20 Cent Gebühren ohne Anruf?

11.12.2011

KREIS CUXHAVEN. Renate Klein (Name von der Redaktion geändert) hat im November 2010 bei EWE-TEL einen Handyvertrag mit einer Flatrate für Anrufe auf das Festnetz abgeschlossen. Eine clevere Entscheidung, fanden Renate Klein und ihr Ehemann Rainer (Name ebenfalls geändert). Das Handy hat meistens Rainer Klein bei sich. Wenn ihn seine Frau unterwegs erreichen will, lässt sie es vom Festnetzanschluss aus zweimal klingeln und legt dann auf bzw. ihr Mann drückt den Anruf weg. Danach ruft Rainer Klein vom Handy aus zu Hause an - mit der Flatrate gebührenfrei.

So weit, so kostenbewusst. Doch dann kam der erste Einzelverbindungsnachweis von EWE-TEL und siehe da: Die Verbindungen vom Festnetzanschluss der Kleins zum Handy waren darauf verzeichnet, als zustande gekommene Verbindungen. Die meisten dieser "Gespräche" dauerten nur zwischen einer und fünf Sekunden. Die Gebühren waren für jede dieser Verbindungen stets dieselben: rund 20 Cent. "Es ist aber gar kein Gespräch zustande gekommen", sagt Rainer Klein.

Die Kleins wollten sich damit nicht abfinden, witterten "Abzocke" und marschierten zum nächsten Service-Center von EWE-TEL. Dort wurde dem Hadler Ehepaar freundlich nahegelegt, Widerspruch gegen die Rechnung einzulegen. Die Bearbeitung dauerte nach Angabe der Kleins mehrere Wochen, bis das örtliche Service-Center von sich aus beim Sachbearbeiter anrief. Der beschied: Die Gebühren seien rechtmäßig erhoben worden. Die Unterlagen seien zudem im Falle einer Klage gerichtsfest.

Rainer Klein berichtet, dass EWE-TEL angeboten habe, zehn Euro als Entschädigung zu zahlen. Wären die Kleins damit nicht einverstanden, könne der Festnetzanschluss für die Handynummer gesperrt werden.

Insgesamt seien den Kleins durch die abgerechneten Verbindungen vom Festnetz zum Handy mittlerweile bis zu 100 Euro Kosten entstanden. "Wir sind nicht bereit, damit zu leben und wollen uns dagegen wehren", sagt Rainer Klein. "Das ist ein Unding. Da macht die Flatrate doch keinen Sinn. Grundsätzlich müssten danach bei jedem Anruf auf ein Handy, bei dem der Angerufene nicht abnimmt, Gebühren auflaufen."

Klar ist, dass EWE-TEL automatisch eine Benachrichtigungs-SMS an das Handy des Angerufenen sendet, wenn er ein Gespräch verpasst. Allerdings erst nach mehrmaligem Klingeln. Die SMS ist gebührenpflichtig. Im Fall der Kleins sei aber keine SMS verschickt worden. Wie die 20 Cent pro Anruf dennoch zustande kommen konnten, ist beiden ein Rätsel.

Alles andere als rätselhaft findet Gerhard Lottmann, Leiter Unternehmenskommunikation bei EWE-TEL, den Fall. "Es ist offenbar jeweils eine Verbindung erfolgreich zustande gekommen, wenn auch nur für zwei oder drei Sekunden." Das sei anhand der Dokumentation in den Einzelverbindungsnachweisen jeweils belegbar. Es müsse demnach zu Telefongesprächen, wenn auch zu sehr kurzen, gekommen sein.

Die Fakten würden eine eindeutige Sprache sprechen, seien nachweisbar und würden gegen die Darstellung der Kleins sprechen. Lottmann: "Wir sind ans Telekommunikationsgesetz gebunden. Wir dürfen keine Verbindungen berechnen, die nicht stattgefunden haben. Zudem werden unsere Systeme einmal pro Jahr von unabhängigen Sachverständigen überprüft."

Seitens EWE-TEL schließt Gerhard Lottmann ein Fehlverhalten des Anbieters aus Oldenburg eindeutig aus.

Von Ulrich Rohde

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