Moritz Neuhoff, Ulrike Schick und Rolf Hengesbach (v.l.) bei der Ausstellungseröffnung im Museum gegenstandsfreier Kunst. Foto: Monsees
Moritz Neuhoff, Ulrike Schick und Rolf Hengesbach (v.l.) bei der Ausstellungseröffnung im Museum gegenstandsfreier Kunst. Foto: Monsees
Kunst

Abstrakte Bildwelten in Otterndorf

von Ulrich Rohde | 12.03.2019

OTTERNDORF. Gemälde, die wirken, als seien sie mit dem Pinsel oder Spachtel dick aufgetragen, als hätten sie eine pastose, reliefartige Fläche. Und doch ist die Oberfläche der großformatigen Bilder glatt, fast wie bei einem Druck oder einem Foto.

Sie bewiesen malerische Extraklasse, wie der Wuppertaler Galerist Rolf Hengesbach in seiner Einführung in das Werk von Moritz Neuhoff aus Anlass der Eröffnung der Ausstellung im Otterndorfer Museum gegenstandsfreier Kunst betonte.

Er habe noch keinen jungen Künstler, Neuhoff ist 1987 in Osnabrück geboren, von derartiger Reichhaltigkeit kennengelernt. Ein so souveränes, gelassenes Werk sei eigentlich untypisch für einen Künstler seines Alters. Das Otterndorfer Museum hat diese Reife schon vor anderthalb Jahren erkannt und zwei Gemälde von Moritz Neuhoff angekauft, als eines der ersten Museen überhaupt. Inzwischen ist er in diesem Jahr in einer großen Übersichtsausstellung zur deutschen Malerei in mehreren Städten zu sehen. Sie wird unter anderem in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt. Neuhoff hat an der Kunstakademie in Münster studiert und lebt heute in Berlin. Es ist seine erstaunliche Maltechnik, der raffinierte Umgang mit der kompletten Palette, das schnelle Auftragen unterschiedlicher Farbschichten, die Neuhoffs Werk aus Rolf Hengesbachs Sicht so besonders, so einzigartig macht. In seinen Bildern offenbaren sich kaum sichtbare Töne hinter den Oberflächen. Sie strahlten ein innerbildliches Licht aus, so der Galerist. Deutlich werden die feinen Texturen für den Betrachter aus der Nähe, während sich aus größerer Distanz ganz andere Eindrücke ergeben. In der Otterndorfer Ausstellung zeigt Neuhoff sorgsam kombinierte Bildwelten, die mal gestisch-dynamisch, mal wie Graffiti erscheinen. Vor allem demonstrieren sie nichts schon Dagewesenes. Die Bilder zitierten zwar kenntnisreich Merkmale der europäischen Kunstgeschichte der Nachkriegszeit, so Hengesbach, sie seien aber keine Kopien, sondern völlig eigenständig. Die malerischen Elemente Bewegung, Farbe und Licht würden bildlich eingeordnet in Strukturen des Scheins, der Künstlichkeit wie auf einem Computerbildschirm oder in digitalen Fotografien mit verschiedenen belichteten Schichten. Neuhoffs Malerei, sagt Hengesbach, sei absolut zeitgemäß. Sie zeige virtuelle Welten, die dennoch menschlicher Bewegung nahe kämen. Er habe die digitale Künstlichkeit in moderne Malerei übersetzt, ohne digitale Techniken anzuwenden. Mit purer abstrakter Malerei erschaffe Moritz Neuhoff auf bemerkenswerte Weise räumliche Tiefen. Die Ausstellung mit Bildern von Moritz Neuhoff ist im Otterndorfer Museum gegenstandsfreier Kunst noch bis zum 23. Juni zu sehen.

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