Bürgermeister Wolfgang Heß mit seinem Hund. Auch Mischling Frau Schneider sorgt dafür, dass der Cadenberger Kommunalpolitiker immer auf Achse ist - geschäftlich, politisch und privat. Foto: Kramp
Bürgermeister Wolfgang Heß mit seinem Hund. Auch Mischling Frau Schneider sorgt dafür, dass der Cadenberger Kommunalpolitiker immer auf Achse ist - geschäftlich, politisch und privat. Foto: Kramp
Interview

Cadenberge reagiert auf Bau-Nachfragen

von Wiebke Kramp | 18.02.2019

CADENBERGE. Der Juwelier Wolfgang Heß wirkt seit 2011 als Bürgermeister in Cadenberge - und seitdem ist er nicht müde, in seiner Heimatgemeinde Projekte anzuschieben und Entwicklungen voranzubringen. Heß ist und bleibt parteilos, tritt aber für die SPD auf Gemeinde- und Samtgemeindeebene an.

Der Geschäftsmann und Bürgermeister steht für Wohnen, Wirtschaft und Wachstum. Unter seiner Ägide ist nicht nur die Fusion mit Geversdorf gelungen, sondern es sind auch neue Wohn- und Gewerbeflächen hinzu gekommen. Privat ist Wolfgang Heß wohl der größte Fan mit Sammelleidenschaft, den sich Herbert Grönemeyer wünschen kann - aber auch international in der Singer-/Songwriter-Musikszene zu Hause. Im Gespräch mit Redakteurin Wiebke Kramp gibt der Uhrmacher Einblick, wie sein prosperierender Ort mit 4260 Einwohnern tickt.

Herr Heß, können Sie uns eine Rückschau auf 2018 geben - was hat sich in der Gemeinde Cadenberge getan?

Die Gemeinde hat unheimlich investiert, das heißt, wir haben diverse Grundstücke gekauft, eines im Hinblick auf den möglichen Standort des neuen Kindergartens in Schulnähe. Aber dies erwies sich als zu klein. So haben wir das Haus renoviert und stellen es jetzt als Mietwohnung der Familie zur Verfügung, die lange über dem Marktkauf gelebt hat. Die Familie war glücklich, dass sie eine Wohnung in Cadenberge erhalten haben - und wir waren froh, dass wir helfen konnten und es so endlich weitergehen konnte mit den Arbeiten. Dadurch konnte der Marktkauf schließlich abgerisssen werden - und wird jetzt als Edeka bis Ende des Jahres neu gebaut. Die Gemeinde hat den ehemaligen Penny-Markt im Ort gekauft. Dort wollen wir alten- und behindertengerechtes Wohnen anbieten. Wir hoffen, dass wir Ende 2019 noch mit dem Bau beginnen können.

Von wie vielen Seniorenwohnungen sprechen wir?

Es sollen mindestens acht werden, aber wenn wir die gleiche Grundfläche als das Fundament des ehemaligen Penny-Marktes nutzen können, könnten es durchaus noch mehr werden. Uns liegen dafür schon zahlreiche Anfragen vor.

Nachdem bereits im vorigen Jahr ein privates Seniorenheim eröffnet wurde, soll es weitere Bestrebungen geben, für Senioren etwas anzubieten?

Das DRK hat vor, eine Tagespflegeeinrichtung im Bereich des Hauses Am Dobrock anzubieten. Als Gemeinde haben wir dafür zwei Grundstücke getauscht. Auch hier hoffen wir, dass Baubeginn 2019 sein wird. Wir haben außerdem zwei Grundstücke gekauft neben Bäcker Buck gegenüber des Aldi. Wir haben ganz aktuell einen Investor gefunden, der das Projekt realisiert und dort acht Eigentumswohnungen errichtet. Dies könnte interessant werden möglicherweise für Leute, denen ihr Haus und Garten zu groß geworden ist und sie das, was sie aus dem Verkauf erzielen, wieder in Eigentum stecken möchten, um in der Lage zu sein, später etwas zu vererben, anstatt es für Miete auszugeben.

Ist der Bedarf denn überhaupt gegeben?

Ja, ich habe schon fünf Anfragen für Eigentumswohnungen - und wir haben das Ganze noch nicht einmal publik gemacht.

Und wie sieht es mit dem Bau des neuen Kindergartens aus?

Da gibt es das Grundstück schon. Wir sind sehr darauf erpicht, dass wir die Zusammenarbeit mit Otterndorf haben, weil wir zwei baugleiche Kindergärten bauen wollen, beispielsweise, um Architektenkosten zu sparen.

Für wie viele Kinder soll diese neue Kindertagesstätte ausgerichtet sein?

Mindestens für vier Gruppen. Wir brauchen diesen neuen Kindergarten. Das ist kein Ersatz für den kirchlichen Kindergarten, sondern ein Zusatzangebot. Der Bedarf ist auf jeden Fall da. Wir haben lange Wartelisten - und mir persönlich dauert es schon viel zu lange, aber es gibt halt diese Vorschriften bei öffentlichen Belangen.

