Club-Betreiber im Kreis Cuxhaven fassungslos: Erste Disco zieht die Reißleine
CUXHAVEN. Diskotheken im Kreis Cuxhaven müssen laut neuer Verordnung des Landes Niedersachsens bei Inzidenz über zehn schließen. Die Betreiber sind fassungslos.
Disco-Betreiber in Cuxhaven sind verzweifelt: Anfang Juni durften sie ihre Clubs mit wenigen Einschränkungen öffnen, jetzt rudert das Land Niedersachsen zurück und ordnet unter anderem Schließungen der Betriebe ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von zehn an. Angesichts der aktuellen Inzidenz von 12,6 (Stand: 29. Juli) im Landkreis Cuxhaven sehen Disco-Chefs für die Zukunft wenig Perspektive.
"Insbesondere Diskotheken und Clubs sowie Shisha-Bars haben zum Anstieg der Infektionen beigetragen", heißt es in der neuen Verordnung des Landes Niedersachsen, die Anfang der Woche verkündet wurde und schon am Mittwoch in Kraft trat. Die Verfolgung von Infektionsketten sei außerdem bei Club-Besuchern erschwert. Deshalb dürfen Disco-Betreiber bei einer Inzidenz unter zehn ihre Clubs ab sofort nur noch mit einer Auslastung von maximal 50 Prozent öffnen, Tanzen ist nur mit Maske erlaubt. Steigt die Infektionsquote über zehn, müssen Tanzbetriebe schließen - für Cuxhavener Disco-Chefs eine bittere Pille.
Eine absolute Katastrophe
"Unter diesen Umständen hätten wir nie an eine Öffnung gedacht", betont Eric Janßen, Chef der Discothek Janssens Tanzpalast (JTP) in Lüdingworth fassungslos. Die neuen Beschlüsse seien eine absolute Katastrophe.
Er war von Anfang an misstrauisch gegenüber den Lockerungen Anfang Juni: Erst am vergangenen Wochenende - und damit knapp zwei Monate, nachdem die Öffnung möglich gewesen wäre - empfing der Tanzpalast nach einem Vorverkauf wieder Gäste mit negativem Test oder Impfnachweis. Eine Maske beim Tanzen war nicht nötig. "Die Stimmung des Abends war ausgelassener denn je", schwärmt Janßen.
Um nach eineinhalb Jahren Pause ein besonderes Tanz-Erlebnis zu schaffen, investierte Janßen während der Schließung in den Umbau der Diskothek. Kürzlich wurden die Renovierungsarbeiten abgeschlossen.
Der Chef erklärt ernüchtert: "Über Nacht hat sich plötzlich alles geändert." Damit meint Janßen die neue Corona-Verordnung des Landes vom Wochenanfang.
Maßnahmen nicht umsetzbar
Deshalb zieht er die Reißleine: Die Veranstaltung am Sonnabend fällt aus, der Tanzpalast bleibt fortan wieder geschlossen. Der Grund: Die am Mittwoch in Kraft getretenen neuen Maßnahmen seien einfach nicht umsetzbar. Dass die Gäste rund um die Uhr ihre Maske tragen, sei illusorisch.
Auch die Auslastung von maximal 50 Prozent stellt ein Problem dar. Diese Belegung gilt auch für jeden Raum der Diskothek. Um jeden einzelnen Tanzbereich zu kontrollieren, fehle es an Security-Personal. Das Geld für die schon gekauften Tickets werde zurückerstattet.
Warum das Land die Discos als Infektionsherd ansieht, zeigt auch ein Fall aus Georgsheil (Nordfriesland): Dort besuchte ein 21-Jähriger einen Nachtclub, nachdem er aus dem Spanien-Urlaub zurückgekommen war. Dabei hatte er eigentlich Symptome einer Corona-Infektion verspürt. Bei zwei Selbsttests waren unterschiedliche Ergebnisse herausgekommen.
Ein weiterer Schnelltest direkt vor der Partynacht war negativ. Er entschied sich für die Partynacht. Der PCR-Test am darauffolgenden Montag war dann aber positiv. Fast 1100 Disco-Besucher sind laut Ostfriesen-Zeitung deshalb mögliche Kontaktpersonen. Das Problem: Das Gesundheitsamt kann nicht alle Kontakte nachvollziehen.
Clubs nicht das Problem?
Für die Cuxhavener Flair-Chefin Silke Schoon Abal-Nunez sind Diskotheken allerdings nicht die treibende Kraft der Pandemie. "Es wird an der falschen Schraube gedreht", stellt sie klar. Das Problem liege bei den Reiserückkehrern, die nicht in Quarantäne gehen.
In ihrem Betrieb achte sie streng darauf, dass alles corona-konform zugehe. "Das Flair ist derzeit wie ein Hochsicherheitstrakt", erklärt sie mit einem traurigen Lachen. Es werde streng kontrolliert, wer getestet, geimpft oder genesen ist. Auch die Luca-App in Verbindung mit einem Personalausweis werde genutzt.
Das Konzept sei allerdings nicht wasserdicht: Betrete ein Gast das Flair, der zwar getestet ist, zuvor aber in einer Bar gewesen war, bei der die Kontrolle lax gehandhabt werde, könne er trotz negativen Tests für einen Ausbruch in ihrem Betrieb sorgen. "Alle Betreiber müssen an einem Strang ziehen und sich an die Regeln halten", betont sie frustriert. Ihre Diskothek wird sie am Wochenende öffnen. Sie wolle zunächst das weitere Geschehen abwarten, bevor sie schließt.
Ähnlich verfährt Timo Domeyer, Geschäftsführer des Paulaner Kellers in Duhnen. Der Frust ist trotzdem groß: "Ich telefoniere nahezu jeden Tag mit dem Gesundheitsamt." Die Abhängigkeit seines Unternehmens vom Infektionsgeschehen raube ihm die Motivation. Planungssicherheit kenne er nicht mehr.
Müssen Clubs schließen?
Unklar ist für die Lokal-Betreiber im Cuxland zudem, ob sie ihre Örtlichkeiten auch nach dem Wochenende noch öffnen dürfen. Am Donnerstag stieg der Inzidenzwert erstmals seit zwei Monaten wieder über die Zehner-Marke. Der Landkreis Cuxhaven könnte dann in die nächste Stufe der Niedersächsischen Corona-Verordnung kommen.
Bisher waren Diskotheken, Clubs und Shisha-Bars bis zu einer Inzidenz von 35 zugelassen. Das hat sich nun geändert. Jetzt müssen sie schon ab einer Inzidenz von zehn schließen. Bei den Disco-Chefs sorgt diese Nachricht für weiteren Frust.