Kommt ein weiterer Supermarkt nach Otterndorf?
OTTERNDORF. Das neue Einzelhandelskonzept sorgt in der Politik für Streit. Entscheidende Frage: Braucht Otterndorf einen weiteren Supermarkt?
Das neue Einzelhandelskonzept der Stadt Otterndorf sorgt in der Politik für Kontroversen. Während die CDU/FDP-Gruppe in dem Gutachten der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) wertvolle Impulse für die künftige Einzelhandelsentwicklung in der Medemstadt sieht, lehnt die SPD das Werk wegen "handwerklicher Fehler" ab. Kern des Streits ist die Frage, ob Otterndorf einen weiteren Vollversorger braucht oder nicht.
Gutachten soll helfen
Wohin geht die Reise des Otterndorfer Einzelhandels? Mit Gewissheit kann dies - gerade in Pandemie-Zeiten - niemand sagen. Mit dem von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung vorgelegten Einzelhandelskonzept will sich die Stadt gleichwohl rüsten für die Zukunft. Das Gutachten soll helfen, Otterndorf als Einkaufsstandort auch in Zukunft attraktiv zu halten.
Altstadt als Dauerbrenner
Das letzte Konzept stammt aus dem Jahr 2009. Seitdem ist einiges geschehen: So ist der Aldi-Markt 2011 vom Sophienweg an die Cuxhavener Straße gezogen. "Schlecker" und "Ihr Platz" machten 2012 dicht. Nach einer jahrelangen Drogerie-Durststrecke wurde 2016 der Rossmann neben dem Aldi-Markt eröffnet. Edeka und Aldi haben ihre Märkte modernisiert beziehungsweise vergrößert, auch Lidl will erweitern. Ein Dauerbrenner ist die Frage, wie die Altstadt belebt und aufgewertet werden kann.
Zweiter Markt "vertretbar"
Projektleiterin Katharina Staiger hat sich die aktuelle Situation des Otterndorfer Einzelhandels genau angeschaut und sieht nach Berücksichtigung aller Faktoren, darunter die Einwohnerentwicklung, die Kaufkraft, die Beschäftigtenzahl und die touristischen Übernachtungen, für die Medemstadt durchaus noch Entwicklungspotenzial, so zum Beispiel für einen zweiten Supermarkt: "Bezogen auf die Einwohnerzahl im Versorgungsraum wäre ein zweiter Vollversorger durchaus vertretbar." Die Gutachterin empfiehlt die Ansiedlung im Westen der Stadt, da der Osten mit Lidl, Penny und dem Edeka-Markt bereits gut versorgt sei. Der neue Supermarkt könnte Teil eines Nahversorgungszentrums werden, ergänzt durch kleinere Betriebe, etwa aus dem Lebensmittelhandwerk, so Staiger. Die Gutachterin betont: "Es soll nicht eine Konkurrenz zur Innenstadt entwickelt werden, sondern ein Ergänzungsstandort für den periodischen Bedarf."
Kaufkraftvolumen kalkuliert
Bei den Discountern sieht die GMA dagegen einen "Überbesatz" in Otterndorf: Neben Lidl, Aldi und Penny "sollte kein weiterer Lebensmitteldiscounter angesiedelt werden", so Katharina Staiger.
Insgesamt 68 Betriebe mit einer Verkaufsfläche von 27570 Quadratmetern hat das Kölner Institut in der Medemstadt gezählt. Das jährliche einzelhandelsrelevante Kaufkraftvolumen beziffert die GMA für den Versorgungsbereich Otterndorf auf 69,4 Millionen Euro. Mit eingerechnet sind die rund 465 000 Übernachtungsgäste, die der Stadt ein Kaufkraftvolumen von fast acht Millionen Euro einbringen.
Zwist um Gutachten
Die CDU/FDP-Gruppe im Otterndorfer Stadtrat zeigte sich von der Datensammlung beeindruckt. "Das Gutachten zeigt uns, wo wir eigentlich stehen", sagte Normen Herting (CDU) im Wirtschaftsausschuss. Ob man sich einen weiteren Vollversorger nach Otterndorf holt oder den bestehenden Markt vergrößert, müssten die weiteren Beratungen zeigen. Die Sozialdemokraten lehnen das Gutachten wegen handwerklicher Fehler und einer "unsauberen Bewertung der Grundlagen" ab, so Ratsherr Claus Johannßen. Er stellte klar: Die Ansiedlung eines zusätzlichen Supermarkts kommt für die SPD nicht infrage.
"Markt gesättigt"
Das sieht die Industrie- und Handelskammer Stade im Übrigen genauso. In einer Stellungnahme hatte die IHK bereits vor einem Jahr darauf hingewiesen, "dass der Markt für Lebensmittelgeschäfte in Otterndorf gesättigt ist und kein weiterer Spielraum für Neuansiedlungen verbleibt".