Vorwürfe wegen sexualisierter Gewalt: Erinnerungen an Cuxhavener Pfarrer
CUXHAVEN. Gegen den ehemaligen Cuxhavener katholischen Pfarrer Georg M. gibt es schwere Vorwürfe bezüglich sexualisierter Gewalt an einem Jungen.
Bei der Aufarbeitung dunkler Kapitel in der katholischen Kirche sind nun auch schwere Vorwürfe gegen einen ehemaligen Cuxhavener Pfarrer erhoben worden. Georg M., der vor fast zwei Jahren gestorben ist, soll 2015 sexualisierte Gewalt an einem Jungen ausgeübt haben. Damals war er schon in Wolfenbüttel als sogenannter Ruhestandsgeistlicher. Es ist aber durchaus möglich, dass dies kein Einzelfall gewesen ist. Überprüfungen seitens der Kirche wird es auch im Landkreis Cuxhaven geben.
Weil es nach Angaben der katholischen Kirche Anzeichen dafür gibt, dass der Pfarrer pädosexuell veranlagt war, wird nun vom Bistum Hildesheim die gesamte Karriere des Priesters noch einmal genau unter die Lupe genommen. Dementsprechend wird es sicher auch Untersuchungen in Cuxhaven geben, wo Georg M. zusammen mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder die katholische Kirchengemeinde leitete.
Von 1992 bis 2005 in Cuxhaven
Das Seelsorge-Gebiet in Cuxhaven umfasste die Pfarrei St. Marien (damals noch ohne Zwölf Apostel in Altenwalde) mit Herz Jesu und St. Willehad und St. Pius (Hauskapelle der Familienferienstätte Stella Maris in Sahlenburg). 1992 trat M. die Stelle an. Seine Entpflichtung und die Versetzung in den Ruhestand erfolgte Mitte Juli 2005, zeitgleich mit seinem Bruder.
Damit einher ging auch die Entpflichtung Georg Ms. als Präses der Kolpingfamilie Cuxhaven - das ist eine katholische Gemeinschaft, die sich unter anderem um Bildung, Jugend und Familien kümmert.
Doch auch danach war M. noch in der Region aktiv. Zunächst zog er mit seinem Bruder nach Krempel, wo die beiden schon vorher einen Bauernhof erworben hatten. Auf dem "Freizeithof Krempel" fanden unter anderem Jugendfreizeiten statt. Außerdem gab es dort Wohnmöglichkeiten. "Das war so eine Art Heim für Arbeitslose oder andere Gestrauchelte", erinnert sich ein Nachbar. Ihm sei nichts aufgefallen, das in Richtung sexualisierte Gewalt deutete. Krempeler Kinder und Jugendliche seien dort auch hin und wieder auf dem Hof gewesen. "Da gab es dann wohl schon mal ein Bier oder eine Zigarette von den Bewohnern, also nicht von den Betreibern, für die Jugendlichen", was den Familienvater aus der Nachbarschaft etwas ärgerte. Aber ansonsten sei dort nicht viel los gewesen. Der Hof bestehe nicht mehr. "Der ist schon vor einiger Zeit plattgemacht worden", erklärt der Nachbar.
Mitglied im Schachklub Cuxhaven
Auch im Schachklub Cuxhaven, in dem Georg M. bis 2006 Mitglied war, ist die Überraschung ob der nun aufgekommenen Vorwürfe groß gewesen. "Ich kann so nichts über ihn sagen", so ein verdutzter Vereinsvertreter unserer Zeitung gegenüber. Der gut spielende Pfarrer habe auch nichts mit der Jugendarbeit zu tun gehabt. Im Februar 2006 wechselte er den Verein, erst ging es zu den Schachfreunden nach Leherheide. Mit dem Umzug der Brüder M. in den Landkreis Wolfenbüttel in die Gemeinde Dorstadt, wo ihre Eltern lebten, gab es noch einen Vereinswechsel, nämlich zum SV Caissa Wolfenbüttel.
Während der Bruder 2012 im Alter von 73 Jahren starb, wurde Georg M. zehn Jahre älter. Der 1937 in Griechenland geborene und 1969 zum Priester geweihte Georg M. starb im Februar 2019.
Das Bistum Hildesheim ist nach einem Vorwurf aus der Wolfenbütteler Zeit tätig geworden und ist nun auch an die Öffentlichkeit gegangen. Die Diözese hat den Vorsitzenden Richter am Landgericht a.D. Wolfgang Rosenbusch beauftragt, mit Fachleuten in den Pfarrgemeinden, in denen der Priester Georg M. tätig war, Aussagen zu überprüfen.
Ansprechpartner
Für Betroffene gibt es im Bistum professionelle Ansprechpersonen, unabhängig von der Kirche, unter www.bistum-hildesheim.de/missbrauch; E-Mail: beraterstab@bistum-hildesheim.de; unter Telefon (0 51 21) 1 74 82 66. Hinweise von Zeugen sollten an Wolfgang Rosenbusch unter der Handynummer 0151-66 05 80 51 gerichtet werden.
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