Auf Wachstumskurs ist Cadenberge ja auch anderswo. Wie sieht der Stand bezüglich des Neubaugebietes aus?

Westlich der Bahnhofstraße sind wir schon am Start. Da wird in diesem Jahr damit begonnen, Grundstücke zu verkaufen. Wir bekommen eine Lärmschutzwand zur Bahn. Dort werden ungefähr 30 Grundstücke entstehen, sodass wir für die nächsten fünf bis sieben Jahre gut aufgestellt sein werden. Die Gemeinde hat ja dann bereits weitere Wohnbauflächen gekauft, die sich im Bereich der Langenstraße befinden.

Und was tut sich am anderen Ende des Ortes im neu ausgewiesenen, 3,1 Hektar großen Gewerbegebiet?

Für das Gewerbegebiet beginnen noch in diesem Monat die fundamentalen Arbeiten wie die Verlegung von Versorgungsleitungen. Dafür haben wir vom Land eine großzügige Förderung von über einer halben Million Euro erhalten. Wir haben auch schon diverse Anfragen für die Ansiedlung von neuem Gewerbe. Meine Befürchtung ist, wir haben zu wenig Fläche gekauft. Schön ist, dass wir dann das Ortsschild noch ein bisschen weiter rausstellen können, sodass wir die Geschwindigkeit auf der B 73 vor dem Ort reduzieren können.

Welche Projekte stehen noch an?

Wir brauchen ein neues Feuerwehrgerätehaus. Dort gibt es in Zusammenarbeit mit der Samtgemeinde den Bedarfsplan, der demnächst im Detail vorgestellt wird. Wir können es nicht auf dem jetzigen Grundstück bauen, weil es definitiv zu klein ist. Darum müssen wir uns auf Grundstückssuche begeben.

Noch ist die Grundschule ja in einem Gebäude des Landkreises untergebracht, wie sieht denn dort der Plan aus, wird es einen Neubau geben?

Die Grundschule wird irgendwann zum Thema der Samtgemeinde werden. Einen Neubau wird es geben, aber nicht an gleicher Stelle. Denn auch die Oberschule Cadenberge hat zu wenig Platz und muss sich auch aufgrund der Inklusion vergrößern können. In Vorplanung ist, dass die Oberschule Am Dobrock den Bereich der jetzigen Grundschule mit übernehmen wird. Wir brauchen dann eine neue Grundschule in der Nähe der jetzigen, weil dies auch immer mit der Sporthalle gekoppelt ist. Es muss alles noch geprüft werden. Aber bis wir uns des Themas annehmen, dauert es bestimmt noch drei Jahre.

Und was tut sich bei den BBS?

Für den Neubau des Internats der BBS Cadenberge, den der Landkreis Cuxhaven vornimmt, ist die Gemeinde jetzt dabei, ihre Bebauungspläne so zu ändern, dass auch dieses Projekt in der Nähe der Schule realisiert werden kann. Angesiedelt wird der Neubau in der Bösenhörne hinter der BBS-Bauhalle.

Wie beurteilen Sie insgesamt die Schullandschaft für den Ort?

Schule ist ein echtes Aushängeschild für Cadenberge. Ich finde es unglaublich, welches Engagement auch die Lehrer an den Tag legen und Projekte anbieten - ob es um Wasserschutz geht oder um Technik oder um Hilfe im Ort. Wir sind da als Gemeinde sehr gut vernetzt - mit der BBS auch, aber insbesondere mit der Oberschule Cadenberge. Eine Hand wäscht die andere - und das klappt fantastisch.

Wie ist es um die medizinische Versorgung bestellt?

Noch sieht es gut aus. Wir hoffen auch zukünftig, dass wir in Cadenberge zumindest eine Hausarztpraxis und einen Zahnarzt haben werden. Dass der Markt dies von allein regelt, und sich später Nachfolger finden, ist meine Hoffnung. Für Fachärzte müssen wir ohnehin fahren - und ich sehe nicht, dass sich das ändern wird.

Cadenberge ist um den Ortsteil Geversdorf gewachsen - wie ist diese Fusion gelaufen?

Völlig problemlos. Wir haben uns im Vorwege unterhalten, weil die Gemeinden Neuhaus und Geversdorf an uns herangetreten sind, um mit uns zu fusionieren. Cadenberge hat sich aber dann entschieden, es im ersten Schritt zunächst mit Geversdorf zu tun, weil wir natürlich auch die finanzielle Situation der Gemeinde Cadenberge im Blick behalten mussten. Uns geht es finanziell gut und Neuhaus hat natürlich - und das ist auch der einzige Grund - finanzielle Probleme beispielsweise durch seine Brücken. Wir hatten zum Glück keine doppelten Straßennamen mit Geversdorf, sodass das alles perfekt und reibungslos gelaufen ist. Es gab vorher natürlich auch in Geversdorf einen Investitionsstau. Geversdorf war nicht in der Lage, eigene Projekte auf den Weg zu bringen. Jetzt nach der Fusion weist Cadenberge auch in Geversdorf ein neues Baugebiet aus. Das Grundstück gehört uns bereits. Wir hoffen, zum Jahresende die Pläne vorstellen zu können und in den Verkauf zu gehen.

