Offshore-Windenergie

Auf See purzeln die Preise

30.04.2017

BREMERHAVEN / CUXHAVEN. Die Energiekonzerne wollen Windparks ohne Subventionen bauen. Die jüngste Auktionsrunde übertraf die  Erwartungen. (red)

Als der Hammer fiel, staunten sogar die Fachleute: Bereits in sieben oder acht Jahren sollen in der Nordsee die ersten Offshore-Windparks ans Netz gehen, die ihren Strom ohne staatliche Subventionen herstellen. Das ist das Ergebnis der Auktionsrunde, mit der die Bundesnetzagentur jetzt die ersten Baugenehmigungen für die Zeit nach 2021 vergab. Das Ergebnis hat auch starke Signalwirkung für die Offshore-Industrie in Cuxhaven.

Dreimal erhielt Dong den Zuschlag, einmal EnBW. Der staatliche dänische Energieerzeuger Dong will seine Projekte „Borkum Riffgrund West II“ und „OWP West“ (je 240 Megawatt) ohne Subventionen realisieren – allein der marktübliche Strompreis soll die Windparks finanzieren. Für das Projekt „Gode Wind 3“ (110 MW) verlangen die Dänen sechs Cent pro Kilowattstunde. Der baden-württembergische Stromerzeuger EnBW erhielt den Zuschlag für das Projekt „He dreiht“ (900 MW) – und will ebenfalls ohne Subventionen auskommen.

In den Preisen sind die Kosten für den Netzanschluss nicht enthalten. Trotzdem überrascht der Preissturz selbst die Experten: Zurzeit erhalten Windparkbetreiber in den ersten Jahren bis zu 19 Cent für eine Kilowattstunde Offshore-Strom – zu zahlen von den Verbrauchern über die monatliche Stromrechnung. Das sorgt regelmäßig für schlechte Stimmung. Mithilfe des Auktionsverfahrens will die Bundesregierung deshalb für mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt sorgen und die Kosten für Stromverbraucher senken.

Und die Strategie scheint aufzugehen. Die Preise, die jetzt in der ersten Runde erzielt wurden, liegen sogar noch „weit unterhalb der Erwartungen“, freut sich der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann. „Die Offshore-Windenergie stellt ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Nachdruck unter Beweis.“ Auch in der Branche macht sich Jubelstimmung breit: „Nachdem die Offshore-Windenergie bis vor Kurzem noch als Kostentreiber der Energiewende verschrien wurde, ist sie nun die erste erneuerbare Energieerzeugung, die ohne Bezuschussung auskommt“, stellt Andreas Wellbrock, Geschäftsführer der Windenergieagentur WAB, fest.

Die politische Debatte ist damit eröffnet: Die Bundesregierung sei spätestens in der kommenden Legislaturperiode gefordert, die Ausbauziele für die Windenergie auf See zu erhöhen, so Wellbrock. Auch der Umweltsenator des Landes Bremen, Joachim Lohse (Grüne), bringt sich bereits in Stellung: „Die Ergebnisse zeigen, dass der Satz ‚Offshore-Strom ist teuer‘ so nicht stimmt und somit auch keine Notwendigkeit für die Deckelung des Ausbaus besteht“, erklärt er. „Der Offshore-Deckel muss weg.“

Ausbau bis 2030 gedeckelt

Nach den zurzeit geltenden Ausbauplänen sollen bis 2030 Windparks mit einer Leistung von maximal 15 Gigawatt in Nord- und Ostsee installiert sein. Mehr als vier Gigawatt davon sind bereits jetzt am Netz – bis 2030 bliebe da nur Platz für ein bis zwei neue Windparks pro Jahr.

Auf der Suche nach einer Erklärung für den Preissturz führt die Industrie selbst die „steile Lernkurve“ ins Feld, die man durchlaufen habe. War der Bau der ersten Windparks noch von Pleiten, Pech und Pannen begleitet, läuft es mittlerweile auf hoher See wie geschmiert.

Und die Industrie setzt auf weitere Fortschritte in den kommenden Jahren: So rechnet Dong bis zum Bau der jetzt bewilligten Projekte 2024/25 mit „deutlich größeren Turbinen – vermutlich 13 bis 15 Megawatt“. Das wäre in der Tat ein weiterer Quantensprung: Die ersten Offshore-Windparks in deutschen Küstengewässern wurden mit Windrädern der Leistungsklasse 2,3 bis 5 Megawatt ausgestattet; zurzeit sind 6 bis 8 Megawatt der Standard. Die Rechnung ist einfach: Je leistungsstärker die Anlagen, desto weniger Windräder müssen errichtet werden – und desto niedriger fallen die Kosten aus.

Auch die berühmten „Synergieeffekte“ zahlen sich mittlerweile aus: Sowohl Dong als auch EnBW werden die neuen Windparks in der Nähe bereits vorhandener Anlagen errichten. Das verringert die Kosten für Betrieb und Wartung, weil vorhandene Schiffe, Plattformen und Stützpunkte genutzt werden können.

Auf der Suche nach neuen Abnehmern für ihren Strom schielen die Offshore-Windparkbetreiber mittlerweile weit über Lampen, Laptops und Küchengeräte hinaus: Die künftig massenweise umherschnurrenden E-Mobile brauchen schließlich auch Strom. Und warum sollte man nicht auch elektrisch heizen, wenn der Strom vom Meer so billig wird?

Es gibt allerdings auch warnende Stimmen: „Das Ganze ist eine riesige Wette auf die künftigen Strompreise und Turbinenpreise“, sagt Dirk Briese, Chef des Bremer Marktforschungsunternehmens Windresearch. Sollten diese sich nicht wie geplant entwickeln, drohe den Projekten das Aus.

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