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"Fakten werden ignoriert"

BUND gegen Ramsauer-Appell

03.12.2012 Zuletzt aktualisiert: 16.06.2022 12:22 Uhr

CUXHAVEN. Auf den Appell von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU), die Naturschutzverbände sollten ihre Klage gegen die Elbvertiefung zurückziehen, reagiert für den BUND Cuxhaven Klaus Schroh mit der folgenden Stellungnahme:

„Die Aussage von Bundesverkehrsminister Dr. Ramsauer macht wieder einmal deutlich, dass ihm offensichtlich das notwendige Demokratieverständnis abhandengekommen ist und er sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, die Vor- und Nachteile der Elbvertiefung aus der Sicht gesamtdeutscher Seehafenpolitik auf einen neutralen Prüfstand zu stellen.

Eine einseitige Sicht ohne Berücksichtigung des Jade-Weser-Ports ist aus Hamburger Sicht vielleicht verständlich, nicht jedoch aus dem Verständnis gesamtdeutscher Hafenpolitik. Wilhelmshaven hat mit der Jade das kürzere und wesentlich sichere Fahrwasser, zumal es einen tideunabhängigen Verkehr der größten Containerschiffe erlaubt. (...) Leider hat Hamburg den Trend verschlafen, für die Supercarrier mit Cuxhaven den Hafenausbau an der Küste zu optimieren. Bremen hat dies mit Bremerhaven möglich gemacht und nun folgt in Rotterdam der Großschiffshafen Maasflakte II.

Die Unterhaltungskosten der Unterelbe und des Hamburger Hafens liegen inzwischen bei jährlich mindestens 100 Mio. Euro für uferlose Baggermengen von ca. 20 Mio. Kubikmeter/Jahr. Dieser Aufwand würde sich nach der Vertiefung nochmals gravierend erhöhen.

Noch schwerwiegender wirkt allerdings die Tatsache, dass die Elbe oberhalb des Lühebogens für die großen Containerschiffe eine unzureichende Breite in der vertieften Fahrrinne ausweist. Noch immer gelten die Fahrwasserdimensionen von 1968, obwohl sich die Schiffsgrößen seitdem um ca. 80 % vergrößert haben. Nach internationalen Maßstäben ist die dortige Fahrrinnenausweitung von 20 m unzureichend, d.h. eine Ausweitung von nur ca. 7 % steht in keinem Verhältnis zur Längen- und Breitenzunahme der großen Containernerfrachter!

Dies bedeutet eine Zunahme der Havariegefahr mit entsprechenden Auswirkungen beim Festkommen am vertieften Fahrrinnenrand kurz vorm örtlichen Hochwasser. (...)

Es geht den Hamburger „Experten“ weiterhin darum, das Zeitfenster für auslaufende Schiffe zu vergrößern. Allerdings sollte ihnen eigentlich bewusst sein, dass die in Hamburg auslaufenden Schiffe in der Regel einen um 1,00 m verringerten Tiefgang aufweisen und damit die geforderte Zeitfensterausweitung nur in seltenen Fällen relevant sein wird. Unabhängig von der ökologischen Betrachtung sollten alleine vorstehende volkswirtschaftliche Fakten Minister Dr. Ramsauer zum Umdenken dieser kostspieligen und risikoreichen Elbvertiefung bewegen.“

RED

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