Cuxhavener Pfarrer missbraucht fünf Kinder
CUXHAVEN/HILDESHEIM. Georg M., früherer katholische Pfarrer der Cuxhavener St. Marien-Gemeinde, hat mindestens fünf Kinder sexuell missbraucht. Der mittlerweile gestorbene Geistliche war trotz Pädophilie-Vorwürfen noch von Salzgitter nach Cuxhaven versetzt worden.
Das Bistum Hildesheim hat sich die Aufklärung von sexualisierte Gewalt an Kindern durch Geistliche auf die Fahnen geschrieben. Sobald es konkrete Hinweise gibt, würden die Hintergründe überprüft und möglichst eine lückenlose Aufklärung verfolgt.
Schwester des Pfarrers sah Missbrauch
Dementsprechend wurde eine Projektgruppe eingesetzt, nachdem die ein Jahr ältere Schwester von Georg M. einem Pfarrer in Wolfenbüttel berichtete, dass ihr Bruder pädophil beziehungsweise pädosexuell veranlagt gewesen sei. Sie selbst habe etwa 2015, vier Jahre vor dem Tod ihres Bruders, ihn bei einem derartigen Vorfall ertappt. Wie es im Untersuchungsbericht der Projektgruppe des Bistums heißt, habe die Zeugin ausgesagt, dass ihr Bruder Georg M. einen damals Vier- bis Fünfjährigen vor ihren Augen "im Zusammenhang mit einem Hoppe-Hoppe-reiter-Spiel sexuell missbraucht". Und in dem Bericht heißt es weiter: "Ganz ungeniert habe er sich danach die von ihm getragenen Hose ausgewaschen."
Weitere Zeugen meldeten sich
Die Kirche wandte sich nach dieser Aussage an die Öffentlichkeit (wir berichteten). Daraufhin meldeten sich mehrere Zeugen, die ebenfalls Opfer von Georg M. gewesen sein sollen. Die Projektgruppe, der ein ehemaliger Vorsitzender Richter am Landgericht vorsteht, untersuchte die weiteren Vorwürfe, führte diverse Gespräche.
Mehr als 41 Straftaten
Dabei kam heraus, dass der verstorbene Pfarrer zwischen 1980 und 2009 "deutlich mehr als 41 gleichartige Straftaten begangen" habe. Von einer "Vielzahl" ist auch in dem Bericht die Rede. "Bei den dem Verstorbenen vorzuwerfenden Taten handelt es sich nicht um einen Einzelfall oder eine Mehrheit von Einzelfällen." Es vielmehr von einer "Vielzahl von systematisch begangenen Straftaten auszugehen, bei denen "auf die Tatanbahnung einige wenige immer wiederkehrende Modi Operandi zugrunde liegen" würden.
Tat auch zur Cuxhavener Zeit
Der Tatzeitraum schließt auch die Cuxhavener Zeit ein. Georg M. war von 1992 bis zu seinem Ruhestand 2005 hier tätig. Das Seelsorge-Gebiet umfasste die die Pfarrei St. Marien (damals noch ohne Zwölf Apostel in Altenwalde) mit Herz Jesu und St. Willehad und St. Pius (Hauskapelle der Familienferienstätte Stella Maris in Sahlenburg). Bei den im Ermittlungsbericht aufgeführten Zeugen, die sexuell missbraucht worden sein sollen, handelt es sich um Männer aus dem Raum Salzgitter, die damals noch im Kindesalter waren. Bei einem Betroffenen soll sich die Tat aber in Cuxhaven zugetragen haben. Nach einer von Georg M. geleiteten Jugendfreizeit in den Niederlanden seien mindestens zwei Jungen aus Salzgitter noch über Nacht in Cuxhaven gewesen, ehe sie nach Hause fuhren.
Vorwurf wegen der Versetzung
Ein Vorwurf gegenüber damaligen Entscheidungsträgern im Bistum Hildesheim wird in dem Bericht auch erhoben. Demnach seien Bischof Josef Homeyer und Domkapitular Holst bekannt gewesen, dass Pfarrer Georg M. vor der von ihnen angeschobenen Versetzung nach Cuxhaven der Vorwurf gemacht worden war, Kinder sexuell missbraucht zu haben. Es gab sogar Gespräche mit dem Jugendamt Salzgitter darüber. Eine Einigung sei zwischen Jugendamt und Kirche erzielt worden, dass Georg M. nicht mehr in einer Gemeinde tätig und schon gar nicht in der Jugendarbeit tätig sein sollte. Daran hielten sich Bischof Homeyer und Domkapitular Holst offensichtlich nicht. Georg M. kam nach Cuxhaven und betreute auch weiter Kinder und Jugendliche. Ebenfalls nach Cuxhaven als Pfarrer versetzt wurde Georg M.s Bruder Konrad. Er sollte nach Zeugenangaben aus Kirchenkreisen auf seinen Bruder "aufpassen".
Hilfe für Betroffene
Für Betroffene von sexualisierter Gewalt gibt es im Bistum Hildesheim professionelle Ansprechpersonen, die von der Kirche unabhängig sind. Die Kontaktdaten dieser vier Fachleute sind unter dem folgenden Link zu finden: www.bistum-hildesheim.de/missbrauch. Der Beraterstab in Fragen sexualisierter Gewalt ist telefonisch (05121-17 48 266) und per E-Mail erreichbar (beraterstab@bistum-hildesheim.de).