Archäologen legen Sensations-Fund im Ahlenmoor frei: 5000 Jahre alte Gräber
WANNA-AHLENFALKENBERG. Archäologen legen einen 5000 Jahre alte Grabbauten aus dem Moor frei. Es sind die ältesten nachgewiesenen Funde in Norddeutschland und Skandinavien.
Für wen genau sie errichtet wurden, ist nicht bekannt. Waren sie für Familienverbände gedacht oder wurde nach Geschlecht oder Altersgruppe bestattet? Eines steht fest: Die ersten Bauern und Siedler schufen imposante Bauwerke aus Steinen als Grabstätten. Zwei von ihnen werden gegenwärtig am Rande von Ahlenfalkenberg vom Moorboden befreit - und zeigen nach und nach ihre beeindruckenden Ausmaße, die nur mit Hilfe von Seilen, Teamwork und Muskelkraft entstanden. Und mehr noch: Sie geben unverfälschte Einblicke aus den Jahren ihrer Entstehung und Nutzung.
Gräber aus der Jungsteinzeit
Es sind die ältesten Grabbauten, die in Norddeutschland und Skandinavien nachgewiesen werden können. Errichtet wurden diese Megalithgräber der Jungsteinzeit aus großen Geschiebeblöcken. Im Moor fristen sie seit rund 5000 Jahren im Boden ihr verborgenes Dasein und gelten somit als Zeitkapseln aus der Jungsteinzeit. Andere Steingräber sind im Laufe der Zeit gestört und verändert worden.
Katzenkopfgroße Findlinge
Die Feldarbeiten in Ahlenfalkenberg gehen sichtlich voran. Schon nach etwas über einer Woche gibt es für Archäologin Anja Behrens aufschlussreiche Erkenntnisse: "Den Großsteingräbern hier ist gemein, dass sie mit Rollsteinpackungen versehen sind." Das war bereits bei dem Steingrab so, das in der Kampagne im vorigen Jahr ausgegraben und dokumentiert wurde. Und auch bei den beiden Gräbern, die gegenwärtig vom Torf befreit werden, ist es so, dass sie dicht eingepackt wurden mit einer Vielzahl katzenkopfgroßer Findlinge.
Trägersteine freigelegt
Beide der jetzt zu untersuchenden Großsteingräber hatten jeweils vier Decksteine und dürften - wie auch andere bekannte Gräber aus der Umgebung - auf einer kleinen Geestkuppel errichtet worden sein. Insgesamt hatte diese Großsteingrab-Anlage eine Dimension von etwa zwölf Metern Länge und sieben Metern Breite.
Die beiden laufenden Ausgrabungen brachten zudem zu Tage, dass die Steingräber jeweils vier Decksteine besaßen. Die Trägersteine werden jetzt vorsichtig freigelegt. Der Eingang befand sich jeweils mittig im Süden. Einer dieser Megalithen liegt zum Teil in einem Drainagegraben. Er musste zunächst vom Brombeergestrüpp befreit werden, bevor die Torfschicht abgetragen werden konnte. Decksteine dieses Megalithgrabes wurden vermutlich durch landwirtschaftlichen Einsatz verschoben und einer fehlt.
Studenten sammeln Erfahrung
Die an der Kampagne beteiligten Studenten sammeln wertvolle Erfahrungen. "Ich bin das erste Mal bei einem Steingrab dabei", so Kim Wordtmann (21). Sie studiert im sechsten Semester Prähistorische und Historische Archäologie in Kiel. Für sie ist es gegenwärtig eine spannende, interessante und sehr schöne Erfahrung, sich einem Großsteingrab aus der Jungsteinzeit nähern zu dürfen. Mehr noch: Sie trägt dabei sogar Verantwortung, indem sie die Schnittleitung übertragen bekommen hat. Verantwortung heißt auch Zusatzarbeit und bedeutet, dass sie für die genaue Dokumentation verantwortlich ist, wobei sie aber von Anja Behrens unterstützt wird.
Die Archäologin hegt besonders bei diesem Steingrab die Hoffnung, dass durch die Feuchtigkeit im Graben Spuren von organischem Material erhalten geblieben sind, die Rückschlüsse auf die Menschen ermöglichen. Bei den anderen Anlagen sei der Boden durch die landwirtschaftliche Bewirtschaftung dafür zu trocken.
Landschaftsprofile erstellen
Sie geht davon aus, dass sämtliche Anlagen in der Region vor rund 5000 Jahren relativ zeitnah gebaut wurden und mehrere Jahrhunderte als Grabstätten genutzt wurden. Neben der Erforschung der Großsteingräber sind die Wissenschaftler in dem vom Land geförderten Projekt "Relikte im Moor" dabei, das Profil der damaligen Landschaft zu erstellen, indem Sondierungsbohrungen vorgenommen werden. Ausdrücklich auf der Suche ist man auch nach Siedlungsspuren.
Denn bisher gibt es in diesem Bereich noch keine Erkenntnisse, wo genau und wie die ersten Ahlenfalkenberger lebten. Aber es wird vielversprechenden Spuren nachgegangen und ein ausgegucktes Gebiet näher untersucht. Dort allerdings steht noch der Mais auf dem Feld - und muss abgeerntet werden. Anja Behrens schmunzelt: "Es gibt so viele Fragen, es wird Zeit, dass wir ein paar mehr davon beantworten können."
Projekt
Die Zeit rund 3200 Jahre vor Christus ist bei den Fachleuten als Trichterbecherkultur, benannt nach der Form der Keramikgefäße, die sie nutzten. Ihre Machart lässt Rückschlüsse auf die Bewohner zu.
Das Projekt "Relikte im Moor" des Niedersächsischen Institutes für historische Küstenforschung in Wilhelmshaven startete im vorigen Jahr. Die Wissenschaftler versprechen sich Erkenntnisse über Grabbau, Entwicklung und Beschaffenheit der Landschaft sowie Besiedlung durch erste Ackerbauern und Viehzüchter dieser Region.
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