Cuxhavener "Stadthaus": Wochen voller Corona-Angst sind vorbei
CUXHAVEN. Ein Corona-Ausbruch in einem Heim gilt nach wie vor als ein Super-GAU. Das "Stadthaus", eine Altenpflegeeinrichtung in der Poststraße, hat diesen schlimmsten anzunehmenden Fall überstanden.
"Seit vier Wochen sind wir coronafrei", berichtete Geschäftsführerin Ina Peters-Bittner am Montag. Ihr Haus, ein Familienbetrieb, war am 21. April mit einem Positiv-Test konfrontiert worden: Ein 65-jähriger Bewohner hatte sich das in Fachkreisen SARS-CoV-2 abgekürzte Virus während eines Aufenthalts in der Onkologie eines Bremerhavener Klinikums eingefangen. "Im ersten Moment waren wir quasi in Schockstarre", bestätigt Pflegedienstleiterin Sandra Bittner, die nach dem ersten Schrecken das Krisenmanagement übernahm: Noch am Tag der Positiv-Meldung sorgte die "Stadthaus"-Leitung dafür, dass alle Bewohner in ihren Einzelzimmern unter Quarantäne gestellt wurden; laut Amtsarzt Dr. Kai Dehne genau der richtige Schritt: "Wichtig war, eine Durchmischung der Bewohner zu verhindern."
Heimbetreiber adäquat auf Corona-Lage reagiert
Die Heimbetreiber - "das ist das Erfreuliche" - hätten die Lage schnell erfassen und adäquat reagiert, bilanzierte der Chef des Kreis-Gesundheitsamtes, der den pragmatischen Ansatz der "Stadthaus"-Leitung lobte und auch den Angestellten ein gutes Zeugnis ausstellte. "Man muss bedenken", so Dehne, "für das Pflegepersonal ist das von allen emotionalen Faktoren abgesehen auch physisch belastend, mit Maske und Schutzkleidung zu arbeiten. Deshalb: Hut ab!" Sozialdezernentin Petra Wüst (Stadt Cuxhaven) drückte ihre Hochachtung angesichts der "großen Herausforderung" aus, die in der Einrichtung in den vergangenen Wochen gestemmt worden sei - mit Beratung und praktischer Soforthilfe von außen. Was die eigenen Vorräte an Hygienematerial anbelangte, war das "Stadthaus" von Haus aus gut aufgestellt gewesen. "Wir haben hier seit Jahren Patienten mit multiresistenten Keimen", so Peters-Bittner, die aber auf die Unterstützung des Gesundheitsamtes zurückgreifen musste, als es um die Beschaffung dringend erforderlicher FFP 2-Schutzmasken ging.
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Erleichterung nach Entwarnung der Gesundheitsbehörde
Bis die Infektion des besagten Bewohners nachgewiesen wurde, waren ein paar Tage verstrichen, in denen sich mehr als ein Dutzend Personen (s. Infokasten) ansteckten. "Wir haben wirklich Angst", erinnert sich Sandra Bittner. "Dass die Leute uns hier wegsterben wie die Fliegen." Umso größer war die Erleichterung, als die Gesundheitsbehörde Entwarnung gab. "Das Ausbruchsgeschehen ist beendet" heißt es in einer offiziellen Stellungnahme des Landkreises - die Rückkehr zur Normalität allerdings liegt für das Team in der Poststraße noch fern. Denn: Außerhalb des Hauses besteht bekanntlich das Infektionsrisiko fort, weswegen soziale Kontakte weiter beschränkt werden müssen und Hygienevorschriften den Alltag der Bewohner dominieren. "Das ist schon schwierig."
Wunsch: Belegschaft soll im privaten Bereich wieder normal behandelt werden
Inhaberin Peters-Bittner hofft zumindest, dass die behördlich attestierte Corona-Freiheit dazu führt, dass man ihrer Belegschaft im privaten Bereich wieder normal begegnet. Kürzlich noch waren Mitarbeiterinnen mit Verweis auf das Infektionsgeschehen im Haus beim Friseur oder bei der Fußpflegerin abgewiesen worden.
In Überblick
-Nach einem Klinikaufenthalt war ein Heimbewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden.
-Zwischen der Entlassung und der Ergebnismeldung lagen fünf Tage, in denen sich im Haus neun weitere Bewohner und sechs Pflegekräfte ansteckten.
-Von den infizierten Bewohnern sind drei verstorben, wobei in zwei Todesfällen kein Bezug zur Corona-Infektion angenommen wird.
-Wiederholte Tests zeigten, dass das Haus inzwischen coronafrei ist.
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