Cuxhavener Firma Appel gewinnt Zoff um Werbefiguren: Dieser Mann holte den Sieg vor Gericht
CUXHAVEN/DORTMUND. Ein Dortmunder Anwalt hat den Nordsee-Zoff um die Werbefigur Käpt'n Iglo für Feinkost Appel gewonnen. Aus einem Grund war Dr. Achim Herbertz von der Kanzlei Spieker & Jaeger siegessicher.
Von Peter Wulle
Im Streit um eine der bekanntesten Werbefiguren des Landes, Käpt'n Iglo, erlitt der Hamburger Fischstäbchenhersteller Iglo eine Niederlage. Das Oberlandesgericht (OLG) München wies jetzt die Berufung des Konzerns zurück. Nach Auffassung der Richter besteht keine Verwechslungsgefahr zwischen den beiden maritimen Werbefiguren von Iglo und Appel. Die Klage wurde in beiden Instanzen abgewiesen.
Bundesweit gefragter Mann
Dass es so gekommen ist, daran hat Dr. Achim Herbertz von der Kanzlei Spieker & Jaeger am Phoenix-See entscheidend mitgewirkt. Er ist ein Experte für Markenrecht, seit 1992 in Dortmund als Anwalt tätig und hat 2003 bei Spieker & Jaeger die Abteilung für Marken- und Wettbewerbsrecht aufgebaut. Als Fachanwalt für Gewerblichen Rechtsschutz ist er bundesweit gefragt.
"Normalerweise", sagt er, "wollen sich ja Konkurrenzunternehmen voneinander abgrenzen. Manchmal muss man sich allerdings auch annähern, weil bestimmte Aussagen oder Gestaltungen fast unvermeidbar - jedenfalls nicht für ein einzelnes Unternehmen geschützt - sind."
"Gut situierter Herr"
Im Fall der Nordsee-Streithähne wirbt Appel mit einem Mann im besten Alten - mit Bart und Schal. Beim Tiefkühlkost-Produzenten Iglo sah man darin eine Nachahmung seines Käpt'n Iglo und wollte gerichtlich klarstellen lassen, dass sich an diese prominente Werbefigur, die seit Jahrzehnten für die Marke Iglo steht, keiner heranzuwagen hat.
"Die Richter des Oberlandesgerichts sahen aber keine Nachahmung. Im Laufe der Jahrzehnte gab es viele Wandlungen der Iglo-Kapitänsfigur und den Richtern war schon nicht klar, welche davon Appel angeblich nachgeahmt haben soll. Ebenso gaben sie uns Recht, dass die Appel-Werbefigur keinen Seemann, sondern einen 'gut situierten Herren in einem eleganten, schicken Dreiteiler mit Seidenschal' darstellt", berichtet Achim Herbertz.
"Kein Monopol auf bärtige Männer"
Auch Anzug und Mütze des männlichen Models der Cuxhavener Appel Feinkost GmbH & Co. KG würden doch keine Ähnlichkeiten mit der Bekleidung von Käpt'n Iglo aufweisen. "Und von Anfang an war für mich klar, dass es doch wohl kein Monopol auf bärtige Männer geben kann. Ein wettergegerbter Best-Ager mit Bart und Mütze ist nicht für ein einziges Unternehmen monopolisiert. Vielmehr setzen viele Werbetreibende auf gut aussehende Männer mittleren oder reiferen Alters", sagt Achim Herbertz.
Appel Feinkost vertreibt ebenso wie die Hamburger Iglo GmbH Fischprodukte. Das Unternehmen gehört zum Lebensmittelkonzern Heristo. Iglo klagte mit dem Argument der Irreführung und Rufausbeutung. "Anders als Käpt'n Iglo trägt der Protagonist der Appel-Werbung aber keine blaue Seemannskleidung, sondern einen grauen Anzug sowie eine karierte Weste mit Krawatte. Darüber hinaus handelt es sich bei der Kopfbedeckung um eine Elblotsen- und keine Kapitänsmütze", so Achim Herbertz.
Spezialist für Markenrecht
Solche Streitfälle mit derart bekannten Protagonisten sind vor Gericht aber eher die Ausnahme. Als Spezialist für Markenrecht ist er viel häufiger bei der Produktberatung gefragt, um genau solche Auseinandersetzungen für seine Klienten zu verhindern. "Wir helfen bei der Namensanmeldung, recherchieren zu Fragen des Designs oder gewährleisten, dass zu dem Produkt auch alle Pflichtangaben gemacht werden. Oft geht es um Dinge, die man dann später in der Fernsehwerbung sieht - wie zuletzt den Vodka Three Sixty", sagt Achim Herbertz.
Auch wenn er den eleganten Herrn mit Bart und Mütze für Appel als Werbefigur durchgeboxt hat und ihm solche Verfahren vor Gericht eine willkommene Herausforderung sind - sei es auf Klägerseite oder als Verteidiger. Die Betreuung und Beratung von Unternehmen bei der Produktentwicklung ist ihm viel wichtiger. Und eins würden er und auch die Kanzlei Spieker & Jaeger nie machen: "Produktfälscher vertreten wir nicht."