BBW Cadenberge präsentiert Berufsabsolventen
CADENBERGE. 15 frisch gebackene Industrieelektriker präsentierte jetzt das Berufsbildungswerk Cadenberge Stade (BBW).
Die Industrie spürt den Facharbeitermangel mittlerweile so wie das Handwerk und andere Branchen. Vor diesem Hintergrund hat das Berufsbildungswerk Cadenberge Stade (BBW) vor gut zwei Jahren das Umschulungsprojekt "OHO - Offensive für Handwerk und Offshore" gestartet. Ziel ist es, arbeitsmarktferne Menschen aufzupäppeln - vor allem für Siemens in Cuxhaven.
Alle 21 erfolgreichen Teilnehmer der Umschulung, die mit einem vollwertigen Berufsabschluss endete, haben im Sommer ihren Gesellenbrief bekommen. 15 Industrieelektriker und sieben Bauten- und Objektbeschichter haben sofort einen festen Job gefunden. Nur drei Teilnehmer haben die Prüfung nicht geschafft, sagt Volker Dietrich-Domröse, Unternehmenssprecher des BBW. Die Teilnehmer kamen überwiegend aus langfristiger Arbeitslosigkeit.
Eng kooperiert wurde denn auch mit den Jobcentern in Stade/Drochtersen und Cuxhaven. Die 24 Teilnehmer der Maßnahme kamen überwiegend aus dem nördlichen Landkreis Stade und dem Landkreis Cuxhaven. Der Jüngste war 18 Jahre alt, der Älteste 56. Ziel des Projektes war es, sowohl für den Offshore-Bereich im neuen Siemens-Werk in Cuxhaven als auch für Handwerksbetriebe der Region Industrieelektriker und Bauten- und Objektbeschichter auszubilden. Dabei sind zunächst 80 interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Jobcentern für eine Art Eignungstest für diese beiden Berufsfelder benannt worden. "Nach zwei Monaten, vielen weiteren Tests, Gesprächen, Projektarbeiten konnten dann 39 Personen für eine Umschulung in den beiden Fachbereichen identifiziert werden", sagt Dietrich-Domröse. Am Ende blieben 24 Teilnehmer bei der Stange.
Die Umschulungen wurden nach den offiziellen Ausbildungsrahmenplänen umgesetzt. Sowohl die Industrieelektriker als auch die Objektbeschichter sind leicht reduzierte Berufsbilder des Elektrikers und des Malers und Lackierers. Die Teilnehmer wurden über zwei Jahre theoretisch und praktisch in den Werkstätten des BBW in Cadenberge geschult. Eingeschlossen waren insgesamt vier Monate Praktikum in verschiedenen Betrieben. Viele bekamen eine Anstellung bei Siemens in Cuxhaven, aber auch bei Handwerksbetrieben in der Region, die große Probleme mit dem Fachkräftemangel haben.
Michael Rosenberg aus Hemmoor ist einer der Teilnehmer. Er arbeitet jetzt als Industrieelektriker bei Siemens im Schichtdienst und ist glücklich, wieder einen Job zu haben: "Das ist ein ganz neues Lebensgefühl, dass ich jetzt wieder meine Familie ernähren kann." Obwohl der 36-Jährige, der vorher im Gerüstbau gearbeitet hat, weniger als ein Jahr arbeitslos war, habe er unter der Situation gelitten, sagt er. Viel Lob hat Rosenberg für das BBW: "Ich fühlte mich immer gut betreut - auch im privaten Bereich, als wir Probleme mit der Betreuung unseres kleinen Sohnes hatten." Und auch unter den Teilnehmern hat sich eine solidarische Gemeinschaft gebildet. "Wir rufen uns an, wenn wir im Job eine Frage haben und helfen uns gegenseitig", erzählt der Hemmoorer.
"Klares diakonisches Profil"
"Na ja, es herrscht schon ein etwas anderer Geist bei uns. Wir haben ein klares diakonisches Profil", sagt Volker Dietrich-Domröse, im Hauptjob Pastor in Stade. Denn Träger des BBW sind die Kirchenkreise Stade, Buxtehude und Cuxhaven-Hadeln. Empathie, Nächstenliebe und christliche Werte prägen den Hintergrund der regionalen Erwachsenenbildungseinrichtung, die unter anderem in Stade die Qualifizierungsküche im Altländer Viertel betreibt. Das Projekt wurde durch das Land Niedersachsen sowie durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und in Kooperation mit den Jobcentern Cuxhaven, Hemmoor, Stade sowie Drochtersen durchgeführt.
Ein solches Projekt ist wegen seiner Länge von zwei Jahren eine absolute Ausnahme, denn aus dem ESF werden nur Maßnahmen mit maximal 15 Monaten Dauer gefördert. Möglich sei das nur gewesen, weil das Land eingesprungen sei, sagt Dr. Maria Stegmann von der BBW-Leitung. So wird es zunächst wohl auch keine Fortsetzung des Projektes geben, obwohl hier ja meist gar nicht oder gering qualifizierte Menschen aus der Arbeitslosigkeit geholt und zu dringend benötigten Fachkräften qualifiziert werden. Dass Bildungsträger in Zeiten des Fachkräftemangels Hochkonjunktur haben, sei ein Trugschluss, sagt Stegmann, denn der Arbeitsmarkt regele sich in solchen Zeiten von allein. Das BBW trage aber dennoch mit seinen Ausbildungs- und Fortbildungsangeboten zur Qualifizierung von Menschen bei, die oft kaum noch eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben. Auch ist das als gemeinnützige GmbH strukturierte BBW, das zu den großen regionalen Bildungsträgern gehört, in der Flüchtlingsarbeit intensiv unterwegs.
Von Peter von Allwörden
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