Als Ute Hahn Eisenhower traf...

08.12.2009

ALTENBRUCH. Auf dem Hof Blink der Familie Hahn in Wehldorf empfing Ute Hahn am Wochenende eine Delegation ihrer "IFYE's". Die 68-Jährige war einst selbst in diesem besonderen Austauschprogramm und sie schwört: "Diese Freundschaften halten ein Leben lang."

Hinter der Abkürzung IFYE verbirgt sich International Farm Youth Exchange (Internationaler Landjugendaustausch). Das IFYE-Programm gibt es schon seit 1952 und wurde zur besseren Verständigung zwischen Deutschland und den USA ins Leben gerufen. Die Federführung hatte damals das Bundeslandwirtschaftsministerium, es suchte mit den Landwirtschaftskammern der Länder die Bewerber aus und förderte die jungen Leute, die vorwiegend bei Gastfamilien untergebracht werden.

Auch heute noch sind die IFYE's - wie sie sich liebevoll nennen - bestens vernetzt. Die Kontaktpflege war am Wochenende auf dem Hof Blink fröhlich sichtbar, denn dort empfing Ute Hahn die Vorsitzende des Vereins der Deutschen IFYE's, Edith Schröder, und die Schriftführerin Bettina Heinemann.

Sie brachten auch gleich die beiden derzeitigen internationalen Gäste dieses Jahres mit nach Wehldorf. Meja Rios stammt aus Costa Rica und Gwynith MacMurtrie aus den USA, beide wurden von Gesche Köhler begleitet. Die Holsteinerin kümmerte sich ebenfalls um die Gäste. Edith Schröder hob noch einmal hervor, dass die Organisation seit zehn Jahren ein ehrenamtlicher Verein ist und über die Ministerien nicht mehr finanziert wird. Voraussetzung ist, dass die Interessierten aus den so genannten "grünen Berufen" kommen.

Das Programm für die Jugendlichen und jungen Erwachsenen dient vor allem der Völkerverständigung. Die jungen Gäste sollen andere Lebensweisen kennenlernen, sich besser über weltliche Angelegenheiten informieren und ein Umweltbewusstsein entwickeln. Natürlich erhalten sie auch viele Informationen über andere Jugendorganisationen und eines der wichtigsten Ziele ist es die Sprachfähigkeit zu entwickeln und zu verbessern.

IFYE's sind keine billigen Hilfskräfte oder Praktikanten, vielmehr sollen sie eine Fülle an Wissen mit in ihre Heimatländer zurücknehmen. So wie Ute Hahn, die heute 68-jährige Witwe des einstigen Bundestrainers der Gespannfahrer, Franz-Hermann Hahn.

Ute Hahn ist nicht nur eine weitgereiste Frau, die Landwirtstochter aus dem Ammerland pflegt vor allem Freundschaften rund um den Globus. Die ehemalige, sehr erfolgreiche Reiterin und Gespannfahrerin gehörte Anfang der 60er Jahre zu den Auserwählten der Landwirtschaftskammer Oldenburg, die über das Bundeslandwirtschaftsministerium nach Amerika reisen durften. Das war im Jahre 1964.

"Das Auswahlverfahren war damals streng und umfangreich", erinnert sich Ute Hahn heute. "Wer in das Programm wollte, der musste eine Aufnahmeprüfung im Bundeslandwirtschaftsministerium in Bonn absolvieren und viele Fragen über Politik, Kultur, Literatur, Musik, Gesellschaft und Sport beantworten." Ute Hahn (damals trug sie noch ihren Mädchennamen Ringeling) gelang es und mit drei weiteren Landwirtskindern fuhr die damals 23-Jährige mit dem Passagierschiff "Nieuw Amsterdam" von Rotterdam nach New York. Weiter ging es nach Washington zur Besichtigung ins Weiße Haus. Anschließend wurden die Absolventen des Programms fit gemacht für ihren halbjährigen Aufenthalt in Amerika. Ute Hahn landete in Nord- und Süd-Dakota, studierte das Leben der Sioux-Indianer und durfte als erste Deutsche den Derby Tag zu Pferd eröffnen. Auf einer Rinderauktion traf sie den ehemaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower. Mit ihm plauderte sie über Angus Rinder und über die Nordseeküste. "Er kannte sich ziemlich gut aus in Deutschland und schwärmte von Hamburg", erinnert sich Ute Hahn. Und weiter: "Er war sehr bodenständig und wollte alles über die IFYE's wissen." Bevor die Altenbrucherin nach Deutschland zurückkehrte, hielt sie 56(!) Vorträge über ihr Heimatland in Amerika. Ohne die IFYE's, sagt Hahn heute, hätte ich das alles nicht erleben können. "Sie sind meine zweite Heimat geworden." Wohl auch aus diesem Grund hörten die jungen Damen aus Costa Rica und den USA am Wochenende genau hin, als Ute Hahn über ihre Zeit in Amerika fröhlich plauderte - im perfekten Englisch versteht sich.

Mehr über die Organisation der IFYE's auch im Internet unter www.ifye.de

Von Frauke Heidtmann

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