuletzt aktualisiert: 24.06.2022 11:17 Uhr

CUXHAVEN. Natürlich ist es sinnlos, darüber zu grübeln, wie sich Cuxhaven entwickelt hätte, wenn nicht der Erste und der Zweite Weltkrieg „dazwischengekommen“ wären. „Mit Sicherheit hätten wir ein drittes Gleis nach Harburg gehabt“, behauptet Horst Koperschmidt, der sich intensiv mit der Geschichte des Steubenhöfts beschäftigt.

Zusammen mit dem Vorstand des Fördervereins bereitet er eine Ausstellung und einen Kalender für das kommende Jahr vor. Titel: „100 Jahre Steubenhöft“. Das runde Jubiläum im kommenden Jahr soll gebührend gefeiert und beleuchtet werden. Schließlich ist das Steubenhöft nicht irgendein Passagierschiffsanleger. Die Anlage galt bei ihrer Inbetriebnahme im Jahre 1914 durch die Reederei Hapag als die größte Passagierschiffpier der Welt mit einer Länge von 400 Meter.

So unspektakulär wie das Ensemble sich heute präsentiert, so glanzvoll und wirkte es in seiner Gründerzeit. Das Elbfahrwasser konnte die großen Ozean-Steamer beladen mit einem Tiefgang von über zehn Meter schwer aufnehmen. Deshalb und wegen Zeitersparnis war die Hapag gezwungen mit ihrer Abfertigungsanlage nach Cuxhaven auszuweichen. Selbstverständlich wurde das Landungshöft nicht in einem Schritt gebaut, sondern abschnittsweise.

In Vorbereitung auf das Jubiläum schaut sich Koperschmidt auch im Stadtarchiv um. Aus alten Zeitungsbänden zieht er Informationen für die geplante Festschrift und Ausstellung. Seinen Recherchen nach war das erste Schiff am verlängerten Höft, das damals noch „Neue Liebe“ hieß, die „Pretoria“, am 25. Oktober 1913. Voll ausgebaut stellte sich die Anlage dann bei der ersten Abfahrt der „Imperator“ nach New York am 11. März 1914 dar.

Das Schiff hatte während seiner Transatlantikreisen insgesamt fast 6000 Menschen an Bord. Die Ausrüstung mit Kohlen, Lebensmittel und allem, was auf der langen Reise benötigt wurde, stellte, für Cuxhaven eine enorme Herausforderung dar. Während des Jahres 1913 erfolgten die Abfahrten des 276 Meter langen Schiffes noch von Altenbruch Reede aus. Die Passagiere wurden mit Tenderschiffen auf die Reede gebracht. Wie groß der logistische Aufwand damals war, um ein Schiff dieser Größenordnung abzufertigen, zeigt auch die Zahl der eingesetzten Sonderzüge. Allein für die Anfahrt oder Abfahrt der Kajütspassagiere waren bis zu acht Schnellzüge erforderlich, die die bereits zweigleisig ausgebaute Strecke derartig belastet hatten, dass der Verkehr der regelmäßigen Personenzüge außerordentlich beeinträchtigt wurde. Weil die Sonderzüge der Hapag Vorrang hatten, kam es auf der Strecke Cuxhaven-Stade-Harburg zu erheblichen Verspätungen. Die Bevölkerung wollte sich das nicht bieten lassen und protestierte. Daraufhin hatte „Königlich-Preußische Eisenbahndirektion Altona“ den Bau eines dritten Gleises in Aussicht gestellt, was nach Ausbruch des Ersten Weltkrieg natürlich in Vergessenheit geriet. Über die Vorbereitungen auf die Jubiläumsveranstaltungen wird der Förderverein auch auf seiner Hauptversammlung am 20. März um 18 Uhr im Restaurant „Seestern“ sprechen.

Von Thomas Sassen

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