Das "Aus" für den "Schiffsmeldedienst"

20.12.2008

Station Cuxhaven wird zum Jahresende aufgegeben

<b>tas. ? Vor mehr als 150 Jahren haben Hamburger Kaufleute den Schiffsmeldedienst an der Elbe gegründet. Die Station in Cuxhaven spielte dabei von Anfang an eine zentrale Rolle, denn von hier konnte man die einlaufenden Schiffe als erstes sehen und deren voraussichtliche Ankunft nach Hamburg melden. Das geschah zunächst mit Reitern, dann mit Licht-, später mit Funksignalen und heute per Internet. Die moderne Kommunikationstechnik macht nach über eineinhalb Jahrhunderten das Personal und damit auch die Station des Schiffsmeldedienstes in Cuxhaven überflüssig. </b> Die traditionsreiche Einrichtung schließt zum Jahresende und wird von der Zentrale in Hamburg per Datenfernübertragung mit betrieben. Die Schiffsansagen auf der Alten Liebe gehören damit auch der Vergangenheit an. Ein Ersatz ist bislang nicht in Sicht. Gespräche mit der "Kurverwaltung? haben kein Ergebnis gebracht. Am 31. Dezember um 20 Uhr ist definitiv Schluss. Dann zieht die Lotsenwache in die Büroräume der Schiffsmelder im Steubenhöft ein. Für die vierköpfige Besatzung der Station bedeutet das Umzug nach Hamburg oder Arbeitslosigkeit. Hauke Weiß (45) trifft es am härtesten. Er weiß noch nicht, wie es beruflich weitergehen soll. Bernd Pinkus (50) und Hans-Joachim Koch (60) werden ab neuem Jahr in der Hamburger Zentrale arbeiten. Und der Vierte im Bunde? Der ehemalige Kapitän Peter Brüninghaus ist mit 67 Jahren ohnehin schon Rentner. Er arbeitete auf 400-Euro-Basis und eigentlich nur noch, weil er den Kontakt zur Schifffahrt nicht ganz verlieren wollte. In der Regel informieren die Schiffsführer über Funk den Schiffsmeldedienst, wenn sie die Position "Elbe1? in der Elbmündung erreicht haben. Der Schiffsmelder nimmt dann die Daten des Schiffes auf, sofern sie nicht ohnehin schon dank AIS-System auf der elektronischen Seekarte angezeigt werden. Anschließend informiert er seine Kunden über den errechneten Ankunftstermin des Schiffes und die für die Abfertigung notwendigen Dienstleistungen. Das sind die Schleppreedereien, Lotsen, Makler, Schiffsausrüster, der Zoll, die Wasserschutzpolizei, die Stauereien, Wäschereien und viele andere mehr, die sich um Schiff und Besatzung kümmern. Da die Hafenzeiten aus Kostengründen möglichst kurz gehalten werden, muss alles für eine reibungslose Abfertigung vorbereitet sein, sobald die Festmacher das Schiff an der Pier vertäut haben. Früher brauchten die Schiffsmelder den Sichtkontakt zu den Schiffen und einen Arbeitsplatz mit freiem Elbblick. Ursprünglich waren sie daher im Radarturm untergebracht. Aufgrund der modernen Technik wäre das heute eigentlich nicht mehr nötig, trotzdem halten die Cuxhavener Schiffsmelder ihr heutiges Büro an der Westseite des Steubenhöft-Gebäudes für ideal. Von dort oben im zweiten Stock haben sie dank der unverstellten Glasfront einen freien Blick auf die Elbe, bei gutem Wetter vom Vogelsand bis nach Brunsbüttel. "Das ist natürlich von Vorteil, wenn man die Daten mit der Wirklichkeit abgleichen kann?, meint Hauke Weiß, der mit Begeisterung Schiffsmelder war und nun vor einer ungewissen Zukunft steht. Was von der traditionsreichen Einrichtung bleibt, sind die Funkempfänger, die aber künftig automatisch arbeiten und von der Hamburger Zentrale der Schiffsmeldedienst GmbH mit bedient werden. Dort arbeiten über 20 Kollegen im 24-Stunden-Schichtdienst, während die Cuxhavener Station schon zurückgefahren worden war. In den vergangenen Jahren wurde nur noch der Tagesdienst versehen. Für die Cuxhavener Hafenwirtschaft geht damit ein weiterer Dienstleister verloren, der im Handy- und Internetzeitalter zwar nicht mehr zwingend gebraucht wurde, aber von einigen als angenehmer Service angenommen und bezahlt wurde. Damit ist nun bald Schluss.

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