Streitthema

Cuxland: "Leben mit dem Wolf ist möglich"

08.06.2017

WANNA. Der Wolf sorgt für Schlagzeilen. (red)

Die SPD-Kreistagsfraktion mit ihrem Vorsitzenden Claus Johannßen hatte Betroffene und Fachkundige zu einem Gedankenaustausch ins Moorinformationszentrum Ahlen-Falkenberg (MoorIZ) eingeladen, um das von Emotionen geprägte Thema auf eine sachliche Ebene zu bringen.

Die Polarisierung, so Biologin Karin Fäcke vom MoorIZ, mache es schwierig, Lösungen zu finden. Hochgradig sozial, anpassungsfähig und klug, „passen Wölfe sich dem an, was die Menschen tun oder nicht tun“, so Fäcke. Zudem sei der Wolf durch das Washingtoner Artenschutzabkommen mit der höchsten Stufe geschützt. Angesichts seiner Wanderungsbegabung werde es einen wolfsfreien Landkreis nicht mehr geben, glaubt Fäcke. „Was wir brauchen, sind mehr mit Sendern ausgestattete Wölfe, ist Monitoring und Geld für Forschungspersonal. Denn Leben mit dem Wolf, ohne Angst haben zu müssen, das ist möglich.“

Hermann Kück, Wolfsberater des Landkreises, widmet sich von Wolfsrissen betroffenen Landwirten. Er beschrieb den Fall einer getöteten Fähe im Raum Meckelstedt. Der Rüde musste sich um den fünfköpfigen Nachwuchs kümmern und Nutzvieh stellte die am besten erreichbare Nahrungsquelle dar. Hierarchien im Rudel zu erkennen, sei von elementarer Bedeutung. Deutliche Worte richtete Kück an die Politik. Der niedersächsische Umweltminister habe Schadenersatz eingeschränkt, Ausgleichszahlungen erwiesen sich als Kleingeld. Stefan Wenzel sehe für Wolfsschäden 25 000 Euro und für Fraßschäden durch Gänse 27 Millionen Euro vor. Kück: „Das System stimmt nicht.“ Die Deichschäferei sah der Wolfsberater nicht kritisch, jedoch stellten Rinder ein Problem dar. Elterntiere übertrügen ihr Verhalten auf den Nachwuchs, „da muss man reglementieren“. Seine Forderung: „Wir wollen junge Wölfe aus der Natur entnehmen dürfen.“

„Rote Linie“ ziehen

Kreisjägermeister Ahrendt Müller bekannte: „Wir wollen den Wolf nicht ausrotten. Was wir wollen, sind feste Grenzen.“ Er stellte die Frage, wie viel Wolf das Land vertrage. Der hohe Schutzstatus, so die Forderung der Jägerschaft, solle auf EU-Ebene herabgestuft werden, um einzelne Individuen entnehmen zu können. „Ohne Grenzziehung, ohne Rote Linie bekommen wir kein Verständnis bei den Betroffenen.“ Den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen, bringe nichts, denn damit sei die Hegeverpflichtung verbunden, „Schäden bleiben am Jagdpächter hängen.“ Lüder Steinberg (Jägerschaft Wesermünde-Bremerhaven), sah keinen effektiven Schutz durch Zäune. „Das geht eine Zeit lang gut, dann weiß der Wolf Bescheid.“ Das Hauptproblem sei die Vermehrung um jährlich 30 Prozent. Auch er appellierte an die Politik, den Wolf nicht mehr streng zu schützen, „damit Regulieren möglich ist“.

Landvolk-Vorsitzender Volker Kamps sah das größte Problem darin, „dass der Wolf die Scheu vor dem Menschen verloren hat“. Er beklagte Übergriffe auf Nutztiere. Wie seitens der Politik mit den betroffenen Landwirten umgegangen werde, sei unwürdig. Das Land biete Hunde, Esel und Zäune an, „weiße Salbe“. Er sei besorgt, dass Tiere in den Ställen blieben, Weideflächen nicht mehr verpachtet werden könnten.

Der Geschäftsführer der Wasser- und Bodenverbände Otterndorf, Torsten Heitsch, ging auf die Notwendigkeit wolfsfreier Deiche ein: „Für einen guten Deich sind Schafe unverzichtbar.“ Komme es in den Herden zu Wolfsrissen, gäben zwei von drei Schäfern auf. Einzäunen habe keinen Sinn. Sein Verband habe jüngst einen Stall für 800 Schafe errichtet, um sicheres Winterquartier zu geben.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Uwe Santjer teilte mit, dass die Fraktion ein Positionspapier zum Wolf erarbeite. Er machte deutlich, dass dies nicht nur Landesaufgabe sei. Bund und EU müssten sich beteiligen. Fraktionschef Claus Johannßen: „Wir richten auf Kreisebene einen Arbeitskreis ein und geben die Problematik an Land- und Bundestag weiter.“

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