Aber damit hat die Gemeinde jetzt nicht nur durch die Oste Wasseranschluss, sondern auch den Klotz Ostehalle am Bein ...

Ja, aber damit sind wir ja gerade aufgenommen worden in die Förderung. Das ist natürlich eine Rieseninvestitionssumme. Wir haben allein für dieses Jahr für energetische Sanierung circa 150 000 Euro im Haushalt eingeplant. Aber es ist wichtig, dass es gefördert wird, denn ganz alleine können wir das nicht schaffen. Aber auch das dauert natürlich. Man muss eben den bürokratischen Weg abwarten, wenn man von Fördertöpfen profitieren möchte.

Gibt es für die Hallennutzung ein Konzept?

Das wird nach wie vor so sein, dass der Sportverein dort ist und wir auch weiterhin Großveranstaltungen in der Halle durchführen wollen. Wir sind vom Gemeinderat in jeder zweiten Gemeinderatssitzung in der Ostehalle und ob man einen zusätzlichen Nutzen reinbringen kann, werden wir dann sehen.

Ein Schandfleck in Cadenberge ist ja der alte Bahnhof, gibt es Möglichkeiten dies zu ändern?

Also es liegt nicht an uns. Wir als Gemeinde Cadenberge hätten den alten Bahnhof damals gern gekauft. Es hatte jedoch rechtliche Gründe, weshalb wir es nicht getan haben. Die Straße Am Bahnhof haben wir vom jetzigen Besitzer abgekauft. Weil schließlich auch der Bahnhof Otterndorf der Samtgemeinde gehört, habe ich die Samtgemeinde gebeten, mit dem jetzigen Besitzer ein Gespräch zu führen, ob sie nicht auch den Bahnhof Cadenberge übernehmen kann. Danach könne man sich überlegen, wie man diesen nicht so schönen Fleck aufhübschen könnte.

Sie sind ja bekannt als Musikliebhaber und bekennender Grönemeyer-Fan. Nach der erfolgreichen Ausstellung im Kreishaus Cuxhaven habe ich gehört, dass es weitere Pläne gibt?

Ich bin vom Stadtmarketing Bochum gefragt worden, meine Sammlung in Bochum zu zeigen. Ich habe dort demnächst einen Termin. Im Anschluss an eine James-Bond-Ausstellung sollen in Grönemeyers Heimatstadt meine Exponate gezeigt werden. Ich freue mich riesig. Und der übernächste Plan wäre eine eigene Dauerausstellung in Cadenberge. Angedachter Beginn für mein privat gebautes Grönemeyer-Museum ist 2020.

Und wie sieht es mit ihren weiteren politischen Ambitionen aus?

Ursprünglich habe ich ja mal gesagt, ich würde nur für zwei Amtsperioden zur Verfügung stehen. Aufgrund der Vielzahl an Projekten, die wir in Cadenberge angeschoben haben, habe ich mich aber doch dazu entschlossen, noch ein drittes Mal zu kandidieren.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

Google News

Wenn Sie etwas googeln, bekommen Sie neben den normalen Ergebnissen auch eine Box mit aktuellen News angezeigt. Wenn Sie CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinterlegen, tauchen unsere Inhalte dort häufiger für Sie auf. Hier CNV-Medien als bevorzugte Quelle hinzufügen.


CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Wiebke Kramp
Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

kramp@no-spamcnv-medien.de

Lesen Sie auch...
Energiewende

Kreis Cuxhaven: Neuer Wind- und Solarpark in der Oste-Niederung geplant

von Wiebke Kramp

KREIS CUXHAVEN. Der forcierte Ausbau der Erneuerbaren Energien erzeugt so etwas wie Goldgräberstimmung. Planer für Wind und Solarparks schließen schon Pachtvorverträge ab, um sich Flächen zu sichern - auch in der Oste-Niederung.

Feuerwehreinsatz 

Anwohnerin in der Wingst nimmt Gasgeruch wahr - und sorgt für Großeinsatz

von Redaktion

WINGST. Für einen Großeinsatz der Feuerwehren Wingst, Cadenberge und Neuhaus sorgte eine Frau, die in ihrer Wohnung einen Gasgeruch wahrnahm. 

Wannaer wünschen sich mehr

Freizeit, Sport und Aktivitäten in Wanna: Was die Gemeinde bietet - und was nicht

von Vanessa Grell

WANNA. Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen: Wannas Bürgerinnen und Bürger wünschen sich mehr und vielfältigere Angebote. Aber was macht die Gemeinde schon - und was ist geplant?

Blaulicht

Dramatischer Rettungseinsatz in Hechthausen: Pferd steckt in Schlammgraben fest

KREIS CUXHAVEN. Bei einem tierischen Rettungseinsatz ist am Montag ein Pferd aus größter Not aus einem Graben in Hechthausen gerettet worden.