Der Cuxhavener "Kutterfisch"-Kapitän Fritz Flindt ist zurzeit Botschafter der Kampagne "Besserfischer". Er setzt sich für nachhaltigen Fischfang ein. Foto: Pfalzgraf
Der Cuxhavener "Kutterfisch"-Kapitän Fritz Flindt ist zurzeit Botschafter der Kampagne "Besserfischer". Er setzt sich für nachhaltigen Fischfang ein. Foto: Pfalzgraf
Interview

Cuxhavener Fischer Flindt tritt für Nachhaltigkeit ein

17.11.2019

CUXHAVEN. Der Cuxhavener "Kutterfisch"-Kapitän Fritz Flindt ist derzeit Botschafter der Kampagne "Besserfischer", die zum Ziel hat, der Überfischung von Beständen Einhalt zu gebieten.

CUXHAVEN. "Mein Name ist Fritz, ich bin Fischer und ich fahre seit 43 Jahren zur See." So stellt sich Kapitän Fritz Flindt jedem vor, der ihn danach fragt. Seit 13 Jahren arbeitet Flindt bei der "Kutterfisch" in Cuxhaven und fischt Seelachs und Kabeljau in der Nordsee vom Skagerrak bis hoch zu den Faröer-Inseln - mit extra großmaschigen Netzen, um Jungfische zu schonen. Mehrmals im Jahr nimmt er Wissenschaftler des Thünen-Instituts mit auf Fangfahrt. Sein Schiff ist die "J. von Cölln". "Kutterfisch" war in Deutschland die erste Fischerei, die ihren Fang mit dem MSC-Siegel auszeichnen konnte. Fritz Flindts Sohn Danny Flindt ist ebenfalls Kapitän - auf dem Kutter "Seewolf", der auch zur "Kutterfisch"-Flotte gehört. Bevor Fritz Flindt Kapitän der "J. von Cölln" wurde, hatte er für viele Jahre auf dem "Seewolf" das Sagen. Fritz‘ Vater hieß Fritz und war Fischer und sein Großvater hieß auch Fritz und war ebenfalls Fischer. Fritz Flindt hofft, dass seine Enkelkinder in die Fußstapfen der Generationen vor ihnen treten. Mit Fritz Flindt sprach Jana Claussen.

Wie sind Sie zur Fischerei gekommen?

Aus der Familientradition heraus. Bei uns fuhren die Männer alle zur See. Wir haben immer mit Fischerei und Wasser zu tun gehabt und das hat sich von Generation zu Generation weitergeführt. Ich habe es einmal nachverfolgt: Bis Anfang des 19. Jahrhunderts reicht unsere Geschichte zurück, und mein Sohn fährt ja inzwischen auch zur See.

Welche Bedeutung haben die Fischerei und das Meer für Sie?

Ich war einfach immer davon fasziniert. Ich weiß noch, wie ich Schuljunge war und immer schon mitgefahren bin aufs Meer. Da habe ich mir gar nichts anderes vorstellen können, als auch Fischer zu werden. Vor 43 Jahren, im Jahr 1976, habe ich meine Lehre als Fischwirt abgeschlossen. Und dann hat sich das so nach und nach ergeben. Ich war Fischer und um Kapitän zu werden, habe ich noch ein Studium drangehängt, zwei Jahre lang, als Nautiker. Ich bin auf vielen Schiffen gefahren, bei Kutterfisch war ich auf dreien der Kapitän. Das war immer erfolgreich. Das war immer gut.

Ihre Fischerei "Kutterfisch" hat gerade ein neues, hochmodernes Fangschiff aus Spanien überführt. Was bedeutet es für Sie, mit diesem Schiff zum ersten Mal in See zu stechen?

Um ehrlich zu sein, ist das schon ein Highlight für mich. Die ganze Fangtechnik an Bord, besser geht es eigentlich nicht. Das ist wirklich top.

Was ist so besonders an der Technik?

