Bruni Ritzenhoff: "Ich hole das Leben zu mir"
Wer Brunhild Ritzenhoff besuchen will, der muss sich im südlichen Kreisgebiet auskennen. "Wenn Sie glauben, der Weg führt nicht weiter, dann sind Sie richtig", beschreibt sie die Fahrt nach Bramstedt. Erster Gedanke: Hier kann es nicht weitergehen. Zweiter Gedanke: Möglich wär's schon. Dritter Gedanke: Hier muss man ziemlich furchtlos sein...Endlich angekommen: Mitten in einer Oase aus Mischwald, wunderbar ursprünglichen Weiden, zur Linken sorglos grasende Pferde, zur Rechten zufrieden dösende schottische Hochlandrinder und dann nach ein paar Kilometern ein verwunschenes Haus. Zwei bellende Hunde freuen sich auf Besuch, dann folgt die Hausherrin: Brunhild Ritzenhoff. Wie immer elegant gekleidet, mit wilder rotblonder Mähne, einem herrlichen Lachen, fröhlichen blauen Augen und einer "Gitanes" in der rechten Hand. Ihr Markenzeichen ist die tiefe verrauchte Stimme: "Sie haben mich ja doch gefunden." Die zierliche Frau, die in ein paar Tagen 63 Jahre alt wird, verkörpert mit Leib und Seele die 68-er Generation. Sie kämpfte an allen Fronten - früher wie heute. Doch auf ihrem Anwesen "Heiderösschen” ist sie entspannt. Und dann erzählt sie von der Entdeckung dieser Oase: In "Die Zeit" hatte sie Anfang der Siebziger von dem Haus gelesen. Die kleine Tochter Julia in den Minicooper gepackt und ab ging's von Berlin nach Bramstedt. Bruni (so wird sie liebevoll von allen genannt) zeigt ein Foto. "Hier war nichts und das Aussiedlerhaus stand auf freiem Feld, trotzdem habe ich mich in dieses Haus verliebt, weil es so wunderbare Räumlichkeiten hat." Gemütliche Holzdielen, Öfen, Türen in alle Himmelsrichtungen und mitten im Grünen. 16 000 neue Bäume wurden gepflanzt, dann noch weitere 365 Pflanzen, die als Hecke angelegt wurden, denn dort können nun ganzjährig die Tiere leben. Ein See gehört dazu, ein Biotop mit seltenen Gräsern und "dort hinter den großen Bäumen leben sogar friedliche Schlangen. Begeistert ist Bruni Ritzenhoff von einem Kunstwerk in Form einer Bank vor dem Haus, dort sprießen zur Zeit jede Menge Pilze. Ein Stillleben, aber kein Stillstand. Das wäre im Hause Ritzenhoff undenkbar. Die quirlige Hausherrin versichert: "Ich hole das Leben zu mir." Nicht nur das ständig klingelnde Telefon zeugt vom regen Kontakt zur Außenwelt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist sie Mitglied der Grünen im Landkreis, fungierte in ihrer Heimatgemeinde als stellvertretende Bürgermeisterin, war an der Seite von Martin Döscher (CDU) und Helga Lüdke (SPD) stellvertretende Landrätin, ist das grüne Urgestein als Abgeordnete im Kreistag und neben Hans-Jürgen Klein (MdL) Sprecherin der Grünen im Kreisgebiet. Die Soziologin kennt sich nicht nur mit den wissenschaftlichen Strukturen der Gesellschaft aus, sie ist aus der Praxis heraus in der Landwirtschaft bewandert und sie entstammt der berühmten Kristall-Dynastie aus dem sauerländischen Marsberg. Dort fungiert sie als stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der RC Ritzenhoff Cristal AG mit über 400 Beschäftigten . Für mehr als 600 Brauereien weltweit produziert die Firma Biergläser, seit zehn Jahren gehört die Edelmarke auch zu den Herstellern von feinstem Kristall. Vor allem das originelle Design der Wein-, Schnaps- und Champagnergläser ist gefragt. Viele Künstler entwerfen für Ritzenhoff, darunter Colani, Selden, Markovic, Albus, Petit-Roulet, Mendini oder Giovanopoulos. "Mein Vater war ein sozialer Kapitalist", entfährt es Bruni Ritzenhoff. Das habe auch sie geprägt. Sie wuchs nach der Trennung der Eltern zunächst in der Klosterschule auf, dann im Internat im Solling. Schon mit 14 Jahren gründete sie einen Ausländerarbeitskreis, der sich mit der UdSSR beschäftigte, sie wurde schnell Schulsprecherin und fortan ein politischer Mensch. Während ihres Studiums in München gründete sie einen Kinderladen an der Uni. Darauf ist sie heute noch stolz. Als erklärte Achtundsechzigerin ging sie gegen den Vietnam-Krieg ebenso auf die Straße, wie gegen die Faschisten in Griechenland oder in Mittelamerika. Bruni Ritzenhoff hat die ganze Welt bereist, gefragt nach den beeindruckendsten Erlebnissen, kommt die prompte Antwort: "Die Nelkenrevolution in Portugal". Die antifaschistisch-demokratische Revolution vom April 1974 in Lissabon fand natürlich nicht ohne sie statt. Und auch als Jahre später Greenpeace den Widerstand gegen Umweltsünder organisierte, da saßen Monika Griefahn und Greenpeace-Gründer David McTaggart am Küchentisch in Bramstedt. Bruni Ritzenhoff und Freunde sorgten für den Kauf des Aktionsschiffes "Sirius", das später die Verladepier von Kronos Titan in Nordenham blockierte und somit ein Zeichen gegen die Dünnsäure-Verklappung setzen wollte. Mit an Bord: Bruni Ritzenhoff. Alles Erfahrungen, die sie heute nicht missen möchte. Ihr soziales Engagement ist ausgeprägter denn je. Ob Hilfe für Ayslbewerber, Unterstützung für Waldkindergärten, der Einsatz für gequälte Tiere oder Protest gegen die Baumabholzung am Grab des großen Marschendichters Hermann Allmers, Bruni Ritzenhoff steht immer in der ersten Reihe. Demokratie und Internationalität gehörten zu ihrem Leben. Sie hasst taktisch und strategische Spielchen in der Politik und weiß doch, dass es ohne sie oftmals nicht geht, um Ziele durchzusetzen. Dass sie gelegentlich gegen das "selbstgefällige Männerraumschiff" im Kreishaus ankämpft, daraus macht sie keinen Hehl. All ihre Aktivitäten kann sie mit ihren Töchtern besprechen. Dr. Julia Fischer ist mit ihren 36 Jahren eine erfolgreiche Verhaltensforscherin und die 28-jährige Jenny lebt als Architektin in Barcelona. Auch für sie ist das Bramstedter Anwesen ein Synonym für pulsierendes Leben, ganz nach dem Champagner-Motto der Firma Ritzenhoff, das da lautet: Perlen getrunken, Geister geweckt, Leben gelebt und Neues entdeckt...
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