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Kundgebung der streikenden Helios-Beschäftigten auf dem Kaemmererplatz. Foto: Reese-Winne
Kundgebung der streikenden Helios-Beschäftigten auf dem Kaemmererplatz. Foto: Reese-Winne
Für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen

Cuxhaven: Helios-Klinikpersonal im Warnstreik

von Maren Reese-Winne | 12.05.2022 Zuletzt aktualisiert: 05.07.2022 20:12 Uhr

CUXHAVEN. Ausgerechnet am Tag der Pflege ging die Belegschaft der Helios-Klinik Cuxhaven am Donnerstag zum ersten Mal überhaupt für einen Warnstreik auf die Straße.

Rechtzeitig vor der Fortsetzung der Tarifverhandlungen am kommenden Montag wollten sie damit ein Signal der Entschlossenheit setzen.

"Sind bereit für mehr"

Und das sei nicht das letzte Signal, wenn Helios sich nicht bewege, kündigte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Erika Czerny-Gewalt bei der Kundgebung auf dem Kaemmererplatz in einem Trillerpfeifenkonzert an. Mit einem Stück Schokolade hätte sie jedenfalls die Beschäftigten an diesem Tag nicht abgespeist wissen wollen.

Richtung Gesetzgeber geht es auch

Denn es gehe nicht nur darum, bei den Tarifverhandlungen deutlich spürbare Verbesserungen beim Gehalt herauszuholen: "Ihr braucht Verstärkung und bessere Arbeitsbedingungen! Ihr seid wichtig und systemrelevant. Auch dafür treten wir heute ein. Wir wollen auch den Gesetzgeber treiben", rief Erika Czerny-Gewalt.

Faktisch Reallohnverlust

Mit den bisherigen Angeboten biete Helios bislang nur Reallohnverluste, selbst wenn alle angebotenen Verbesserungen addiert würden.

"Ihr habt alle Gründe der Welt, zu streiken - nicht nur, weil das Gehalt nicht stimmt, sondern auch wegen der in Gesundheit und Pflege katastrophalen Arbeitsbedingungen", bekräftigte der SPD-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt Cuxhaven, Gunnar Wegener, früher selbst Gewerkschaftssekretär. Auch seine Partei tue sich dabei manchmal eher durch programmatische Reden als durch die politische Umsetzung hervor - ein Thema, über das er allzu gerne mal mit dem Gesundheitsminister Karl Lauterbach streiten würde.

Tarifverträge wie im Öffentlichen Dienst

Die Beschäftigten in Cuxhaven hinkten bei der Bezahlung seit vier Jahren den anderen Kliniken hinterher und hätten keinen Grund, sich mit Brosamen abspeisen zu lassen. Wegener forderte, dass Tarifverträge in der Pflege grundsätzlich auf der des Öffentliches Dienstes basieren müssten.

Er vermisse bei Helios Cuxhaven lang angekündigte Investitionen: "Wo bleiben eigentlich die Konzerngewinne?", fragte er. Viele strukturelle Probleme seien noch nicht abgestellt, weil an allen Ecken Personal fehle. Es genüge nicht, "Ärzte mit klingenden Namen" einzustellen: "Wenn das Umfeld fehlt, kann eine Klinik nicht funktionieren", stellte er unter lautstarkem Applaus fest.

Zurück in öffentliche Hand

Nils Nickisch, Ratsmitglied der Linken, forderte einen radikalen Richtungswechsel in der Krankenhauslandschaft: Alle Häuser gehörten in die öffentliche Hand und Überschüsse müssten in die Pflege zurückfließen. Ralf Bohlen, Vertreter der Verdi-Senioren, wies darauf hin, dass schlecht bezahlten Pflegekräften später entsprechend geringe Renten winkten. Als Bürger der Stadt wünsche er sich freundliche, möglichst ungestresste Pflegekräfte, die sich auch kümmern könnten, und insgesamt bessere Arbeitsbedingungen.

Patienten haben viel Erfolg gewünscht

So war auch die Rückmeldung der Patientinnen und Patienten, die am Morgen über den Streik informiert wurden: "Wir haben viel Solidarität erfahren und alle haben uns viel Erfolg gewünscht", berichtet Betriebsratsvorsitzende Ellen Groß. Mit der Geschäftsführung sei vorab eine Notdienstvereinbarung verhandelt und eine Schichtbesetzung festgelegt worden, sodass in allen Abteilungen die Mindestbesetzung (manchmal mehr) gewährleistet gewesen sei. "Ich finde es einen Skandal, dass wir für eine vernünftige Bezahlung streiken müssen", so Ellen Groß, "das erste Mal überhaupt. So weit muss es kommen."

Darum geht es

Die Beschäftigten von acht Helios-Krankenhäusern im Norden fordern 15 % mehr Lohn, 200 Euro für die Azubis und 1500 Euro Corona-Prämie. Der Konzern bietet bislang eine stufenweise Lohnsteigerung von 4,6 Prozent, eine Pflegezulage am Bett von 70 Euro, Erhöhungen der Azubi-Vergütung um jeweils 70 Euro in zwei Schritten plus einen Laptop für jeden Azubi.

Für Cuxhaven, das bisher gegenüber sen anderen Kliniken stark benachteiligt ist, liegen nach Angaben von Verdi zusätzlich Jahressonderzahlungen für 2022 und 2023 in Höhe von 70 und 80 Prozent eines Monatsentgelts sowie eine Erhöhung von jeweils 100 Euro brutto in den Entgeltgruppen 5 bis 11 auf dem Tisch.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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