Es fängt bei den Netzen an, die wir an Bord haben: Die Maschen sind viel weiter als von der EU vorgesehen, damit der Kleinfisch nicht drin landet. So fangen wir nur den Fisch, den wir tatsächlich wollen. Dann, sobald sie gefangen sind, werden unsere Fische gelabelt, sodass am Ende jeder nachvollziehen kann, wo der Fisch herkommt, wer ihn gefangen hat, um welche Uhrzeit. Das ist bei uns alles dokumentiert. Die Kameras an Bord kontrollieren außerdem, dass wir nichts wegschmeißen, was wir aus dem Meer geholt haben. Das wird ja doch oft gemacht, ist aber illegal. Bei uns wird es kontrolliert. Und es unterstützt uns darin, nachhaltig zu fischen.

Ist das Thema Nachhaltigkeit wichtig für Sie als Fischer?

Ja, natürlich. Weil ja auch die Generationen nach mir noch Fisch essen sollen und aufwachsen sollen mit Fischern, die aufs Meer rausfahren, wie ich es schon mein Leben lang mache. So ist es gesund und nur so ist es richtig. Wir wollen die Weltmeere ja nicht leer fischen. Das ist für uns ganz wichtig. Noch vor wenigen Jahren galt in der Fischerei der Satz, Masse gleich Klasse, aber das ist heute zum Glück nicht mehr überall so. Trotzdem müssen wir mit den Folgen bis heute leben.

Was bedeutet es für Sie als Fischer, wenn ein Bestand überfischt ist?

Wenn ein Bestand überfischt worden ist, muss man die Befischung stoppen. Wir müssen dann sagen: Okay, der ist überfischt, der muss sich erst einmal erholen. Das müssen wir Fischer auch einsehen, dass es nicht anders geht. Es fällt ja immer auf den Fischer zurück, irgendwas ist verkehrt gelaufen im System.

Und was bedeutet das MSC-Siegel für Sie persönlich?

Zum einen, dass kein Bestand überfischt wird. Außerdem, dass man weiß, unter welchen Bedingungen wir den Fisch gefangen haben. Die Verbraucher möchten das wissen. Das MSC-Siegel gibt ihnen Sicherheit, dass der Fisch nachhaltig gefangen wurde. Der Verbraucher greift dann eher zu unserem Fisch, das ist also gut für uns. Weil Fisch selber ja auch teurer geworden ist. Am wichtigsten ist für mich, dass dieses Label unsere Lebensgrundlage schützt. Dass wir hier weiter fischen können, unsere Enkel auch noch. Und wir Fischer bekommen auch mehr Geld für unseren Fisch. Das ist natürlich wirtschaftlich ein Vorteil für uns.

Sie sind seit vielen Jahrzehnten Fischer und kennen die Nordsee wie Ihre Westentasche. Was hat sich verändert?

Als ich 1967 angefangen habe, gab es hier in der Nordsee eine Menge Kabeljau. Aber der ist inzwischen in den Norden gezogen in eine andere Region, weil das Wasser hier zu warm wurde. Das hängt zum einen mit der Klimaerwärmung zusammen. Zum anderen aber auch mit einem hohen Fischereidruck. Auch dadurch sind die Fische weniger geworden. Früher hat man auch viele Heringsschwärme hier gesehen oder Makrelen oder kleine Sprottenfische, auch das wurde alles weggefischt. Und wenn ein Fisch wie der Seelachs dann nichts zum Futtern hat, dann haut der ab. Das ist ganz normal. Dann gibt's den Seelachs halt in einer anderen Region. Wir fangen jetzt auch schon Fische hier, die wir hier früher nie gefangen haben. So wie Wolfsbarsche oder Doraden. Doraden in der Nordsee? Hat es nie gegeben! Und jetzt fängst du sie hier.

Was können die Verbraucher tun, um nachhaltige Fischerei zu fördern?

Die Verbraucher sollten darauf achten, welcher Fisch gefährdet ist. Er sollte nur Fisch kaufen, der nachhaltig gefangen wurde und aus einem gesunden Bestand kommt. Also MSC-zertifiziert.

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